Traum Sommer Liebe

      Eine kulinarische Reise durch die Provence

 

 

   

Cassis

Reisebericht Provence CassisDas Mittelmeer - Die Römer sollen dem Mittelmeer diesen Namen gegeben haben, weil es in ihrem Weltbild die Mitte bildete. Heute gehört das Mittelmeer mit seinen wunderbaren pittoresken Dörfern und Städten der Welt. Und die Welt kommt zum Mittelmeer. Unser heutiges Ziel war das reizende Städtchen Cassis, daß ich bereits im Vorjahr mit Norbert besuchte.

Von unserem letzten Besuch in Cassis blieb mir das Restaurant "la Voile" in besonders guter Erinnerung. Es lag direkt am dem kleinen Yachthafen, und wir aßen dort eine zwar teure, aber vorzügliche Bouillabaisse. Damals machte die Chefin während des Essens ein Foto von uns, daß Jan und ich als Erkennungszeichen mit uns führten.Wir hatten Jan soviel von diesem Gericht vorgeschwärmt, daß er sich entschloß, trotz Muscheln und Krabben, es mit mir zu genießen.

Man erreicht Cassis über die A7 Richtung Marseille / Toulon. Das Fischerstädtchen liegt, umgeben von Felsen malerisch eingezwängt in einer Bucht. Es ist heute zugleich ein Winzerdorf sowie ein feiner Ferienort und Sommersitz der Prominenz. Dir Häuser wirken wie an die Hänge geklebt, sie klettern um den alten Hafen die Berge empor. An dem winzigen Kieselstrand im Schutz der Berghänge findet man in der Woche zu jeder Tageszeit Platz für einen Platz in der Sonne. Aber an den Wochenenden scheint Cassis aus allen Nähten zu platzen. Im Terassencafé am Quai sitzt man buchstäblich in der ersten Reihe, die Wochenendausflügler promenieren vorbei an schnittigen Yachten und Fischerbooten. Vom Hafen hat man eine gute Sicht auf die Felsen des Cap Canaille.

Das Wasser ist wunderbar und wetteifert, vor allem am Vormittag, mit dem unendlichem Blau des Himmels. Den Reiz dieses Ferienortes bilden auch die Fahrten oder Wanderungen in die nahen Calanques, stillen Fjord ähnlichen Buchten. Ausflugsboote bringen die Gäste morgens in eine der Buchten und holen sie Abends zum vereinbarten Zeitpunkt wieder ab. Gen Osten führt die Corniche des Crêtes an der Steilküste entlang, wo sich ein schöner Sonnenuntergangsblick von Cap Canaille bietet, nach la Ciotat.

Da liegt es vor mir, das Mittelmeer! In all seiner Pracht, blau bis an den Horizont. In der Ferne ist die Siulette eines weißen Schiffs zu erkennen. Rechts vor mir liegt der kleine Hafen mit seinen Yachten und vereinzelten Fischerbooten. Geradezu leuchtet der Strand in der Vormittagssonne.

Am Quai liegen verankert Ausflugsboote und buhlen um Fahrgäste. Von hier aus kann man in die Calanques, die zwischen Toulon und Marseille mit ihren weißen bis zu 200 Metern senkrecht abfallenden Felswänden das Landschaftsbild beherrschen, fahren. Felsbuchten die meist nur über den Wasserweg, oder kletternd über die Felswände zu erreichen sind.

Nach einem kurzen Strandaufenthalt und dem anbaden im Mittelmeer suchten wir gegen zwölf Uhr Das Restaurant "la Voile" auf. Wir waren die ersten Gäste an diesem wunderbaren Tag. Etwa fünf Meter entfernt von Jan und mir schaukelten kleine hübsche Yachten auf dem Wasser, bereit mit ihrem Besitzer in See zu stechen.

Die Sonne brannte vom tiefblauen Himmel, wir bestellten beim Kellner die Bouillabaisse, eine Flasche weißen halb trockenen "Cassis" und eine große Flasche eisgekühltes Wasser. Der Kellner brachte uns geröstete, mit Knoblauch bestrichene Scheiben Baguette und die unvergleichliche Rouille, köstlich zu Fisch aber auch zu rohem und gedünstetem Gemüse.

Der Kellner erkundigte sich bei uns ob wir wüßten wie man die Bouillabaisse ißt. Als Antwort zeigten wir ihm das Foto vom Vorjahr, auf dem Norbert und ich froh gelaunt unter der Markise des Restaurants beim Essen zu sehen waren. Er lachte und fragte wer das Foto aufgenommen hat. Ich zeigte auf die Dame im Restaurant und sagte:>>Madame<<. Kaum war er weg, kam sie heraus und betrachtete hocherfreut das Foto. Wir unterhielten uns kurz so gut es ging. Danach wollten wir uns der vorzüglichen Mahlzeit widmen.

Während ich Jan erklärte, wie er die Suppe essen muß, stand plötzlich ein uraltes Mütterchen neben unserem Tisch. Sie war sehr klein und vom Alter gebeugt. Ein kleiner Haarknoten hielt das dünne Haar zusammen. Sie war mit einer sauberen gut gestärkten Kleiderschürze bekleidet. Die listigen Augen huschten flink über unser Essen hinweg, während sie ständig mit ihrem zahnlosen Mund vor sich her brabbelte. Unser knusprig geröstetes Baguette hatte es ihr angetan, aber wir waren nicht gewillt es herauszurücken. Eine Bouillabaisse ohne dieses köstliche Brot ist einfach undenkbar.

Die Alte war keine gewöhnliche Bettlerin, wie wir sie kennen. Es hört sich womöglich herzlos an, aber wir hatten den Eindruck, daß die Bettelei eine Art von Freizeitsport für sie darstellte. Sie war beim Personal des Restaurants bekannt. Zuerst kam der Kellner, der versuchte die Frau mit gutem Zureden von unserem Tisch wegzuschieben. Als das nichts brachte kam ihm Madame zu Hilfe.

Die Situation war einerseits belustigend für die anderen Gäste, aber auch peinlich für uns, so daß ich schon daran dachte ihr unser Brot zu geben. Die alte Frau sah aber wirklich nicht so aus, darauf angewiesen zu sein, Brot von den Urlaubern zu betteln. Sie weigerte sich lautstark zeternd zu gehen. Auf einmal erschien der junge Kellner, der zwischendurch im Restaurant verschwunden war, mit einer Kamera in der Hand. Lachend tat er so, als ob er die Alte fotografieren wollte. Diese Zeremonie hatte eine unglaubliche Wirkung auf die Frau.

Plötzlich ähnelte sie frappierend der Hexe aus dem Märchen. Während sie mit den Händen beschwörende Gesten in Richtung des jungen Mannes vollführte, entfernte sie sich kreischend und fluchend und immer wieder >>Merde, Merde<< schimpfend mit erstaunlicher Geschwindigkeit unter dem Gelächter der anwesenden Gäste.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gesamt-
übersicht

 

Übersicht
Frankreich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  Copyright © 2002 andere-laender.de