Drei Jahre in Irland

      Reisebericht

 

 

   

Von Monkstown bis Killiney brauchte der Zug nur ungefähr sieben Minuten in südlicher Richtung. An diesem Tag entstanden ein paar Engpässe, weil es wegen des St.-Patrick"s-Festes zu Verzögerungen kam. Es waren einfach zu viele Leute, die in die Stadt fahren wollten, und das Ein- und Aussteigen der Massen hielt den ganzen Verkehr auf. Man hatte sogar noch Extrazüge eingesetzt, aber das war noch nicht genug. Es wunderte mich gar, dass nicht einige auf dem Dach mitfuhren.

Nachdem der Zug Dun Laoghaire passiert hatte, in dem es auch einen kleinen Hafen gab mit prächtigen Jachten und malerischen Segelbooten, verschwand das Meer erst einmal für eine Weile und der Zug fuhr durch weniger interessante Wohngebiete und entlang langweiliger Steinmauern. Doch es dauerte nicht lange und da näherte ich mich Dalkey, und unmittelbar nach der Dalkeyschen Bahnstation, da fuhr der Zug in einen Tunnel, und als er diesen passierte, dann eröffnete sich mir vollkommen unvermittelt einer der schönsten Ausblicke des ganzen Landes. Die Bucht von Killiney.

Man hat die Bucht von Killiney schon oft mit dem Golf von Neapel verglichen. Ich vergleiche nicht gerne, weil ich finde, dass beides seine individuellen Reize aufzuweisen hat. Doch ist da etwas unumstritten Besonderes an Killiney, etwas Rätselhaftes, das ich nicht in Worte zu kleiden vermag. Außerdem glaube ich ernsthaft, dass die Faszination, die einem beim Anblick der Bucht von Killiney befällt, nicht unbedingt nur auf seine Schönheit zurückzuführen ist.

Irland ReiseberichtNein, da liegt noch etwas anderes in der Luft, etwas Magisches, ein Gefühl merkwürdiger Vertrautheit und zugleich vollkommener Fremdheit, gepaart mit tiefer innerer Freude. Ich kann mich nicht erinnern, dies je an einem anderen Punkt der Erde verspürt zu haben, wobei ich hinzufügen muss, dass ich natürlich nicht an allen schönen Punkten der Erde gewesen bin. Aber ich kann dennoch zurückblicken auf eine Reihe von Naturschönheiten, die so mancherorts als das ultimative Erlebnis gepriesen wurden und welche mir so gar nichts rechtes entlocken konnten außer einem stereotypen Urlaubsfoto, das nach ein paar Mal des Betrachtens in den Tiefen der Schublade versank.

In jedem Falle entlockte es mir nicht das, was ich jedes Mal verspürte, wenn ich auf dem Hügel von Killiney stand, jener kleinen Anhöhe, von der aus sich einem ein nahezu majestätischer Rundumblick auf die gesamte Bucht eröffnet und den man, wenn man ihn einmal gesehen hat, niemals wieder vergessen kann. Das verspreche ich Ihnen, werter Leser, Sie werden ihn niemals vergessen. Sie werden auch nicht vergessen, wie sehr der Wind dort oben um Ihre Ohren heult und Sie sich wünschen, wieder ins Warme zu gelangen, zum Beispiel in ein Pub zu einem Bier.

 

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