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La Hougue Bie - Das Ganggrab
La Hougue Bie ist eine Kultstätte der Jungsteinzeit.
Es ist eines der größten und best erhaltenen Ganggräber
in Europa. Obwohl es allgemein als Grab bezeichnet wird, war
seine Funktion wohl wesentlich weitreichender und beinhaltete
Rituale und Zeremonien, zu denen auch die Bestattung gehörte.
Das
Ganggrab wurde 1924 bei Ausgrabungen der Socié Jersiaise
entdeckt. Die Struktur bestand aus einem schmalen Gang (9,6
m lang), der in einer ovalen Kammer (9 m lang und 3,6 m breit)
endet. Von dieser gehen zwei kleine Seitenkammern an der Nord-
und Südseite ab. Eine erhöhte Plattform führt
zu einer kleinen Endkammer an der Westseite der Hauptkammer,
und diese war wahrscheinlich der allerheiligste Teil der Anlage.
Die großen, aufrechten Steine und die Deckensteine im
Grab kommen aus verschiedenen Gebieten im Osten der Insel, und
es gibt Anhaltspunkte, dass sie Bestandteile früherer Monumente
waren und wiederverwendet wurden. Sie wurden mit Hilfe von Erdrampen,
hölzernen Rollen und vielen Menschenmaterial in die Erde
gesetzt.Gemessen an der Größe und vielseitigen Funktion
dieser Struktur, waren die Funde verhältnismäßig
gering. Man entdeckte Knochenteile von mindestens acht Personen
und eine Anzahl von Artefakten wie Steinwerkzeuge und Glasperlen.
Ebenso Knochen von Schafen, Schweinen und Ochsen sowie große
Mengen Napfschneckenmuscheln. An vielen Bruchstücken von
etwa zwanzig Tontöpfen waren Brandspuren, woraus man schließen
könnte, dass es vielleicht Lampen für rituellen Weihrauch
waren.
Der
große Hügel über dem Ganggrab wurde vor kurzem
im Rahmen eines größeren Ausgrabungsprojektes zum
ersten Mal erforscht. Das Projekt wurde zwischen 1991 und 1995
unternommen und führte zur spektakulären Entdeckung
einer massiven Steinstruktur unter dem Grashügel. Diese
Entdeckung ermöglichte es, die Struktur und Evolution des
gesamten Monumentes zu verstehen. Die erste Entwicklungsphase
von Hougue Bie war die Herstellung des Ganges und der Kammer,
die von einem strukturell gut gebauten Grabhügel aus Bruchsteinen
bedeckt wurden. Dieser war mindestens 9 m hoch und 36 m im Durchmesser
und hatte eine Außenverkleidung aus aufgeschichteten Steinen.
Dieses ist am Grabeingang deutlich zu erkennen. Während
der Jungsteinzeit, als dieses Monument in Gebrauch war, baute
man eine Anzahl von Erdböschungen gegen den Hügel,
die wiederum mit aufgeschichteten Steinen verkleidet wurden.
Die letzte und auch größte dieser Erdböschungen
kann man als geschweifte Wand beidseitig vorn Grabeingang erkennen.
Das Ganggrab von Houge Bie bleibt mehrere Jahrhunderte offen,
ehe man den Gang mit einer aufgeschichteten Steinwand blockierte
und den Zugang mit Schutt füllte. Bis zum Mittelalter war
die Stätte völlig verlassen.
Schon vor langer Zeit wurde La Hougue Bie als heidnische
Stätte betrachtet und wurde, wie viele andere, durch die
Errichtung einer Kapelle oben auf dem Hügel im frühen
Mittelalter christianisiert. Die Kapelle von Notre Dame de la
Clarté wurde im 12. Jahrhundert ge-baut und ersetzte
wahrscheinlich ein noch älteres Holzgebäude. Die Kapelle
wurde etwa vier Jahrhundete genutzt, dann wurde 1520 die Jerusalem
Kapelle und Krypte von Dekan Richard Mabon gebaut. DerÜberlieferung
nach arrangierte er vorgetäuschte Wunder und kassierte
die Opfergaben der Pilger. Die beiden Erzengel am Deckengewölbe
wurden kurz nach dem Bau der Kapelle gemalt. Während der
protestantischen Reformation standen die Kapellen verlassen
und verfielen später. Nach ihrem Wiederauf-bau 1925 wurden
sie 1931 erneut geweiht. Heutzutage werden dort einige Gottesdienste
abgehalten, und sie sind das Ziel einer jährlichen Pilgerwanderung.
Am 10. März 1942 begannen deutsche Truppen mit dem Bau
eines Kommandobunkers an der Westseite des jungseinzeitlichen
Gabhügels. In den folgenden Jahren wurden auf dem Gelände
über 70 Schützengräben gegraben. Der archäologische
Schaden war erheblich. Heute stellt der Bunker Gegenstände
des Zweiten Weltkrieges zur Schau, und einige Räume sind
Rekonstruktionen der Originale.
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