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Aerobic im Park und die Kindheit des dicklichen Diego MaradonaReisebericht aus Argentinien
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16. Dezember 2001 Am Sonntag Spätvormittag zeigt sich, zu welcher Gruppe
von Argentiniern man gehört: Ich habe mich heute entschlossen, die Gruppe b) zu untersuchen und jogge zusammen mit anderen Nachbarn meines cuadra entlang der achtspurigen Avd. Libertadór von meinem Haus zum parque 3 de febrero. Mein Puls ist schnell auf herzgefährdenden 167, obwohl ich eigentlich eher schleiche, als laufe. Liegt es daran, dass ich mich mehrmals in letzter Sekunde vor einem Tod durch Überfahren retten kann, indem ich zwischen zwei (fahrende) Wagen hechte? Oder liegt es daran, daß wir heute mit 29° eine "angenehme" Wärme haben, wie mir mein portero mitteilt - er meint das nicht ironisch. Der parque 3 de febrero ist eine der weniger grünen Lungen der Stadt und verwandelt sich immer zum Wochenende in einen großen Vergnügungspark. Wie soviele kulturelle Veranstaltungen gibt es auch hier für die Einwohner der Capital umsonst ein umfangreiches Freizeitprogramm. Gleich am Eingang des Parks steht eine Bühne, auf der zu Discomusik eine Vortänzerin Aerobic, Formationstanz und Balanceübungen zeigt. Stellen wir uns dieses Bild im Berliner Tiergarten eines Sonntags vor: Während die eine Hälfte der Leute sich demonstrativ die Ohren zuhält - Sie verstehen? Der Lärm - findet es die andere Hälfte wahnsinnig lächerlich und ätzend, in der Öffentlichkeit Tanzmaus zu spielen. Nicht so hier: Mehrere Hundert Männer, Frauen, Kinder, Alte und Junge machen es nach, schwitzen und haben Spaß daran, zu tanzen. Gleich daneben hat die Gesundheitsverwaltung einen Stand aufgebaut und lädt zu kostenlosen Getränken nach dem Sport und zum Blutdruckmessen ein. Der schönste Teil des Parks ist um einen künstlichen See herum angelegt, es gibt Rosengärten, Jogging- und Skatingspuren und Wiesen, auf denen die Menschen liegen, Mate trinken und sich unterhalten. Leider ist alles hier - wie auch vieles Andere in der Stadt - aus einer besseren Zeit und bröckelt, bricht und zerfällt. Auf dem Rückweg nach Hause bietet sich mir noch ein sehr schönes Bild: Eines der Orchester der Stadt spielt mit mittlerer Besetzung klassische und moderne Kompositionen. Die Musiker sitzen unter einem Baum am See und die Zuhörer stehen rundherum ganz dicht am Orchester. Nach den kurzen Stücken klatschen und rufen die Leute jedesmal.
Die Wellblechhäuser wurden aus Schiffsmaterialien gefertigt und mit den Resten der Bootslacke bemalt, da es kein Geld für andere Materialien gab. Der Maler Benito Qinquela Martín lebte hier und machte das harte Leben der Bewohner zum Motiv seiner Bilder.
Auf dem Rückweg gehe ich am Stadion des Stadtteils vorbei: Hier begann die Karriere des großen Nationalhelden Diego Maradona, zu dessen Gefolgschaft ich mich schon häufig bekennen mußte, um nicht in Streit mit einem porteño zu geraten. Es wird langsam Abend und ich laufe durch das heutige Arbeiterviertel von La Boca zur Busstation. Obwohl ich in Jeans und Poloshirt unterwegs bin, werde ich einige Male von 20jährigen, die in kleinen Gruppen auf der Straße sitzen mit dem "Bösen Blick" bedacht, der Einschüchtern soll. Bei 20% Arbeitslosigkeit im Landesdurchschnitt dürfte die Zahl in diesem Viertel deutlich höher liegen und die Aggressionen häufen sich. Letzte Woche wurden 7 Taxis und ein Bus in Brand gesteckt.
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