Ägypten - Land der heiligen Katzen und launischen Autos

      Reisebericht

 

   

Häufig saß ich in einem Kaffee des Suks Khan El Khalili. Es lag eingezwängt zwischen hohen Hauswänden. Dieser Umstand verhalf zu permanentem Schatten, führte aber auch zu ziemlichem Gedränge. Die Sitzbänke, schöne schwere Holzqualität, waren längs des Ganges aufgestellt. Kleine Eisentische standen verstreut, und die Menschen drängten sich unaufhörlich zwischen diesem Mobiliar hindurch  an einem riesigen, golden gerahmten Spiegel vorbei. Die Bedienungen eilten mit ihren Tabletts  hin und her, die Wasserpfeifen blubberten, schwarz gekleidete Frauen nippten an Strohhalmen und die Männer spielten Domino oder Taula. Wenn ich einen Sitzplatz finden konnte, zog ich verstohlen meinen Skizzenblock hervor und begann meine Tischnachbarn zu zeichnen. In der welligen, goldumrandeten Dunkelheit des Spiegels beobachtete ich eines Nachmittags eine faszinierende Frauengestalt. Sie mußte hinter mir stehen. Eine alte Schönheit. An diesem Nachmittag trug sie einen schwarzen Samtumhang über weißer Spitzenbluse. Ihre Augen waren groß und schwarz, von dicken Kayalstrichen umrandet. Sie brannten verzehrend in dem faltigen, ebenmäßigen Gesicht. An einem ihrer Finger leuchtete ein großer Stein. Das mit Henna gefärbte Haar bedeckte ein zarter Voileschleier, der ihrer Erscheinung besondere Eleganz verlieh. War sie eine Dame der Gesellschaft oder eine alte Hure? Ich wandte den Blick ab vom Spiegel und trank meinen Tee. Auf einmal, wie von meinen Gedanken angezogen, stand diese fremde Frau dicht vor mir. Sie lächelte und reichte mir eine in Goldpapier gewickelte Praline. Ich wußte nicht, wie ich zu dieser Auszeichnung kam und bedankte mich mit unsicherem Lächeln.

Reisebericht Kairo ÄgyptenEine Woche später skizzierte ich im gleichen Kaffee einen Zeitungsleser und zwei Männer, die zügig verschmitzt eine Partie Domino spielten. Plötzlich sah ich sie wieder, die faszinierende alte Dame. Sie sprach mit einer Gruppe von Leuten und kam dann zu dem Tisch, an dem ich mit einem Kaffee schlürfenden Araber saß. Wieder sah sie mich an mit diesem durchdringenden Blick, von dem ich nicht zu sagen wußte, ob er wohlmeinend war, oder ob eine versteckte Bosheit in ihm lauerte. Dann griff sie in ihre Manteltasche und legte wieder eine Praline auf den Rand meiner Untertasse.  Ich blickte erstaunt zu ihr hoch und stammelte einen besonders herzlichen Dank.  Die Frau ging weiter.

" Sie hätten ihr einige Piaster geben sollen," sagte mein Tischnachbar, " sie ist eine stadtbekannte Bettlerin."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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