Transatlantik

      Segeln Tag und Nacht

Teil 2 

 

   

 

Offshore

Kleidung, Faserpelz  und Gummistiefel, passt. Es ist warm, doch der Wind kühlt auf der Haut und wenn, wie heute abend, noch ein Gewitter mit heftigen Regengüssen durchzieht, sind nachts durchaus auch Handschuhe am Platze.  Wir laufen voll und bei, mit Vollzeug und machen mit 8 kn. Fahrt  Strecke gut. Der Steven frisst sich durch die nächste Welle, die wütend nun, mit halbierter Macht, über das Vorschiff brodelt. Immer und immer wieder. Echtes Hochseesegeln. Am Ruder kommt Transrapid-Feeling auf. Doch im Schiff schlägt die Stimmung um. Die vorderen Luken sind undicht. Auch die Kabeldurchführung zum Ankerkasten  ist nicht dicht zu kriegen. Folge: Seewasser schwappt durch die Längsschaps im Vorpiek und durchfeuchtet tropfenweise auf dem Weg nach unten: Decken, Polster, Seesäcke etc., bevor es sich am Boden mit der trüben Bilgenbrühe vereint.

Meine Güte, 20 kg max. zugelassenes Gepäck in der Airline sind, bezogen auf  10 Wochen,  nicht die Welt " und nun das! Die Vorschiffskabine wird als unbewohnbar erklärt. Die Mannschaft rückt zusammen. Doch auch die kunstvoll angebrachten Ableitungen aus Tape und Klarsichtfolie, unterhalb der Dachluken, verrichten ihre Aufgabe nicht fehlerlos. Das Salzwasser soll durch diese Hilfskonstruktion außerhalb der Matratzen auf die Bodenbretter zur Weiterleitung an die Bilge tropfen, doch so mancher Tropfen geht wegen der wilden Schaukelei doch in die Koje. Handtücher werden als Tropfenfänger ausgelegt, sie sollen das Schlimmste verhindern. Das Schlimmste wäre ein  nasser Schlafsack in einer feuchten Koje und damit keine Chance mehr den Körper wohltemperiert zu halten. Es kostet  Überwindung aus dem warmen Faserpelz in den klammen Schlafanzug zu steigen. Doch wer hier schlampt, bringt unweigerlich Salz mit in die Koje und hat damit jede Chance auf Trocknung derselben verspielt.  Die  Schaukelei, nicht nur in der Koje,  hat auch ihr Gutes: Der Körper ist, selbst im Schlaf, immer in Bewegung ich bin nie mit kalten Füßen oder Kreuzschmerzen aufgewacht. Überflüssige Pfunde werden, trotz hervorragender Küche, abbewegt.  

Reisebericht Atlantik Segeln15 Minuten vor Wachwechsel  piept die Armbanduhr, die neben meinem linken Ohr über dem  Wandstrahler hängt. Nur dort, nicht am Arm, hat der Weckton eine Chance gegen den Lärm meinen Hörsinn zu erreichen, seinen Auftrag zu erfüllen. Komisch, auf See träume ich immer vom Landleben, häufig spielen  Personen aus meiner Jugendzeit, wenn auch bunt gemischt, die Hauptrolle. Bin ich wieder an Land, ist es meist umgekehrt. Dann träume ich von der See und der Seefahrt, hier allerdings auch in Tagträumen. Zunächst, bevor ich noch den Wecker ausschalte und aufwache: Wo bin ich?  Ach ja, irgendwo auf dem Atlantik. Aber jetzt ist keine Zeit mehr zum Träumen, im Gegenteil.  

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  Copyright © 2000 Klaus Mombergr