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Drei Jahre in IrlandReisebericht Teil 3
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Ich machte einmal eine recht amüsante Erfahrung bei einem Ausflug auf die Ziegeninsel. Bei der Anlegestelle angekommen, meinte der Bootsführer, ein junger Knirps mit einem lumpigen T-Shirt, schmuddeligen, ölverschmierten Jeans und dem Lächeln von Ratzo-Ritzo auf den Lippen, er würde mich jetzt hinüberfahren, aber bezahlen solle ich ihn erst, wenn ich später wieder auf dem Festland wäre. Das war interessant und erinnerte mich gleich an ein Lied des irischen Schnulzen-Barden Chris deBurgh (der in Dalkey, nebenbei erwähnt, auch ein Domizil aufzuweisen hatte). Dieser hatte einst in seinem Hit "Don"t pay the Ferryman" daraufhin gewiesen, den Fährmann nicht zu bezahlen, bevor er einen nicht übergesetzt und auch wieder zurück geholt hatte. Ob er dies wohl in Bezug auf Dalkey gesungen hatte? Nun gut, auf der Insel kam ich schon mal an. Das Boot schaukelte gefährlich in dem Gewässer. Durch den Holzboden zu meinen Füßen drang das Wasser ein. Gottlob lagen Schwimmwesten parat. Napoleons Verteidigungsturm erhob sich majestätisch vor meinen Augen. Ziegen konnte ich noch keine erkennen. Der Fährmann legte an und meinte auf meine Frage hin, wann er mich den wieder abholen käme, ich solle einfach zu ihm herüberwinken. Dies erschien mir zunächst etwas zweifelhaft. Was, wenn der Knabe mich vergaß und in die nächste Kneipe ging? Für einen Moment fühlte ich mich etwas unbehaglich, als ich sah, wie sich der alte Kahn langsam entfernte und auf das andere Ufer zusteuerte, und ich fürchtete schon ganz allein auf der Insel zu sein. Ich beschloss, zunächst einmal zum Turm hinaufzulaufen, von wo aus ich den besten Rundum-Blick auf die ganze Insel haben würde. Die Bucht von Killiney eröffnete sich mir von dort oben in ihrer ganzen Pracht, überall trieben weiße, transparent erscheinende Segel kleiner Boote vorbei wie Schmetterlingsflügel im Sonnenlicht. Es herrschte Stille, absolute Stille. Doch halt, da vernahm ich doch entfernte Stimmen. Und tatsächlich, in einer Kuhle mitten in der Insel, geschützt vor der Brise durch umliegende Felsbrocken stand eine ungefähr 15-köpfige Familie mit ihrer Kinderschar vor einem Partygrill und einem gedeckten Picknicktisch. Knuspriger Grillwürstchenduft erfüllte die Weite und verräucherte einen Moment lang meine mit salziger frischer Meeresluft verwöhnte Nase. Einige Möwen flogen bedrohlich über unser aller Köpfe hinweg, so als ärgerten sie sich über die freche Belagerung ihrer Kuhle. Vielleicht hatten sie auch Hunger auf die Würstchen. Jedenfalls waren es nur ungefähr drei oder vier Möwen, aber sie machten einen Lärm mit ihrem Gekreische, dass man meinen mochte, es wären hunderte.
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