Catlins, Neuseeland

      Reisebericht

 

 

   

Reisebericht NeuseelandIn der Curio Bay im äussersten Südosten Neuseelands ist bei Ebbe einer der größten fossilierten Wälder der Welt zu sehen, die zu Stein gewordenen Überreste eines vermutlich 180 Millionen Jahre alten Waldes. Die versteinerten Bäume und Baumstümpfe an dieser Küste sind ein Beweis dafür, dass Neuseeland einst Teil des Superkontinents Gondwanaland war. Die versteinerten Pflanzenarten hier ähneln den in Südamerika gefundenen: Cykaden, Baumfarne, kauriähnliche, zur Familie der Araukarien gehörige Bäume. Ich blicke über die rauhe sturmgepeitschte Küste und versuche mir hier einen hohen üppigen Wald vorzustellen. Vor etwa 100 Millionen Jahren. Vielleicht auch "erst" vor 70 Millionen Jahren. Aktuelle Funde seltener Saurierschädel unterstützen die These, dass die Trennung des Urkontinents später erfolgte als bislang angenommen. Die Natur scheint zu sprechen und Stückchen um Stückchen ihre Geschichte zu erzählen. Ein Puzzle, das vermutlich nie vollendet sein wird.

Am Tag darauf stehen wir einem der letzten Vertreter aus der großen Dinosaurier-Zeit Auge in Auge gegenüber. Er heisst Henry, ist 121 Jahre alt, und lebt die Langsamkeit. Ein Atemzug in der Stunde und drei bis vier Herzschläge in der Minute. Henry ist eine Brückenechse, sitzt in Invercargill hinter Glas und lässt sich ungerührt beim gemächlichen Fressen zusehen. Er hat Chancen, 300 zu werden. Seine Vorfahren bevölkerten vor 250 Millionen Jahren die Erde, noch leben ein paar wenige seiner Verwandten auf den subarktischen neuseeländischen Inseln in Freiheit.

Wir verlängern spontan um einem Tag im verregneten kalten Invercargill. Kein Sightseeing mehr. Atempause.
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