La Palma

      Wanderreise auf die nordwestlichste kanarische Insel

Reisebericht

 

 

   

 

Mittwoch, 13.11.96: Abflug

Endlich Urlaub! Der Flieger geht um 15.15 ab Hannover, die Sachen sind fast fertig gepackt, also kann ich es langsam angehen lassen. Mittags fahre ich mit dem Bus zum Bahnhof, die Sonne lacht, als wollte sie mich zum Bleiben überreden. Ich denke an ein Gespräch zurück, das ich einige Tage zuvor mit einem Bekannten geführt hatte: "La Palma, ist das nicht die Insel, auf der es soviel regnet? Nimm besser einen Schirm mit!" hatte er mir mit auf den Weg gegeben. So etwas motiviert natürlich sehr! Laut Statistik ist La Palma zwar die grünste und regenreichste der Kanarischen Inseln. Das über 2400 Meter hohe Gebirge fängt die Passatwolken zuverlässig ab und im Winter kann die Insel auch schon mal in den Einfluß nordwestlicher Winde geraten. Aber die statistisch verzeichneten zehn Regentage im Monat November stellen für den Urlauber eigentlich keine allzu große "Bedrohung" dar.

Von Bremen nach Hannover nehme ich den ICE und erlebe eine Premiere: Es ist ein neuer ICE2 der zweiten Generation. Ich bin angenehm überrascht. Die Speisewagen sind zwar nicht rechtzeitig zum Winterfahrplan fertiggeworden, aber der Rest kann sich sehen lassen. In Hannover steht der Airport-Bus nach Langenhagen schon bereit. Die Fahrt kostet 8 Mark und keine halbe Stunde später erreichen wir den Flughafen. Exakt 90 Minuten vor Abflug stelle ich mich in eine der Schlangen beim Check-In-Schalter. Es ist wirklich erstaunlich, wieviele Leute auf dieser kleinen Insel Urlaub machen wollen! Durch die Fenster kann ich erkennen, daß wir mit einer Boeing 757 der spanischen LTU-Tochter LTE fliegen werden. Hoffentlich haben sie nach der letzten Außenreinigung das Tesafilm von den Staurohren (Geschwindigkeitssensoren) entfernt!

Wir heben pünktlich ab. Im Gegensatz zu den meisten anderen Charterflügen auf die Kanaren wird diese Maschine über Nacht in Tenerife Sur geparkt, startet also morgens Richtung Deutschland und kehrt am Abend auf die Inseln zurück. Der Vorteil ist, daß man in Deutschland bei der Anreise zum Flughafen alle Zeit der Welt hat, der Nachteil ist, daß man abends erst recht spät am Ziel ist und bei der Rückreise wieder sehr früh starten muß. Man büßt einen halben Tag am Urlaubsort ein, kann aber einen Tag Urlaub einsparen, was für mich in diesem Fall ausschlaggebend ist.

Eine Stunde nach dem Start sind draußen nur noch Wolken zu sehen. Das soll sich bis zum Einbruch der Dunkelheit auch nicht mehr ändern. Einen Fensterplatz habe ich nicht bekommen, das ist aber auch nicht so wichtig, denn bei der Landung um 19 Uhr Ortszeit wird es bereits stockdunkel sein. Nach dem Essen versuche ich mich etwas zu entspannen.

Der Landeanflug gerät zum Blindflug, jedenfalls für uns Passagiere. Auf der rechten Seite sind während des Vorbeiflugs an der Insel in der totalen Dunkelheit einige einsame Lichtlein zu erkennen, dann folgt eine 180-Grad-Wende zurück in nördlicher Richtung und nach einem rapiden Sinkflug in böigem Gegenwind setzt die Maschine schließlich hoppelnd auf der Piste auf.

Der neue Flughafen der Insel befindet sich südlich der Hauptstadt Santa Cruz de La Palma direkt an der Küste. Er ersetzt seit gut 10 Jahren den alten Flughafen oberhalb der Stadt, dessen Landebahn erstens etwas zu kurz war und zweitens oft von Passatwolken belagert wurde. Außerdem führte die Hauptstraße in den Westen der Insel direkt über das Flugfeld. Vor jedem Start oder Landung gingen an der Straße erstmal die Schranken herunter. Für die Fliegerei zwischen den Inseln mag das ausgereicht haben, aber ein internationaler Ferienflugverkehr war natürlich so nicht möglich.

Ohne Kontrolle der Ausweispapiere gelangen wir in den Ankunftsbereich des Flughafens. Dort ereilt einige Fluggäste ein kleiner Schock: Zahlreiche Gepäckstücke sind beschädigt, Riemen oder Verschlüsse abgerissen. Ein Koffer eiert gar offen auf dem Gepäckband herum. Fortsetzung der einheimischen Proteste gegen fremde Einflüsse oder haben die Flughafenarbeiter nach dem Genuß der Nationalspeise Gofio (eine Art von Maisbrei) einfach zuviel Kraft? Die Frage bleibt ungeklärt. Mein Gepäck kommt bald und ist zum Glück intakt.

Zusammen mit mir sind noch drei weitere Teilnehmer meiner Gruppe angekommen, die anderen müßten schon mittags mit Flügen aus Düsseldorf, Frankfurt und Hamburg eingetroffen sein. Wikinger- Reisen hat einen Taxifahrer zur Abholung geschickt, der uns in eiliger Fahrt und unter Einbeziehung finsterer Abkürzungen nach Los Llanos de Aridane in unsere Unterkunft Apartamentos Dona Paquita bringt. Dort stellen wir nur kurz das Gepäck ab, anschließend fährt uns der Fahrer noch in das nahegelegene Lokal Tinguaro, wo die anderen Gruppenteilnehmer schon bei der Vorsuppe sitzen.

Damit beginnt dann auch der ausgedehnte Streifzug durch die palmerische Küche, die wir in den folgenden zwei Wochen recht gut kennenlernen sollen. "Palmerisch" bedeutet ländlich, teilweise auch deftig, viel Salat und Gemüse, Papas Arrugadas, das sind in Salzwasser gekochte Kartoffeln, die mit Schale gegessen werden, reichlich Fisch und natürlich Mojo. Mojo heißen die oft hausgemachten Würzsaucen, die bei keinem Essen auf La Palma fehlen dürfen: es gibt Mojo Rojo mit rotem Chile-Paprika zum Fleisch, Mojo Verde mit Koriander, Petersilie und anderen Gewürzen zu Fisch und Salat.

Nach dem Essen ziehen wir um in ein kreisrundes Gewölbe im Untergeschoß des Lokals. Eng um den runden Tisch versammelt gibt es einen Begrüßungsschluck, und der Wanderführer Thomas erklärt uns anhand einer Landkarte die acht geplanten Touren und unterbreitet auch Vorschläge für die freien Tage. Zu vorgerückter Stunde geht dann noch eine Kanne mit Aguardiente herum, einem vorzüglichen weißen Zuckerrohrschnaps, der im Nordosten der Insel gebrannt wird. Wegen seines unschuldigen Aussehens wird das Zeug von uns in den nächsten 14 Tagen nur noch "Schweres Wasser" genannt. Tatsächlich hat es am ersten Abend einige Fälle von Fehldosierung aufgrund von Verwechselung mit H2O gegeben.

Donnerstag, 14.11.96: Alles Banane

Stadtbummel durch Los Llanos, anschließend Spaziergang nach Puerto Tazacorte

Am anderen Morgen treffen wir uns um 10 Uhr vor dem Appartment- haus. Wir unternehmen zunächst einen kleinen Stadtrundgang, lernen dabei, wo man Geld holen, einkaufen oder telefonieren kann, wo sich die Post befindet und wann sie geöffnet ist. Ich habe anfangs etwas Orientierungschwierigkeiten, denn von den großen Geschäftsstraßen sieht auf den ersten Blick eine aus wie die andere. Ältere Gebäude im kanarischen Stil findet man praktisch nur in einigen Gassen rund um die Plaza. Ansonsten gibt sich Los Llanos den Anschein eines aufstrebenden Geschäftszentrums.

Im unteren Teil des Ortes befindet sich die moderne Busstation, von der aus gute Verbindungen in alle Teile der Insel führen. Guaguas nennt man die hier, genauso wie in einigen Ländern der Karibik. Ich werde diese Form der Fortbeweugng später noch austesten. Unweit vom Busterminal liegt auch die Markthalle, wo man sich recht gut mit frischem Obst versorgen kann. Vieles stammt von der Insel, manches wird aber auch vom Festland importiert.

Los Llanos heißt auf deutsch "die Ebene"; der Name deutet schon auf die Lage der Stadt hin. Sie liegt nämlich inmitten einer weiten, zur Küste hin abfallenden Ebene, die das Hauptanbaugebiet für Bananen auf der Insel darstellt. Wenige Schritte vom Zentrum findet man sich schon inmitten von Bananenplantagen wieder. Überwiegend wird noch die kleine kanarische Banane angebaut, die eigentlich optimal auf die hiesigen Umweltbedingungen angepaßt ist. Es sind nämlich nicht nur die Früchte kleiner, sondern die ganze Staude, die dadurch besser Wind und Wetter widersteht. Leider sind aber die Absatzmöglichkeiten der kleinen Bananen eingeschränkt, weshalb viele Plantagenbesitzer jetzt auch die große südamerikanische Sorte anbauen. Diese müssen allerdings mit derben Plastikplanen vor dem Wind geschützt werden. Viele Anbauflächen sehen deshalb von weitem aus wie Gewächshäuser, von den Seiten und von oben mit Plastik geschützt.

Unser Weg verläuft neben ganzen Bündeln offen verlegter Wasserrohre immer weiter abwärts zwischen Plantagen und riesigen Wasserbecken hindurch. Der Bananenanbau erfordert sehr viel Wasser und da der Regen besonders auf der Westseite der Insel sehr unregelmäßig fällt, ist eine ausgeklügelte Wasserwirtschaft auf der Insel vonnöten.

Nach ungefähr einer Stunde und vielen botanischen Erläuterungen erreichen wir Tazacorte, einen kleinen Ort hoch über der Steilküste. Auf der idyllischen kleinen Plaza neben der Kirche San Miguel legen wir eine Rast ein. Ein Kiosk bietet Erfrischungen an. Anschließend steigen wir auf einem steilen Weg zur Küste herunter. Unten liegt Puerto Tazacorte, der Hafen von Tazacorte. Hier endet der Barranco de las Angustias (Schlucht der Beklemmungen), der einzige natürliche Abfluß und Ausgang aus der Caldera. Den Namen haben ihm die Spanier gegeben, als sie sich hier zu Beginn ihrer Eroberungsfeldzüge im 15. Jahrhundert verschiedentlich Prügel durch die Ureinwohner eingehandelt hatten. Erst im Jahre 1493 war es schließlich gelungen, mit List und Gemeinheiten den Widerstand des letzten Stammes zu brechen, der sich in die Caldera zurückgezogen hatte.

Puerto Tazacorte ist der wichtigste Fischerhafen auf La Palma. Die Zeiten, als hier auch Bananen verschifft wurden, sind lange vorbei, da es inzwischen gute Straßenverbindungen nach Sta. Cruz gibt. Der Hafen lag ursprünglich nördlich des Barrancos. Nachdem er allerdings einmal (vor 30 Jahren?) von einer durch ein Seebeben hervorgerufenen Tsunami (Flutwelle) zerstört worden war, hat man ihn weiter südlich neu aufgebaut. Auch ein großer Teil des kleinen Ortes besteht deshalb aus modernen Häusern. Es gibt einen kleinen schwarzsandigen, teilweise auch steinigen Strand, allerdings fast ohne Schatten und auch bei normaler Wetterlage mit sehr starker Brandung. Immerhin fällt der Meeresboden hier auf recht kurzer Distanz bis auf mehrere 1000 Meter Tiefe ab. Eine gelbe Fahne zeigt an, daß das Baden heute zwar möglich, aber gefährlich ist. Rot würde heißen "Baden verboten", grün "keine Gefahr". Nach einem kurzen Rundgang durch den Ort versammeln wir uns in einem Kiosco zum Essen. Kiosco nennt man hier Speiselokale mit etwas "rustikalem Ambiente", man könnte auch schreiben "Bretterbuden". Aber das Äußere täuscht: Das Essen ist vorzüglich hier.

Und was wird am Meer gegessen? Natürlich Fisch, und das reichlich! Dazu trinkt man am besten den weißen Tenegu¡a-Wein von der Südspitze der Insel. Nach dem Sonnenuntergang fahren wir in kleinen Gruppen mit dem Linienbus wieder zurück nach Los Llanos.

Freitag, 15.11.96: La Palma, wie es immer war

Wanderung Tinizara - El Jes£s und El Time - Puerto Tazacorte

Die erste richtige Wanderung! D.h. eigentlich sind es deren zwei, bzw. eine Wanderung in zwei Etappen. Der gecharterte Bus erwartet uns um 9 Uhr unterhalb der Unterkunft an der Hauptstraße. Die Fahrt geht entlang der Westküste nach Norden in den kleinen Ort Tinizara. Um dorthin zu gelangen muß man zunächst den Barranco de las Angustias durchqueren, was mit einer Paßfahrt in den Alpen vergleichbar ist. Nur ist hier die Reihenfolge umgekehrt: Erst geht es in Serpentinen rund 300m abwärts bis fast auf den Talgrund, anschließend quält man sein Gefährt in endlosen Kurven wieder bis auf 594m über dem Meere hinauf. Dort befindet sich der Mirador El Time, ein Aussichtspunkt mit Restaurant, von wo man das ganze Aridane-Tal und die südliche Westküste überblicken kann.

Der weitere Verlauf der Straße in den Norden ist ziemlich eben, allerdings müssen bis Tinizara vier größere Barrancos umfahren werden. Unterwegs gibt uns Thomas noch einige Verhaltensregeln auf den Weg. Sie betreffen vor allem den Umgang mit den Einheimischen, den Palmeros. Sie sind normalerweise gegenüber den Touristen sehr freundlich, aber eher zurückhaltend. Sie respektieren die Feriengäste, auch wenn sie die wandernde Zunft eher für "loco" (=verrückt) halten. Die Palmeros lassen sich durchaus schon mal fotografieren, wollen aber vorher gefragt werden. Die Häuser und Gärten der Einheimischen sind tabu, d.h. man sollte sie nicht betreten und noch nicht einmal die reichlich herumliegenden heruntergefallenen Früchte aufsammeln, auch wenn die Besitzer daran scheinbar überhaupt kein Interesse zeigen.

Nach knapp einer Stunde Fahrzeit hält der Bus an einer Bar, wo wir uns vor dem Abmarsch noch mit einem Caf" solo oder einem anderen Getränk erfrischen können. Die Wanderung führt zunächst leicht abwärts zwischen Kakteen, Mandelbäumen, Palmen über Plantagen und Brachflächen. Immer wieder passieren wir verfallene oder auch frisch renovierte Häuschen im kanarischen Baustil. Hier an der Westküste haben sich in den vergangenen Jahren ziemlich viele Mitteleuroäer angesiedelt, während die Einheimischen in die Städte und Touristenzentren abgewandert sind. Die Zeit der billigen Schnäppchen ist für die Alemanes jetzt allerdings vorbei, wie unser Wanderführer erklärt.

Der Boden ist in dieser Gegend eher trocken und steinig, das wichtigste Nutztier ist hier die genügsame Ziege. Einige Bauern haben ihre Ställe in die Wände von Barrancos gebaut. Aber auch Menschen wohnen hier teilweise in Felshöhlen. Unterwegs ergeben sich immer wieder hübsche Ausblicke auf das Meer, die imposanten Wolkenformationen geben jedoch etwas Anlaß zur Sorge.

Ein besonderer Clou dieser Wanderung ist die Durchquerung eines kleinen Tunnels, der früher einmal dazu diente, den Wasserlauf eines Barrancos anzuzapfen. Inzwischen ist der Barranco fast trocken und der Tunnel anscheinend nutzlos. Die meisten von uns haben aufgrund einer Vorwarnung Taschenlampen mitgenommen und so steht der Durchquerung des Tunnels nichts mehr im Wege. Ehrlich gesagt kommt ein festes Dach über dem Kopf gerade recht, denn der Himmel verfinstert sich zunehmend. Am Tunnelausgang sitzen wir erstmal fest, denn es schüttet wie aus Kübeln.

Als der Regen nach zwanzig Minuten etwas nachläßt, wagen wir es, die Wanderung fortzusetzen. Zu früh gefreut - nach einigen Metern setzt der Regen wieder ein. Der erste und zum Glück einzige echte Härtetest für unsere Regenbekleidung. Aber es ist nicht mehr allzu weit bis zu unserem Bus, der uns jetzt zum Aussichtspunkt El Time bringt. Dort hoffen wir bei einigen Erfrischungen auf eine nachhaltige Wetterbesserung, die sich auch tatsächlich bald einstellt. Die Regenwolken verziehen sich in südöstlicher Richtung und hinterlassen einen prachtvollen Regenbogen über dem Barranco de las Angustias.

Wir machen uns wieder auf den Weg. Vor uns liegt ein steiler Abstieg 590 Meter tief hinab zur Küste nach Puerto Tazacorte. Der gut ausgebaute und gepflasterte Weg ist vom Regen etwas glitschig geworden und erfordert eine hohe Konzentration. Aber was nimmt man nicht alles auf sich, wenn einen unten im Kiosco eine leckere Fischplatte erwartet. Nach dem Essen bringt uns unser Bus wieder zu unserer Unterkunft in Los Llanos zurück.

Frisch geduscht ziehen einige von uns nochmal los, um irgendwo noch ein Gläschen zu trinken. Die Anhänger süßer Genüsse haben unweit des Appartmenthauses schnell eine Spitzen-Eisdiele entdeckt, allerdings gemessen am Preisniveau von La Palma auch mit Spitzenpreisen. Rund um die Plaza findet man einige Lokale, wo man bei gutem Wetter auch draußen noch ein Gläschen Vino oder ein Cerveza zu sich nehmen kann. Da das Wetter sich aber immer noch von der unfreundlichen Seite zeigt (windig!), ziehen wir uns lieber nach drinnen zurück. Das gefährliche an dem Wetter ist jetzt, daß man bei Dunkelheit die dicken Regenwolken nicht rechtzeitig sehen kann. Kaum sind wir später in unseren Zimmern, da rauscht auch schon wieder der Regen.

Sonnabend, 16.11.96: Mit dem Linienbus in die Hauptstadt

Santa Cruz de La Palma

Heute ist ein freier Tag. Die meisten aus der Gruppe beschließen, nach Santa Cruz zu fahren und sich die Stadt mal etwas anzusehen. Vom Terminal fahren stündlich Guaguas auf die Ostseite der Insel. Die Fahrt kostet 560 Ptas und dauert rund eine Stunde. Die Busse fahren fast immer sehr pünktlich ab, ganz im Gegensatz zu der sonst herrschenden "Manana"-Einstellung der Palmeros, und sie halten auch nur an den offiziellen Haltestellen. An der Strecke nach Sta. Cruz liegt zunächst in rund 800m Höhe der Ort El Paso. In 1000m wechseln wir durch den Cumbre-Tunnel auf die Ostseite der Insel. Schon bald kann man die Hauptstadt tief unten an der Küste liegen sehen. An der Plaza de la Constitución bei der Hauptpost laufen alle Buslinien zusammen. Für einen richtigen Busbahnhof ist hier kein Platz, wie überhaupt die Stadt einen sehr beengten Eindruck hinterläßt.

Wer Santa Cruz de la Palma kennenlernen möchte, wendet sich am besten von der Plaza Constitución nach Norden und schlendert zunächst durch die Fußgängerzone der Calle O'Daly, im Volksmund auch Calle Real genannt. Zahlreiche alte Bürgerhäuser säumen den Weg. Bald erreicht man die dreieckige Plaza de Espana. Mit ihrer Enge - auf der einen Seite das Rathaus (Ayuntamiento), auf der anderen die Iglesia El Salvador (16.Jh.), mittendrin ein paar Königspalmen - stellt sie eine der härtesten Nüsse dar, die einem Hobbyfotografen zu knacken gegeben werden können. Der Rundgang führt dann weiter durch die Markthalle, am Teatro Chico vorbei zur Plaza de la Alameda. Ein schöner Platz für eine kleine Pause! An der Südseite befindet sich ein Gedenkstein mit Kreuz zur Erinnerung an den Sieg über die Guanchen.

Hier am Barranco de las Nieves endet die langgezogene Altstadt. Mitten auf der Avenida de las Nieves steht das Museo Naval (Seefahrtmuseum), in Form einer Nachbildung des Columbus-Schiffes Santa Maria. Weder Columbus noch die echte Santa Maria waren je in La Palma, das sei nur am Rande erwähnt! Leider ist das Museum am Wochenende geschlossen. Es scheint, als ob sich die Palmeros nicht von den Touristen in ihrem normalen Wochenablauf stören lassen wollen. Das Touristenbüro in der Casa Salazar an der Calle O'Daly ist übrigens auch nur Mo-Fr geöffnet. Der Patio der Casa Salazar soll sehenswert sein.

Rund hundert Meter oberhalb des Museo Naval kann man den ausgetrockneten Barranco überqueren und auf der anderen Seite über eine steile Straße zum Castillo de la Virgen hinaufsteigen. Von dieser alten spanischen Festung bietet sich ein umfassender Panoramablick über die Stadt. Noch etwas weiter oben kommt man zu einem ruhigen Platz mit der kleinen Kirche Nuestra Senora de la Encarnaci¢n. Unmittelbar dahinter ragen einige Hochhäuser in den Himmel. Diese Nähe von Alt und Modern fällt überall in Santa Cruz auf. Nicht immer wirkt das Nebeneinander harmonisch.

Für den Rückweg zur Plaza de la Constitución wähle ich die breite Avenida Maritima direkt am Meer. Bei stärkerem Seegang werden hier auf der östlichen Straßenseite unvorsichtige Fußgänger mit Salzwasser geduscht und Autos gewaschen. Heute ist es aber nicht so arg. Besonders sehenswert sind an der Küstenstraße einige alte Häuser mit hölzernen Balkonen und Wintergärten, die auffällig farbig gestrichen sind. Wer nicht weiß, wie er die Häuserzeile am besten fotografiert, sollte sich zuvor eine Ansichtskarte mit diesem Motiv beschaffen.

Es geht auf 14 Uhr zu. In der Calle O'Daly werden inzwischen die Läden geschlossen, und wenig später sind fast alle Einheimischen verschwunden. Wir haben noch etwas Zeit bis zur Rückfahrt, deshalb steigen wir zur Ermita Virgen de la Luz hoch oberhalb der der Plaza Constitución hinauf. Von dieser Kapelle aus hat man einen schönen Blick auf den Hafen, wo gerade ein kleiner Container-Frachter versucht, von der Kaimauer wegzukommen. Einen Block entfernt von dem Kirchlein können wir durch ein offenes Fenster einen Zigarrendreher bei der Arbeit beobachten. Er läßt sich gern einige Minuten dabei zuschauen. Die Kunst der Zigarrenherstellung ist von Rückwanderern aus der Karibik auf die Insel mitgebracht worden und immer noch ein gutes Geschäft.

Abends treffen wir uns wieder in Los Llanos im Restaurant Tinguaro zum Essen. Eine interessante Sache soll an dieser Stelle noch erwähnt werden, nämlich das Thema Trinkgelder. Auf Anregung des Wanderführers haben wir eine gemeinsame Kasse eingerichtet, aus der er für uns bei jeder passenden Gelegenheit ein angemessenes Trinkgeld abzweigt. Bei den gemeinsamen Mahlzeiten ist es z.B. schwierig: Die Bedienung erwartet etwa 10% vom gesamten Rechnungsbetrag, aber da wir Halbpension gebucht haben und nur die Getränke separat zahlen, wissen wir einerseits natürlich gar nicht, was das Essen genau kostet, und verfügen andererseits meistens auch nicht über das passende Kleingeld. Die Getränke im Tinguaro werden von uns auch nicht sofort bezahlt, sondern jeder trägt für sich selbst in eine Liste ein, was er konsumiert hat. Am letzten Abend sollen die Getränke abgerechnet werden und - ich greife mal vor: bis auf den Gegenwert von einem Mineralwasser hat es gepaßt!

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