Bretagne

Reisebericht

  

  

  

  

 

Mein Ferienort war Carantec, zwischen Morlaix und Roscoff gelegen. Der Ort liegt auf einer Halbinsel, es gibt daher keinen Durchgangsverkehr.

Nun erst mal ein paar meiner Kurzausflüge in der Bretagne.

Cairn de Barnenez

(in der Nähe von Morlaix)

Diese Cairn enthält ca. 6000 Jahre alte Hügelgräber. Leider wurde diese Cairn (ein Steinhaufen) 1954 als Steinbruch benutzt. Daher eignet sich die Besichtigung nur noch für hartgesottene "Altertümler". Eintritt: Erwachsene 25 FF, Kinder 15 FF. Dafür gibt es nicht mehr viel zu sehen, obwohl man sich bemüht hat, zu retten, was noch zu retten war.

Roscoff

Roscoff ist eine kleine sehenswerte Stadt mit angenehmer Atmosphäre und schönen Bauten sowie einem Fährhafen, von dem die Schiffe nach Irland fahren (Kamera nicht vergessen). Abends kann man dort wunderbar spazieren gehen und/oder noch etwas trinken/essen. Es gibt viele schöne Lokale und dazu auch einige, die stark auf Touristen ausgerichtet sind, insbesondere auf englische.

Wenn man nach Roscoff reinfährt, kann man durch die Alkoholwerbung leicht den Eindruck gewinnen, daß man dort die Engländer für gnadenlose Säufer hält :-).

Morlaix

Morlaix ist eine sehenswerte Stadt mit vielen schönen Häusern, Geschäften, Straßen und Gassen und ist mit dem TGV von Paris aus mehrmals täglich erreichbar. Die Stadt ist ein Zentrum für die gesamte Umgebung, was sich durch das vielfältige Angebot bemerkbar macht.

Wenn man über die N12 nach Morlaix kommt, dann bietet sich von der Brücke aus über das Tal ein wunderbarer Blick über den Hafen und die Stadt (Morlaix liegt nicht direkt am Meer, man kann nur bei Flut aus dem Hafen rausfahren und auch wieder rein natürlich). Kommt man von Norden direkt am Flußufer entlang, so erwartet einen jeden Tag ein anderer Anblick der Landschaft. Das scheint mir auch die wichtigste Erfahrung zu sein: Es ist jeden Tag anders mit Wetter und Landschaft.

Im Sommer findet jeden Mittwochabend ein Straßentheater statt. Den Beginn entnimmt man den Tageszeitungen. Die Veranstaltungen liegen immer zwischen 19 und 24 Uhr, können aber auch schon mal erst um 21 Uhr beginnen. Für einen Parkplatz muß man natürlich früher da sein, denn es kommen viele Leute aus der ganzen Umgebung. Zwei bis drei Vorstellungen gibt es pro Abend, immer völlig unterschiedliche. Da sind wir natürlich hin! Bis auf eine waren sie von nicht erwartet hohem Niveau und Unterhaltungswert. Dazu vorher noch ein kleiner Bummel durch die Stadt, noch 'nen Kaffee oder sonstwas gemütlich schlürfen - der Abend war gesichert.

Die Kirchen und Museen sind kein Zwang. Geht man aber nicht hinein, hat man etwas verpaßt, selbst wenn ein paar Stunden Sonne für die Besichtigung "verloren gehen".

Samstags ist Markt. Scheint erst ein bißchen klein zu sein. Beim weiteren Bummel durch die Stadt entdeckt man aber schnell, daß der Markt hinter dem Hotel de Ville weitergeht. Dir französischen Märkte sind eine Attraktion.

Cote de Granit Rose

Diese Gegend ist eine wunderschöne Küstenlandschaft. Ganz schmale Sträßchen führen entlang der Küste (hoffentlich kommt kein Bus entgegen!). Manchmal gerät man zwar in eine Sackgasse, aber es lohnt sich trotzdem. Mich hat Le Gouffre (nördlich von Treguier) am meisten beeindruckt. Es gibt wenig Touristen. Man muß oft noch eine kleine Strecke zu Fuß (ächz!) gehen und wird dafür von der Natur belohnt.

Die Hauptstrecke dieser Küste, die am schönsten sein soll, liegt zwischen Perros-Guirec und Trebeurden. Sie ist touristisch recht gut erschlossen, d.h es gibt dort alles, was der Tourist braucht (oder brauchen soll). Die Beifahrer haben Zeit zum Gucken, denn wegen des Verkehrs geht es nur langsam vorwärts. Hier wird wohl eher der Wanderweg entlang der Küste das Richtige sein (habe ich aber selbst nicht geschafft, es war schon zu spät).

Lannion

Donnerstags muß man hin, wenn man eine Parkplatzsuche nicht scheut. Denn donnerstags ist Markt, aber nicht nur auf dem Marktplatz am Fluß, die halbe Stadt ist voller Stände. Es gibt natürlich den üblichen Kram und Ramsch wie auf vielen Märkten (Uhren, Lederwaren, Kleidung) aber auch tolle Lebensmittelstände (ja, ja, ich esse gern gut) und andere interessante Dinge. Was mir hier und danach an vielen Orten in der Bretagne aufgefallen ist: Es gibt erstaunlich oft Angebote aus biologischem Anbau, zum Teil mit Angabe der Erzeugeradressen. Ich weiß nicht, ob dieses Phänomen nur auf die Bretagne beschränkt ist. Ich hatte jedenfalls nicht geglaubt, daß in Frankreich dafür ein Markt besteht und in normalen Geschäften damit sogar Werbung gemacht wird. (Denn wie wir seit Tschernobyl wissen, sind z.B. in Frankreich die Becquerelchen lange nicht so schlimm wie bei uns. :-)

Crepes und Galettes

Das sind zwar keine Orte, wie die Kundigen wissen, aber das Thema taucht hier nicht ohne Grund nach Lannion auf :-) Also, Crepes und Galettes, das ist eine Sache für sich. Beides sind angeblich bretonische Spezialitäten. Im allgemeinen gibt es einen hauchdünnen Teigfladen mit irgendetwas drauf, Fladen wird zugeklappt - fertig. Mein Fall ist das nicht. Ich kenne aber Leute, die könnten alle 15 Minuten eine verdrücken.

Galettes sind aus Buchweizenmehl (dunkler Teig) und daher (?) teurer als Crepes. Der Teig ist mehr gesalzen, bei den Crepes ist er eher süß - nach meinen Erfahrungen. Auf den Märkten gibt es manchmal auch andere Galettes. Sie haben etwa "nur" 15 cm Durchmesser, sind dick und in den Teig wird bereits die Füllung eingebacken - und vor allem, sie werden frisch aus Teig gemacht. Es sind jedenfalls keine Pfannkuchen - und sie schmecken prima.

Quimper

Eine tolle Stadt! Da muß man gewesen sein. (Filmvorrat vorher kontrollieren!) Quimper hat ein großes Zentrum um die Kirche herum. Die Kirche sollte man von außen und innen gesehen haben, selbst wenn sie teilweise Baustelle ist. Die Häuser im Zentrum sind oft ziemlich alt und in der typischen Weise gebaut, daß die oberen Stockwerke weiter in die Straße ragen als die unteren. Teilweise findet man geschnitzte Holzfiguren an den Fassaden. Die Fassaden der Geschäfte überdecken leider die Originalfassaden der jeweils unteren Etage (wie bei uns auch). Jede Menge Volk war in den Straßen unterwegs, fast alles Touristen, an Kleidung und Kamera von weitem zu erkennen. Wir hatten nicht daran gedacht, daß es der 1. August war. An disem Tag strömte Frankreich in seine Feriengebiete (am darauffolgenden Wochenende übrigens auch - 3 Tage Staunachrichten im Fernsehen wie zuhause). Im September soll es in Quimper wieder ruhiger zugehen.

Quimper bietet alles, was man von einer schönen Stadt erwarten kann: Straßen und Gassen zum Bummeln, Cafes und Bars, Geschäfte mit Auslagen, die Ehefrauen begeistern. Einmal hinfahren ist zu wenig. (Wir waren auch nochmal dort.)

Huelgoat

Huelgoat liegt im Landesinneren. Vom ehemaligen Waldgebiet ist noch ein ansehnlicher Rest übrig. Auch die Anfahrt macht schon Spaß, kein Verkehr und schöne Landschaft. Die Gegend um Huelgoat lohnt sich.

Der Wermutstropfen ist nur das Kernkraftwerk ein paar Kilometer westlich des Ortes. Klar, man sieht, riecht und hört nichts. Aber das Bewußtsein, in der Hauptwindrichtung zu sein, schmälert das Vergnügen an der Gegend schon.

Ausflug Carantec - Plouescat

Strecke: Carantec, an St. Pol vorbei nach Santec, Tregor, Plougoulm, Sibiril, Mogueriec, Theven, Kerfissien, Plouescat

Muß man nicht gesehen haben - es sei denn, Dünen sind das Lebenselixier. Die Küstenstraße führt tatsächlich durch ein riesiges Dünengebiet. Überall links und rechts der Straße schaut der Sand hervor. Der Ausbau zum Touristengebiet war wohl fehlgeschlagen. Zumindest schließe ich das aus diversen wieder geschlossenen Diskos und Nightclubs.

Plouescat selbst scheint aber in der Hauptsaison reichlich mit allen touristischen Einrichtung gesegnet zu sein - und einem irren Verkehr in engen Gassen.

St. Malo

Ein schönes Städtchen, das aber in den Sommermonaten von sämtlichen Touristen in der Bretagne heimgesucht wird. Und wir waren auch dabei! Selbst die riesigen Parkplätze vermögen der Blechmassen nicht Herr zu werden. Auch die schon recht saftigen Parkgebühren (die waren eben früher Seeräuber dort) schrecken niemanden mehr ab, der endlich nach einer halben Stunde Suche mit nörgelnden Insassen einen freien Parkplatz ergattert hat. Politessen zum Knöllchenverteilen gibt's auf den Parkplätzen auch - und sie scheinen ständig unterwegs zu sein. Der Eintritt nach St. Malo kostet (noch) nichts. Ein Restaurant nach dem andern (Creperie, Bar, Schnellimbiss, richtige Restaurants) - vor allem entlang der inneren Stadtmauer begrüßen den Eintretenden. Erst wenn man in die Stadt geht, wird es wieder normal. Die Fassaden der Geschäfte haben nicht wie heute üblich die unteren 3 Meter der Häuser verschandelt, sondern sie sind recht gut integriert. Die meisten Häuser ergeben zusammen ein eigenwilliges ansprechendes Stadtbild. Nur das Schulgebäude muß irgendeinen 1. Wanderpreis beim Gestaltungswettbewerb gewonnen haben. Es ist (leider) richtig häßlich. Beim Anblick seiner Rückseite hatten wir vermutet, den Knast gefunden zu haben, nur die fehlenden Gitter ließen uns etwas unsicher sein.

Insgesamt: St. Malo sollte man gesehen haben, wenn es geht aber nicht unbedingt zur Hauptsaison. Das einzige störende Element in Sommer ist der Tourist, der Tourist als solcher - nicht als spezieller. Er tritt dort in Massen auf. Nicht daß er in Bussen kommt, oh nein. Er tarnt sich als individueller Reisender, nimmt anderen Leuten dreist Parkplätze und anschließend im Laden das letzte Baguette weg, besetzt Bänke (auf denen er sein Baguette kaut) und ist überhaupt im Stadtbild völlig überflüssig.

Hat er sein Futter verinnerlicht, ist er dennoch gut erkennbar: Plauze, kurze Hose, buntes Hemd, manchmal Vollautomatikkamera. Seine Sprache ist, tja - leider oder Gott sei Dank - in allen Ländern der EG zuhause. Man kann sich nicht mehr drauf verlassen, seine eigenen Landsleute mit Sicherheit an den obigen Kriterien zu erkennen. Da muß man jetzt etwas genauer beobachten - oder in Gegenden fahren, die im Sommer fest in deutscher Hand sind. Es hat mich jedenfalls ganz schön geschockt, daß die französischen Urlauber, wenn sie in Massen auftreten, durchaus zu den Negativbildern deutscher Urlauber paßten.

Mt. St. Michel

Lohnt sich. Ich bin von St. Malo aus noch am Abend hingefahren, um ihn meiner Familie zu zeigen. Es ist ein erhebendes Bild, diesen Berg von Ferne zu sehen und zu beobachten, wie er langsam näher kommt. Nach dem kleinen Ort Beauvoir schaut man besser nicht mehr nach links oder rechts von der Fahrbahn (wie auf der Geisterbahn). Die paar Kilometer muß man durchhalten. Man wird durch einen Anblick belohnt, den man sonst so nicht wieder findet.

Wenn man näher kommt: Riesenparkplatz (wird nun nicht mehr von jeder Flut überschwemmt), Parkgebühr 15 FF, die restlichen 100 bis 500 Meter zu Fuß und rein ins Vergnügen - oder nur den Blick genießen. Das haben wir so gemacht. Es war sowieso schon spät, ein Sauwetter, das später tatsächlich zum Unwetter wurde (da fuhren wir aber schon im Sonnenschein zurück). Die Gassen des Mt. St. Michel habe ich auch von früher her als einen einzigen Andenkenladen in Erinnerung (schon 33 Jahre her). Das wird wohl nicht besser geworden sein.

Landivisiau

Muß man nicht gesehen haben. Aber die Verbindungsstraße von Landivisiau nach Landerneau (D712) ist landschaftlich sehr schön. An ihr liegt

Chapelle den Pont Christ

Etwas Zeit und Muße, verbunden mit ein wenig Sonnenschein - und dieser Ort lädt zum Verweilen ein. Die Chapelle ist eine Ruine. Aber auch für Leute, die sich nicht an so ollem Kram begeistern können, lohnt sich der Aufenthalt wegen der Atmosphäre des Ortes.

Landerneau

ist ein nettes kleines Städtchen mit interessanter Brücke. Wenn man nicht zu viel erwartet, dann ist der Ort gerade recht. Die Nähe von Brest hat wohl dafür gesorgt, daß viele Angebote in die größere Stadt abgewandert sind.

Carantec

Das ist der Ort, in dem unser Urlaubsquartier war. Carantec liegt auf einer Halbinsel. Es gibt daher schon mal keinen Durchgangsverkehr. Der Ort hat viele Ferienhäuser, einige Hotels, zwei Campingplätze, mehrere Strände, recht viele Restaurants, die üblichen Geschäfte, Post, Banken und vor dem Ort einen Supermarkt, der diesen Namen auch tatsächlich verdient. Mir hat es dort sehr gut gefallen.

Für Leute, die ein Nachtleben suchen, ist dort nichts zu finden. Abends ist es ruhig, nur die Restaurants sind voll. Wie in allen Orten der Bretagne wird viel angeboten. Konzerte, Märkte, sogar ein Kino gibt es. In der Touristeninformation kann man sich über alles informieren. Die Tageszeitungen bieten die ganz aktuellen Infos.

Die Strände sind nicht schlecht, wenn auch nicht gerade jeden Tag gesäubert wird. Durch den gewaltigen Tidenhub muß man allerdings manchmal etwas weiter zum Wasser laufen. Das Wasser an diesen Teil der Küste ist übrigens laut Karte in den Zeitungen immer das kälteste der Bretagne, nur 17 Grad. Sonst ist es 2 bis 3 Grad wärmer. Einfach reinspringen ist nur etwas für Eisbären und Pinguine. Und noch eine Empfehlung: Es gibt ein kleines Restaurant "Aux Delices de la Mer". Wie der Name schon sagt, gibt's dort Fisch, Schalen- und Krustentiere. Für Liebhaber dieser Gesellen sei verraten, man kann in diesem Restaurant mal so richtig zuschlagen. Es ist aber nicht billig, aber das Essen ist seinen Preis wert. Guten Wein bekommt man dort auch. Nachdem wir das erste Mal nur so das Lokal getestet hatten, haben wir beim zweiten Mal die Reisekasse richtig geplündert :-)

 

 


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