Chuquicamata, Chile

      Reisebericht

 

 

   

Reisebericht ChileChuquicamata ist ein Ort der Superlative. Auf  3000 m Höhe an einem der trockensten Orte der Welt in der Atacama-Wüste wird seit 1915 aus einem 4,5 km langen, 2 km breiten und 850 m tiefen Loch mit den größten Baggern und Lastern der Welt Kupfer abgebaut. 600.000 Tonnen fast reinen Kupfers jährlich, das etwa 40% aller chilenischen Exporterlöse ausmacht. Chuquicamata ist die größte offene Kupfermine der Welt. Gegründet wurde sie 1915 von der US-amerikanischen "Anaconda Copper Mining Company",  1971 durch Allende  verstaatlicht, und heute ist die staatliche Codelco Betreiber der nationalen Kupferproduktion. Produziert wird 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr.

Chuquicamata ist eine immense Dreckschleuder. Die Luft ist voller Staub, beim Reinigen des Rohrkupfers werden u.a. Schwefelsäure und Arsen freigesetzt. Nicht von ungefähr steht auf dem 22 km langen Werksgelände auch ein Krankenhaus, das zu den modernsten Südamerikas zählt. Die Arbeiter gehören zu den bestbezahlten in Chile, Werkswohnungen gibt es gratis, für die leitenden Angestellten winken jährliche Ferienfreiflüge und Stipendien für die Kinder. Nur will niemand mehr hier leben, die Wohnungen auf dem Gelände sind leer und bereits vom Verfallsprozess erfasst. Man zieht wenigstens einige Kilometer weg, in immer noch verseuchte Luft, aber aus dem direkten Blickfeld des Ortes, der bald eine reine Industrieanlage sein wird.  Wer irgend kann, will sein Arbeitsleben nicht hier verbringen. Viele müssen.

Und wir? Wir setzen uns feuerrote Helme auf, posieren fürs Erinnerungsphoto neben dem Bagger, dessen Räder uns weit überragen und sehen in dem gigantischen Loch von oben wie Spielzeug wirkende riesige Laster die staubigen gewundenen Straßen hinauf- und hinunterkriechen. Und wissen einmal mehr zu schätzen, was es bedeutet, ein ganzes Jahr zu haben, über das wir allein verfügen konnten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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