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Abenteuer in der Sahara
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Mit diesem Wissen ausgestattet sind wir zwei Tage später in Atar, der "heimlichen" Hauptstadt der Mauren. Dort wird ein Campement unser Zuhause, ein Campingplatz, der auch Zelte und Zimmer bietet. Der richtige Platz, um weiterzufragen. Wir nehmen Quartier in einem Beduinenzelt. Ab jetzt gibt es für drei Wochen kein Bett und kein Zimmer mehr. John, der Chef, ein hängen gebliebener Europäer, erfährt von unseren Wanderambitionen und hat alle paar Stunden neue Tipps, angefangen bei Nomaden, bis zu konkreten Touren. Die Preisverhandlungen sind eröffnet. Das erfordert Zeit, Gespür und Verhandlungsgeschick. Ausloten des Gegners, ausloten des Limits, die Übersicht, Interessantem nachzuspüren und Ungeeignetes auszusieben. Nach zwei Tagen hat er plötzlich jemanden gefunden, der ein Touristencamp weit draußen in einer Oase besitzt und uns an einen "Sohn der Wüste" vermitteln kann. Dann muss alles schnell gehen. Es ist sehr teuer; wir zögern, fühlen uns unsicher. Auch Johns Nerven liegen blank. Es geht um viel Geld, vor allem um seine Provision. Er schreit herum: "Zeit ist Geld", oder "Ich hab noch mehr zu tun!" Anscheinend sind wir gut im Verhandeln und er ist noch immer Europäer und nicht Maure, wie er es den Touristen gerne vorspielt. Der Preis lässt sich nicht mehr herunterhandeln, wir sind aber auch an unserer Schmerzgrenze. Zögernd schlagen wir ein, wohlwissend, dass Agenturpreise um Einiges höher sind. Noch am selben Abend steigen wir in einen Geländewagen der uns ans Ende der Welt bringt. Das Ende der Welt heißt Quadane und war einst eine blühende Stadt, die von Karawanenhandel, Gemüseanbau und Dattelernte lebte. Jetzt ist sie eine ausgetrocknete, verfallende Wüstensiedlung, die langsam stirbt. Die meisten arbeitsfähigen Männer sind in die Städte ausgewandert. Bedeutung hat der Ort als Ausgangspunkt für Kamelsafaris. In der Nähe befindet sich der Guelb er Richat, der angeblich größte Meteoritenkrater der Welt. Nach 150 Kilometern Waschbrettpiste erreichen wir das Camp und werden prompt mit Couscous versorgt. Wir hatten vereinbart, uns zunächst für ein, zwei Tage zu akklimatisieren. Danach sind zwei Touren geplant - die erste für fünf Tage ins nahe Bergland, die zweite neun Tage in die umliegende Sandwüste. Nach zwei Tagen und genauer Besprechung werden die Kamele beladen und wir brechen gemütlich auf. Lange noch geht es durch die Palmenoase, die sich kilometerweit nach Westen hinstreckt, mit kleinen Dörfern und Weilern in ein langgezogenes Tal hinein. Die erste Mittagsrast machen wir am Rande eines herrlich schattigen Waldes. Mohammed Lemin, unser Führer und Defoud, der eigens requirierte Koch, trinken ein Gemisch aus Trockenmilch, verschmutztem Brunnenwasser und Zucker. Es ist für uns aus gesundheitlichen Gründen ungeeignet, sodass wir einfach Wasser filtern und in unsere Trinksäcke füllen, wie von nun an immer. Dosensardinen mit Maissalat werden zubereitet und schmecken ganz hervorragend. Zur Abrundung kommt grüner Tee mit Minze - süß und stark. Die Zeremonie der Zubereitung ist eine heilige Handlung. Mohammed Lemin greift in seinen Militärrucksack und nimmt das Teegeschirr heraus. Es ist in einem alten, vergilbten Tuch vollständig eingewickelt. Ganz behutsam wickelt er seinen Schatz aus. Er besteht aus einer kleinen emaillierten Kanne und vier winzigen Gläsern. Dann wischt er alles sorgfältig ab. Die Kanne wird mit Dosentee aus China, frischen Minzblättern und ein paar Handvoll Kristallzucker fast randvoll aufgefüllt. Die Mischung landet, ergänzt mit Wasser, auf den glühenden Holzstücken, die eigens dafür vom Küchenfeuer abgezweigt wurden. Das erste Glas schmeckt heiß und aufputschend. Doch es gibt drei Aufgüsse. Der letzte ist cremig und weich. Das Gebräu wird, wenn man es richtig macht, laut und zügig schmatzend auf einen Zug ausgeschlürft. Es ist, wie wir bald merken, der einzige Luxus und hat fast religiösen Charakter. Das Ritual wird uns von nun an mehrmals am Tag begleiten.
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