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Südfrankreich mit dem WohnmobilReisebericht Teil 2
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Zweiter Besuch im DromeWir fahren an die Drome!Die Aussicht, trotz krankheitsbedingter Probleme zuhause doch noch einige Tage das Drome näher erkunden zu können, ließ uns den Streß vergessen und das Mäkeln der inzwischen herangewachsenen Kinder, die null Bock auf Frankreich hatten, ungehört verhallen. Badefreuden in diesem warmen, klaren Wasser hatten wir bereits kurz genießen können und freuten uns auf ausgedehnte Wasseraktivitäten. Dazu gehört unser Kajak. Es wurde auf den Bulli geschnallt, die Räder kamen auf ihre Träger, der große Wohnwagen an die Anhängerkupplung. Siggi hätte am liebsten sein Motorrad auch noch mitgenommen (die unzähligen Serpentinen gaben ihm recht), doch mehr ging nicht. Was ist nun das Drome oder die Drome?
Wir entschlossen uns sowohl für den Norden als auch für den Süden und wählten das Städtchen Die als Basislager. Wir fuhren los an einem schönen Sonntagmorgen. Die Route über Luxemburg war die kürzeste Alternative. Trotzdem war uns klar, daß wir mit 1,5 Tagen Fahrtzeit rechnen müssen, denn schneller als 90 km/h wollten wir nicht fahren und alle 2 - 3 Stunden waren schöne Pausen eingeplant. Fahrstreß kam deshalb also nicht auf. Die kleinen Rastplätze entlang französischer Autobahnen sind meistens sehr schön. Oft kann man auf kleinen Wegen mit dem Auto durch das Gelände fahren und sich eine schöne Picknick-Sitzgruppe aussuchen, meist 100 oder 200 m von der Autobahn entfernt und deshalb schön ruhig und kinderfreundlich. Die großen Raststätten bieten fast durchweg Spielplätze, manchmal sogar Basketballfelder zum Austoben. Die Shops sind allerdings sehr teuer und deshalb sollte man Mitgebrachtes verzehren. Auf einem von den kleinen Parkplätzen in der Nähe von Chalon sur Saone hielten wir Nachtruhe, nachdem wir mit unserer kleinen Tochter noch ordentlich auf einem Spielplatz gewippt haben und mit ihr durch den Wald spaziert sind. Der nächste Tag führte uns an Lyon vorbei. Ein echter Moloch, diese Stadt, mit großen Wohnsilos am Horizont, etlichen Autobahnen und Nebenstrecken, hohem Verkehrsaufkommen. Ein kurzes Telefonat zum gewählten Campingplatz sicherte uns einen Platz für 10 Nächte. In Valence verließen wir die Autobahn. Insgesamt waren 65,-- DM Autobahngebühr fällig. Sonnenblumenfelder, Lavendelfelder, buschbestandene Hügel und dann ging es immer an der Drome entlang, die nur wadenhohes Wasser führte. Die Zikaden sangen laut und frech in unser offenes Autofenster hinein. Kein Zweifel, wir sind wieder in Südfrankreich. Saillans, Vercheny und Pontaix lagen auf dem Weg nach Die. Schöne Dörfer, die zum Erkunden einladen. Als unser altbekannter Badeplatz auftauchte, reckten wir die Hälse und stellten fest, daß das Baden dort immer noch toll war. Nun ging es hurtig durch die schmalen Gassen von Die. Noch schmaler allerdings war die Einfahrt zum schönen Campingplatz Le Glandasse, eine Bahnunterführung mit 2,80m Höhe und 3 m (angeblich) Breite. Wir schafften es erst beim dritten Anlauf, denn wir mußten ziemlich schräg mit unserem langen Gespann anfahren. Unser Stellplatz stieg leicht an, weshalb 1500 kg mit der Hand nach oben geschoben werden mußten. Mit Hilfe von Keilen und Zickzack-Schüben standen wir endlich richtig - und zwar richtig schief. Einige Unterlegplatten waren notwendig, damit unsere Kinder nicht mit dem Kopf nach unten schlafen mußten. Nach diesen ganzen Anstrengungen erholten wir uns erst im schönen Pool, dann in der rauschenden, warmen, sauberen Drome. Zum nachmittäglichen Kaffee ergatterte unser Sohn noch drei Croissants, so daß sich die erhoffte Urlaubsstimmung nun einstellte. Noch am Abend erkundete Siggi die Stadt Die mit dem Rad. So erreicht man schnell die Fußgängerzone mit ihren kleinen Geschäften, Kneipen und Restaurants, in denen abends viele der 4500 Stadtbewohner den Tag ausklingen lassen. Kleine Gassen und Durchgänge überall und ein schöner Pfad, der durch Pflastersteine gekennzeichnet ist, führt durch blumengeschmückte, enge Straßen mit pittoresken Häusern. Kein Auto kann sich hierher verirren. Nur zu Fuß oder mit dem Rad kann man die altertümlichen Häuserzeilen finden. Das Stadttor St. Marcel, an dem die Durchgänge zu diesen Gassen beginnen, liegt am südöstlichen Ende der Fußgängerzone. Durch dieses Tor ziehen alljährlich Hunderte von Schafen, die zum Fest der Transhumance im Sommer durch die Stadt getrieben werden. Natürlich gibt es dann Live-Musik und Essen und Trinken in den Abendstunden, ebenso ein großes Marktgetümmel. Markttage in Die sind wunderschöne Tage. Samstags und Mittwochs füllt sich der Kirchplatz und die angrenzenden Straßen mit vielen verschiedenen Ständen. Angefangen bei Obst, Gemüse, Käse, Wein, Brot und Fleisch geht das Angebot über Messerklingen, Stoffe, Souvenirs bis hin zu Stühlen und Matratzen. Es wird geprüft und gedrückt, gewogen und gefeilscht, lautstark angepriesen und skeptisch probiert, und man läßt sich langsam und gemächlich an den Tischen vorbei treiben in der Hoffnung, einen Leckerbissen besonderer Art zu ergattern.
Die als Ausgangspunkt zu wählen, war ein guter Griff. Einen Campingplatz in Stadtnähe hatten wir noch nie belegt, doch die Vorzüge liegen auf der Hand. Jeden Abend radelten wir in die Stadt oder erkundeten die Außenbezirke von Die. Soviel Rad gefahren wie in diesem Urlaub sind wir in Frankreich jedenfalls noch nie. Eines Abends fuhren wir an einer der zahlreichen Trockenmauern vorbei. Da starrte mich etwas Grünes an. Eine Eidechse, und zwar eine weitaus größere als die Echsen, die uns beim Spülen auf dem Campingplatz zwischen den Füßen herumliefen. Unbeweglich saß sie gelb-grün schimmernd in einer Mauernische. Siggi meinte: "Die ist doch aus Gummi, wie eine aus dem Spielzeugladen." Doch ich hatte gesehen, wie sie sich bewegt hatte und wollte meinen Mann überzeugen: "Die ist echt. Warte nur." Tatsächlich drehte sie sich um und huschte ins Mauerinnere. Nur noch ihre Schwanzspitze hing heraus. Nach schwirrenden Hirschkäfern war dies eine weitere Bereicherung unserer Tierwelt-Erlebnisse. Ausflugsziele in der weiteren Umgebung sind zahlreich und lohnenswert. Die Orte Crest, Saillans, Chatillon en Diois, Luc en Diois, Bourdeaux, Dieulefit und viele andere sind einen Besuch wert. Die landschaftlichen Höhepunkte kann man kaum aufzählen. Die Schluchten der Gats waren ein Anreiz für uns, den Proviant einzupacken, die Kinder zu motivieren und gemeinsam loszufahren. In Pont de Quart bogen wir ab in Richtung Chatillon en Diois, vorbei an Sonnenblumen- und Lavendelfeldern. Das Glandasse-Gebirge begleitete uns linkerhand. Immer Richtung Osten fuhren wir auf schönen Straßen, die in dieser Region oft von akkurat beschnittenen Hecken gesäumt werden. Schnell erreichten wir den Eingang der Schlucht und mußten eine Umleitung nehmen, da in dem engen Tunnel gerade ein riesiger Bohrhammer die Tunneldecke bearbeitete - wohl um das Ganze etwas geräumiger zu machen. Zum Ort Boulc wollten wir eigentlich gar nicht, aber zufällig gerieten wir auf diesen Weg und fuhren durch einen neuen, hübschen und langen Tunnel durch den Berg. Boulc ist nun auf diese Weise gut zu erreichen, nachdem der Ort wiederholt wegen schlechter Straßenverhältnisse von der Außenwelt abgeschnitten war. Wir drehten also um und fuhren von hieraus hinein in die Schlucht. Nicht schlecht diese Kurven, grandios diese steilen Felswände, aber so richtig wollte sich ein Schluchten-Kitzel nicht einstellen. "Wegen dieser Schlucht sind wir nun hierher gefahren?" maulte mein Mann enttäuscht. Die Kinder maulten mit, die Stimmung lag darnieder. Wir drehten um und suchten uns einen der zahlreichen, schönen Picknick-Plätze direkt am Flüßchen aus. Hier wurde auch gemault, weil das Wasser zu kalt zum Plantschen war. Wir schworen uns: die Kinder kommen in Zukunft nur mit, wenn sie sich freiwillig melden. Doch das Picknik entspannte uns und wir dachten nicht daran, schon wieder zum Platz zu fahren. Hinauf zum Col de Menee sollte es nun gehen, einem Paß über das Vercor-Gebirge Richtung Voralpen. Die Straßen hinauf nach Menee, zum Örtchen Les Nonnieres und weiter zum Col waren eigentlich ganz gut ausgebaut, nur irritierten mich die tiefen Gossen am Straßenrand etwas, denn wo der Asphalt aufhörte, gab es keine Grasnarbe, sondern sofort diese tiefe Rinne. Ein Lenkfehler und die Achse ist hin. Aber meinen Mann störte das nicht und dann sollte es mich auch nicht stören. Die Landschaft: wunderbar! Ausblicke auf Hügel und Berge, Straßen durch Nadelwälder, durch Wiesen, auf denen Kühe und Ziegen weiden. Kleine Dörfer und einzelne Gehöfte tauchten auf, und überall Wallnußbäume. Ganze Alleen, ganze Plantagen. Das Walnußöl ist ein traditionelles Produkt des Drome. An Berghängen entlang führt nun die Straße und wir sahen am nächsten Berghang die Straße, die wir in Kürze befahren würden., sich in den Fels hineinwinden. Dazu blauer Himmel und Sonnenschein. Am Col de Menee angekommen, parkten wir auf dem großzügigen Parkplatz und genossen die Aussicht auf die Berge. Ein schmaler Wanderpfad führte vom Platz weg und wir konnten nicht widerstehen, ihm zu folgen. Cora lief mit oder wurde im Jogger-Buggy auf dem steinigen Weg geschoben. Zahlreiche Schmetterlinge flogen um uns herum, die Eidechsen huschten über die warmen Steine. Schöne Blumen und seltsame Pflanzen umgaben uns. Eine Idylle mit wunderbarem Panorama. Stetig bergauf ging dieser Weg und langsam fiel das eine oder andere Kind zurück. Dann wurde erst das eine, dann das andere Kind wieder zum Auto zurückgeschickt, denn sie waren den Aufstieg in der Mittagssonne leid. Wir gingen mit Cora noch eine Weile weiter, nach dem Motto: Mal sehen, wie es hinter der nächsten Kurve aussieht. Irgendwann kehrten auch wir zurück. Cora schlief trotz Gerüttele und Geschüttele im Buggy ein. Am Parkplatz wurden wir Zeuge eines kleinen Dramas: eine holländische Familie suchte ihren Jungen, der während eines Spaziergangs abhanden gekommen war. Die Gendarmerie brauste heran und bat um Auskunft. Als wir am nächsten Tag zufällig diese Familie auf unserem Campingplatz komplett versammelt wiedersahen, freuten wir uns, denn der Schreck sitzt einem doch in den Knochen. Langsam rollten wir nun die Berge wieder hinunter, zurück durch Chatillon nach Die.
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