Abenteuer in der Sahara

      Reisebericht über Mauretanien

Teil 3

 

 

   

 

24. Dezember 2001. Das erste Ereignis des Tages besteht aus Hunderten Fliegen. Sie sind auf den Kamelen mitgereist und überfallen nun uns. Diese von nun an beständige Plage wird uns lehren, dass man so einiges ertragen kann. Kaum ist es dunkel, sind sie schlagartig verschwunden, bis zum nächsten Sonnenaufgang. Wir brechen auf. Die Schlucht windet sich vor uns wie ein Drache, manchmal nach links, dann wieder nach rechts. Oft versperren kleine Sanddünen unseren Weg, oft gehen wir auf blankem Fels. Die Kamele bewegen sich wie Dinosaurier, zielstrebig als wären sie programmiert. Dann erreichen wir unser Abendlager. Es liegt wunderschön im Tal, das sich inzwischen bedeutend verengt hat, an einer Stelle, wo ein paar Dünen für Abwechslung sorgen. Auf einer kleinen Anhöhe machen wir Halt und laden ab. Man kann kilometerweit sehen, alles wirkt rein und feierlich. Weihnachtlich? Nach dem Abendessen sitzen wir noch lange am Feuer beisammen, ich denke an meine Freunde zuhause und krieche später zufrieden in meinen Schlafsack.

Reisebericht MauretanienAm vierten Tag ändern wir noch einmal die Richtung und befinden uns bald auf hartem, felsigem Terrain. Nachdem wir gestern mit einem Schwenk von neunzig Grad das Qued (Wadi, Trockental) verlassen haben, befinden wir uns auf dem hier völlig flachen Hochplateau. Überall liegen Steine, man muss von einem zum nächsten hüpfen. Uns zwei Europäern fällt das ausgesprochen schwer. Die beiden Mauretanier laufen wie die Wiesel. Plötzlich liegt ein bisher unsichtbares Qued vor unseren Augen. Es verliert sich nach Westen und weitet sich dort zu einem riesigen Halbrund. Das ist der Rand des Guelb er Richat. Wir verlassen das Hochland und stolpern einen steinigen Weg ins Tal.

Abends erreichen wir einen Brunnen, knapp vor dem äußersten Rand des Meteoritenkraters. Wirkt dieser auf Satellitenbildern sehr spektakulär, so ist er vom Boden aus nur zu erahnen. Die Landschaft jedoch ist gewaltig. Es gibt jede Menge Dornensträucher und akazienartige Bäume. Wenn ich mir anstatt des Sandes Gras vorstelle, dann sieht es aus wie in der ostafrikanischen Savanne. Es würde mich nicht wundern, einem Rudel Löwen zu begegnen oder an Bäumen knabbernden Giraffen. Wir lagern einigen Hundert Meter von einer Wasserstelle entfernt. Es dürfte ungeschriebenes Gesetz sein, sich nie bei einem Brunnen direkt länger aufzuhalten. Man geht nur hin, um Wasser zu holen. Martin und ich starten jedoch einen Sturmangriff, entledigen uns aller Kleider, und überschütten uns mit dem kühlen Nass. Erst am nächsten Tag wird mir klar, dass das gegen alle Benimmregeln war. Mohammed Lemin und Defoud sind zu großzügig, um uns darauf aufmerksam zu machen, aber ich denke der Schock war für die beiden wohl groß. Von unserem Feuerplatz aus geht es etwa drei Kilometer leicht bergab, wo wiederum die Abbruchkante des Hochlandes beginnt. Dort verläuft unser Weg zurück. 

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