Yogyakarta, Java

      Reisebericht

 

 

   

Reisebericht JavaVon den eingeborenen Malaien wohnen 15.000 in dem festungsähnlichen Kraton und gehören zur glänzenden Hofhaltung des Sultans; ein Wall von 4 Meter Höhe und 5 Meter Breite umgibt den weitläufigen Gebäudekomplex, der ein Viereck von ungefähr 1 Kilometer Seitenlänge bildet; in der Mitte liegt der Palast des Sultans. Wenn man durch das Thor des nördlichen Walls eintritt, gelangt man auf einen großen Paradeplatz, Alun-Alun genannt; zu unserer Linken sehen wir die Tigerkäfige des Sultans, zu unserer Rechten dessen Ställe, den Gerichtshof und die Moschee. Die Abteilung des Kratons, in welcher der Sultan residiert, ist durch ein doppeltes Gitter abgesperrt; einen beträchtlichen Raum derselben nehmen die Wohnungen seiner zahlreichen Frauen ein, sodann die Ställe für die Elephanten und die grosse Festhalle, in der 600 Gäste speisen können.” So beschrieb Ernst Hackl 1901 den Kraton von Yogya.

Wir besuchen die Stadt fast 100 Jahre später. Elefanten und Tiger gibt es nicht mehr,  den prunkvollen Palast schon. Auf dem Weg dorthin schließt sich uns ein „Guide” an. Oft stört es uns, wenn wir ungefragt begleitet werden, heute unterhalten wir uns gerne mit dem Mann. Derzeit ist er arbeitslos, hat aber eine Stelle in einem Restaurant in Aussicht. Beim letzten Job hat er täglich 9.000 Rupien (ca. 2,50 DM) verdient, spätestens seit die drei Kinder zur Schule gehen viel zu wenig. Die Familie lebt von Reis und selbst angebautem Gemüse, zweimal täglich wird eine Portion davon zubereitet. Die Kluft zwischen solchen Lebensverhältnissen, die längst noch nicht zu den elendsten hier gehören, und dem Palastareal sticht ins Auge. Dennoch ist der Sultan ein angesehener und beliebter Mann. Er hat die Entmachtung durch die Kolonialherren ebenso überlebt wie die wechselvolle Geschichte des unabhängigen Indonesien. Er steht für die Verbindung zwischen der alten hindu-javanischen Kultur, die prägend für das Leben jedes Einzelnen ist, und einer zeitgemäßen Entwicklung. Vor der letzten Wahl waren große Hoffnungen auf den Sultan gerichtet. Hoffnung auf Vermittlung zwischen den vielfältigen Interessen und Bewältigung wenigstens der existenziellsten sozialen Probleme. Hoffnung, die sich vorerst zerschlagen hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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