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TransatlantikSegeln Tag und Nacht Teil 3
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Bis ich die Wache ablösen kann, ist viel zu tun und vor allem die Reihenfolge korrekt einzuhalten. Zunächst die Toilette, eigentlich nur drei Schritte, aber das Rollen des Schiffes verlangt affenartige Geschicklichkeit, sonst drohen als geringste Blessur blaue Flecken. Ist man auf derselben, heißt es klammern, verkeilen und sich mit der Tatsache abfinden, dass der Mensch mit nur zwei Händen hier einfach überfordert ist. Recht hat er, der Bart des Seemannes, allein schon aus praktischen Gründen. Der Vollbart ist natürlich, die Rasur unnatürlich, spätestens jetzt wird deutlich, wie absonderlich die sog. Zivilisation uns verkehrt. Aus der Geräuschkulisse um mich herum kann ich inzwischen Rückschlüsse auf das derzeitige Wetter und die nun passende Kleidung ziehen. Unterwäsche, Mittelwäsche, Außenhülle, 3-Schicht-Stoff-Technologie, Microfaser, Feuchtewegfuhr, Atmungsaktivität, Membrane hier, Hosenschlitz da. Der erfahrene Segler wählt klug aus. Nein ehrlich, nach dem ersten ungemütlichen Schlupf in die klamme Unterschicht sorgt die Körperwärme mit der Hochtechnologiekleidung für Wohlempfinden auch bei extremem Wetter. Nur die richtige Reihenfolge und nichts vergessen ist wichtig, sonst droht Nacharbeit und damit Zeitverlust. Nun noch der Lifebelt, ein Blick auf die Instrumente, ein weiterer ins Logbuch, ist der Eintrag schon erfolgt? Oder steht die Einmann-Vorwache noch am Ruder, weil der Autopilot wieder streikt? Wartet der frisch aufgebrühte Tee schon auf mich oder kann ich damit noch die Vorwache erfreuen? Tief einatmend steige ich in die Plicht. Prompt verwandelt sich die Geräuschkulisse. Was unter Deck noch bedrohlich klingt, wandelt sich über Deck in Geschwindigkeitsrausch. Schönes Arbeiten hier, doch am Wachende ist der Wechsel in die Freiwache genauso willkommen. Ein sehr ortsfestes Hoch im Bereich der Kapverden verleitet uns, entgegen der in der Literatur empfohlenen Route, die erst ab Höhe Bermudas langsam nach Osten schwenkt, einen eher loxodromen Kurs zu steuern, und wir haben Glück, der Wind verlässt uns nicht. Stärken zwischen 12 und 35 kn. aus unterschiedlichen Richtungen, zum Schluss auch aus Ost, sind die Regel. Nach 20 Tagen und 2400 sm sorgt das Feuer "Vale Formoso" auf der Westspitze von Faial (Azoren) auf meiner Mitternacht-Wache für erleichtertes Hinschauen.
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Copyright © 2000 Klaus Momberg