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Kreta ist ein Land im dunkelwogenden MeereReisebericht
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Die lärmenden Flugzeuge über Iraklion, die Touristen bringen und wieder abholen, und die pieksenden Federn meiner Matratze haben mich früh aufstehen lassen. Vom Balkon im dritten Stock des Hotels "Mirabello" schaue ich auf kastenförmige, mehrstöckige Häuser und auf die schmalen Gassen hinunter, die noch im Schatten liegen. Auf der Terrasse des Hauses gegenüber werden Hühner und Hasen gehalten. Ein Huhn spaziert zwischen den in Olivenölkanister gepflanzten Geranienstöcken umher. Sonnenstrahlen dringen durch leichten Morgendunst. Ich gehe hinunter zum Hafen. Auch dieses laute Iraklion hat seine ruhigen, kontemplativen Ecken. Einige Männer nützen die frühen Stunden, um von den Befestigungsblöcken der Hafenmauer aus ihr Anglerglück zu versuchen. Eine Frau sitzt ganz eigenartig aufreizend auf einem Stuhl und liest Zeitung. Wartet sie hier auf Kundschaft? Ich klettere auf die Mauer der Mole, um den Blick auf das offene Meer und den Hafen zu haben. Das Meer finde ich immer schön, die Bewegungen, die Farben, die Gerüche, die Geräusche. Beim Ankommen auf der Insel ist das Meer das Erste, das ich begrüßen möchte. Ist doch die Sehnsucht danach einer der Gründe, warum ich hierher komme. Ruhig, schwer, graublau und weiß blitzend breitet es sich im Morgenlicht vor mir aus. Im venezianischen Hafen liegen viele kleine Fischerboote. Mit dem Ausladen und dem Verkauf des Fangs der letzten Nacht ist man längst fertig. Nur noch einige zum Trocknen aufgehängte Octopusse sind zu sehen. Es wird aufgeräumt. Boote und Behältnisse werden gesäubert, die Netze geordnet. Eine zerzauste Katze sucht nach Fischresten. Das Wasser ist hier schmutzig. Grünlich stumpf mit schillernden Ölmustern zwischen den sich spiegelnden, mäandernden Farben und Formen der Boote. Plastikreste, Styroporteile und allerlei anderer Müll treiben am Rande. Am Ende des Hafenbeckens das venezianische Kastell aus dem 15. Jahrhundert. Ein massiver, zinnenbesetzter Bau mit Schießscharten. Das Kastell war zum Schutz gegen die vordringenden türkischen Flotten errichtet worden. 1669 eroberten die Türken diese Festung nach über 20 Jahren der Belagerung. Damit ging Kreta endgültig in türkische Herrschaft über. Französische und bayerische Soldaten hatten die Venezianer vergeblich unterstützt, die kretische Bastion zu halten, um damit auch die Eroberung weiterer christlicher europäischer Länder durch den Islam zu unterbinden.
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