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Drei Jahre in IrlandReisebericht Teil 2
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Nein, es hat etwas sehr Entrückendes, Anmutiges an sich, wie die Möwen mit sanftem Flügelschlag durch die Bucht fliegen und dabei wüste Schreie ausstoßen. Wie sie zu beneiden sind, die Anwohner, dafür, dass sie hier leben dürfen, an diesem Ort, an dem sich nur Leute wie Bono von U2 eine Villa leisten können. Am Strand stehend erspäht man zur Linken eine Reihe von in zarten Farben bemalten Häuschen, rosa, grün und blau. Sie blicken direkt auf die Bucht, auf die sich am Horizont abzeichnende Berglandschaft. Gelegentlich wird eines dieser Häuser versteigert. Ihre Preise belaufen sich auf Milliarden. Bei der letzten Versteigerung bot sogar Jack Nicholson mit. Aber er kaufte es dann doch nicht. Dabei hätte er sich guter Nachbarschaft erfreut: dem Rennfahrer Damon Hill, dem Lead-Sänger von Led Zeppelin, der Sängerin Enya, die etwas weiter oben in einem kleinen alten Schlösschen wohnt, und natürlich Bono. Bonos Haus ist der Pilgerort schlechthin. Es vergeht kein Tag, an dem nicht Heerscharen von Fans, hauptsächlich Italiener, die Straße vom Bahnhof zu seinem Anwesen hinauftrampen, um vor seinen Toren zu kampieren und darauf zu warten, dass sich die Tür öffnet, er herauskommen und ihnen ein Ständchen bringen könnte. Dabei stehen die Fans ihm im Singen um nahezu nichts nach. Wie die Makaken auf dem Affenfelsen sitzen sie dort oben auf dem nackten Boden und singen und warten auf bessere Zeiten. Die Mauern rund um Bonos Haus sind nicht sehr hoch. Eigentlich wirkt das Ganze nicht wie das typische Anwesen eines Superstars. Eine, wie es scheint, leicht einzunehmende Festung. Doch der Schein trügt. Alles ist von einem Alarmanlagen-Netz umgeben, und zu all dem kommt noch ein Security-Mann, der minütlich seine Runde dreht. Aber von der Ferne, da kann man es gut sehen, das Haus, in italienischem Stil gehalten, weiß mit schönem Stuck verziert. Zu Bonos Füßen am Strand tummeln sich die Badenden. Und manch einer behauptet sogar, er hätte Bono dort schwimmen sehen. Zum Killiney Hill Park, dem Hügel mit dem Panoramablick, führte ein steiler, beschwerlicher aber lohnenswerter Weg hinauf, vorbei an Enyas Schlösschen. Von dort aus sah ich hinüber auf die Ziegeninsel von Dalkey. Malerisch lag sie dem Meeresufer gegenüber. Darauf befand sich einer der Verteidigungstürme aus Napoleons Zeiten, wie es schon in Seapoint einen davon gibt, sowie die Ruinen einer kleinen Klosterkirche. Im Sommer kann man mit dem Boot zur Insel hinüberfahren. Die Anlegestelle befindet sich im kleinen Hafen des Ortes Dalkey, dem Nachbarort von Killiney, leicht zu Fuß zu erreichen. Der Weg von Killiney nach Dalkey ist romantisch, führt vorbei an eleganten Villen steinreicher Leute und vorbei an riesigen Bäumen, immer wieder atemberaubende Blicke freigebend auf das Meer und die Bucht. Sorrento Park liegt hier, ein weiterer Aussichtspunkt, benannt nach der italienischen Stadt Sorrent, und da ist er wieder, der Vergleich mit dem Golf von Neapel. Hier oben auf dem Sorrento Point also bleibt die Zeit stehen, wie es so schön heißt. Oft begegnet man hier oben Menschen, die ebenso fasziniert sind von der Schönheit ihrer Umgebung, und oft ergeben sich daraus die unglaublichsten Gespräche. Freundschaften werden geknüpft, Liebesschwüre ausgestoßen, ja, diesem Hügel werden gar aphrodisische Kräfte nachgesagt. Nun gut, was dies anbelangt so konnte ich diesbezüglich noch keine Erfahrungen machen, allerdings lässt sich nicht abstreiten, dass mich hier oben immer ein recht eigentümliches Gefühl beschlich. Irgendjemand faselte einmal etwas von Magnetstrahlen. Nun, wenn dem so war, dann konnte ich nur sagen, dass ich mich immer fühlte wie beschwipst, wenn ich den Hügel wieder hinunter lief. Da kam die kleine Fischerkneipe in der Ortsmitte gerade recht, um wieder zu Kräften zu gelangen.
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