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Sonntag, 17.11.96: Feuriges La Palma
Wanderung Fuencaliente - San Antonio - Teneguja - Faro Teneguja
Um 9 Uhr wartet wieder der Bus an der Straßenecke. Diesmal geht die Fahrt
zur Südspitze zum kleinen Ort Fuencaliente, was auf deutsch "heiße Quelle"
bedeutet. Die besagte Quelle gibt es nicht mehr, denn sie wurde im 17.
Jahrhundert beim Ausbruch des Vulkans San Antonio verschüttet. Angeblich
sprudelt sie jetzt irgendwo auf dem Meeresgrund. Der Vulkan San Antonio ist
von Fuencaliente aus gut zu erkennen und nach einer halben Stunden haben wir
seinen Kraterrand erreicht. Oben tobt ein stürmischer Wind, man muß seine
Sachen, Mütze usw. gut festhalten, damit sie nicht davongeweht werden. An
manchen Tagen soll es so stark stürmen, daß es unmöglich ist, diesen Weg zu
begehen. Im Windschatten des Kraterinneren wachsen einige Büsche und
Kiefern, ein Zeichen dafür, daß vulkanische Aktivitäten schon lange
zurückliegen.
Noch ein Blick die Westküste der Insel entlang in nördlicher Richtung auf
Puerto Naos und Los Llanos, dann steigen wir herab zu einem hellen Felsen,
dem Roque Tenegu¡a. Hier wimmelt es von Eidechsen, die sich gern mit Brot,
Käse und Salami füttern lassen. Auf einigen Felsbrocken sind eingemeißelte
Symbole der Urbevölkerung zu erkennen. Was diese "Kringel" genau bedeuten
sollen, ist noch nicht eindeutig geklärt.
Nach einer kurzen Rast wenden wir uns der jüngsten vulkanischen Attraktion
der Insel zu: dem Volcan Tenegu¡a. Er ist im Herbst 1971 nahezu über Nacht
aus der Erde herausgewachsen und hat einige Wochen lang Lava und Asche
ausgespuckt. Fuencaliente ist damals rechtzeitig evakuiert worden; so ist nur ein
Fischer zu Tode gekommen, der sich etwas zu früh wieder in die Gegend
gewagt hatte. Aus einigen Löchern am Kraterrand dringen auch heute noch
heiße Gase unbekannter Zusammensetzung und es erscheint deshalb auch nicht
ratsam, in den Krater hinabzusteigen.
Der auch hier extrem starke Wind treibt uns bald weiter. Der steile Abstieg
durch bis zu 20cm hoch liegende schwarze Lapilli gelingt erstaunlich gut, wenn
man die Technik einmal heraus hat. An der Südspitze der Insel befindet sich ein
rot-weiß gestreifter moderner Leuchtturm, daneben die Ruine seines kleineren
Vorgängers. Zwischen den Lavaströmen wird, ähnlich wie man es von
Lanzarote her kennt, Wein angebaut. Ansonsten leben die Leute hier vom
Fischfang, die Salinen sind nach meinen Informationen nicht mehr in Betrieb. In
der kleinen Bucht unterhalb der Leuchttürme haben die Fischer ihre Boote
liegen und können im Schatten eines Daches ihre Netze reparieren. Wer
möchte, kann an dem steinigen Strand baden oder sich in die Sonne legen. Auf
der Terrasse eines Kiosco stärken wir uns mit einer leckeren Fischmahlzeit.
Am frühen Abend bringt uns der Bus wieder zurück nach Los Llanos.
Unterwegs legen wir noch einen kleinen Stop in Las Manchas ein, wo die
Dorfbewohner ihre kleine Plaza mit viel Liebe und Kunstfertigkeit neu angelegt
haben. Die Mosaiken und Phantasiefiguren sind wirklich sehenswert!
Montag, 18.11.96: Grünes La Palma
Wanderung Las Tricias - Cerro Tricias - Puntagorda
Die Wanderungen der ersten Tage hatten eines gemeinsam: es ging mehr bergab
als bergauf. Für heute sind nun endlich mal ein paar hundert Meter Aufstieg
angesagt. Unser Bus hat die Gruppe in dem kleinen Nest Las Tricias im
Nordwesten der Insel abgesetzt. Der Weg führt zum oberen Ortsrand und dann
weiter in den lichten Kiefernwald hinein. Wenn ich "Kiefer" schreibe, meine ich
die nur auf den Inseln vorkommende kanarische Kiefer, die die Einheimischen
Pino nennen.
Mehrere Besonderheiten zeichnen diesen Baum aus. Mit ihren bis zu 30
Zentimeter langen Nadeln, die immer zu dritt aus dem Zweig herauswachsen,
kann sie aus den Passatwolken die Feuchtigkeit herausfiltern. Auch wenn aus
den Wolken kein Regen fällt, dann kann es doch um eine Kiefer herum tröpfeln.
Zum anderen ist die kanarische Kiefer feuerfest, eine Anpassung an den
Vulkanismus der kanarischen Inseln. Auch ohne Vulkanausbrüche kommt es
leider hin und wieder auf La Palma zu Waldbränden. Nadeln und dünne Äste
der Kiefern fackeln dann ab, der Stamm und die dickeren Äste werden jedoch
durch eine sehr dicke Rinde geschützt, sodaß die verkohlten Gerippe nach
einem Jahr wieder ausschlagen. Ein großer Teil der Bäume, die wir auf unseren
Wanderungen gesehen haben, weist am Stamm deutliche Brandspuren auf.
Nach einiger Zeit überqueren wir die Straße, die über den Roque de los
Muchachos hinüber nach Santa Cruz führt. Verschiedentlich können wir
schwarze krähenartige Vögel mit gelbem Schnabel beobachten. Es handelt sich
sich dabei um Grajas, eine Art, die nur hier auf der Insel vorkommt. Ihr
kratziger Ruf ist weithin zu vernehmen. Ansonsten wird dem ornithologisch
interessierten Wanderer recht wenig geboten, was sicher auch an der Jahreszeit
liegt.
Damit sind eigentlich schon alle wichtigen Details dieser Wanderung erzählt, die
in erster Linie von den optischen Eindrücken lebt: den wiederholten Ausblicken
zwischen grünen Kiefern hindurch auf den blauen Ozean und Regenwolken über
dem Wasser, die uns glücklicherweise heute verschonen und nur für einen
prächtigen Regenbogen sorgen.
Am Nachmittag erreichen wir wieder den Ausgangspunkt der Wanderung, wo
der Bus schon wartet. Er bringt uns wenige Kilometer nach Süden in den Ort
Puntagorda, wo das Essen bestellt ist. Es gibt heute verschiedene Arten Fleisch:
Ziege und Kaninchen und für die, die beides nicht mögen, auch Rindfleisch.
Dazu trinkt man am besten einen trockenen Landwein, dessen harziger
Geschmack allerdings auch nicht jedermanns Sache ist. Mit meinem Stück
Kaninchen habe ich leider etwas Pech, denn das Tier scheint an Altersschwäche
gestorben zu sein. Das Ziegenfleisch ist dagegen sehr zart und lecker.
Es wird schon dunkel, als wir wieder Los Llanos erreichen. Morgen ist ein
wanderfreier Tag. Ungefähr die Hälfte der Gruppenteilnehmer wollen dann mit
Mietwagen auf den Roque de los Muchachos fahren. Angeblich sind Autos auf
den Kanaren einfach zu mieten und preiswert. Viele Läden an den Hauptstraßen
und in der Fußgängerzone werben mit dem Schriftzug "Rent A Car", sogar ein
kleines Schuhgeschäft ist darunter. Die meisten haben um diese Zeit schon
geschlossen, in den anderen sagt man mir entweder, ich solle am nächsten
Morgen wiederkommen, oder daß man für einen Tag keinen Wagen hätte.
Heute ist nichts mehr auszurichten, und ich ahne schon, daß es ziemlich
schwierig werden wird ...
Dienstag, 19.11.96: Top oder Flop
Mit dem vorletzten Mietwagen auf den Roque de los Muchachos
(2426m)
Kurz vor 9 Uhr, das Frühstück ist beendet, da geht die Rennerei wieder los!
Nacheinander klappere ich ca. 10 verschiedene Anbieter ab, darunter
Reisebüros, Auto-Händler, kleine Läden, Büros in Privatwohnungen, ohne
Erfolg. Für einen Tag ist nirgendwo ein Auto zu bekommen, weder ein kleines
noch ein großes. Zum Teil liegt es daran, daß die Vermieter freie Autos jeweils
Mitte der Woche zum Flughafen schaffen, denn dann kommen die meisten
Flugzeuge aus Europa an. Einige von uns freunden sich schon allmählich mit den
Gedanken an, sich von einem Taxi auf den Roque kutschieren zu lassen, da
stehen wir vor einem Büro, wo wir noch nicht gefragt hatten. Die Dame hat
tatsächlich noch zwei Opel Corsa zu vergeben! Die sind mit 4575 Ptas pro Tag
zwar etwas teurer als bei den anderen Vermietern, aber sie sind wenigstens
verfügbar. Ein Wagen steht vor der Tür, den anderen wird ein Kunde eine halbe
Stunde später zurückbringen.
Ich unterschreibe den Vertrag für das eine Auto und bezahle in bar.
Kreditkarten sind merkwürdigerweise unerwünscht, nicht mal eine Kaution wird
hier verlangt. Reserverad und Werkzeug kontrollieren, 20 Liter tanken, dann
kann es endlich losgehen. Mit fünf, teilweise großen Insassen ist das Autochen
gut belegt, aber schlecht gefahren ist immer besser als gut gelaufen. Wir haben
es jetzt etwas eilig, denn wir haben schon viel Zeit verloren. Auf Wunsch meiner
Mitfahrer soll die Serpentinenfahrt durch den Barranco de las Angustias dann
aber doch nicht ganz so schnell vonstatten gehen. Naja, sie werden sich später
noch an meinen Fahrstil gewöhnen.
Bei Puntagorda biegen wir zur Gipfelstraße ab. Vor nicht allzu langer Zeit muß
es hier oben ziemlich stark geregnet haben, denn immer wieder liegt Geröll auf
der Straße, darunter auch ziemlich dicke Brocken, die umfahren werden
müssen. Bei zeitweise reduzierter Sichtweite innerhalb der Passatwolken
erfordert das äußerste Aufmerksamkeit. Außerdem ist die Fahrbahn übersät mit
den aufgeplatzten Fruchtkapseln von Eßkastanien. Ansonsten ist der
Straßenzustand ausgezeichnet.
Nach ungefähr 90 Minuten kommen die ersten Gebäude des europäischen
astronomischen Observatoriums in Sicht. Rechts zweigt eine Straße in südlicher
Richtung nach oben hin ab, aber eine offene Schranke und ein Schild
"Durchfahrt verboten" schrecken uns ab. Sehr bald merken wir aber, daß es
schon wieder abwärts geht. Also rasch gewendet und wieder zurück zu der
Abzweigung, wo gerade zwei Busse herunterkommen. Wir biegen auch ab und
erreichen wenige Minuten später den kleinen Parkplatz unmittelbar unterhalb
des Gipfels. Von hier aus ist es nur noch ein Spaziergang zu den "Muchachos",
einer Felsformation auf dem Gipfel, die so aussieht wie eine Gruppe
zusammenstehender Leute. Dies ist also die höchste Stelle des Caldera-Randes.
Wenn man es nicht wüßte, könnte man es nicht ohne weiteres feststellen, denn
auch die Nachbargipfel erreichen alle Höhen zwischen 2300 und 2400 Metern.
An geschützten Stellen sind einige Schneereste zu sehen. Ich vermute, sie
stammen vom Freitag.
Während man auf der Nord- und Westseite hauptsächlich auf Wolkenfelder
herabblickt, öffnet sich im Süden der 1500 Meter tiefe Abgrund der Caldera de
Taburiente. In rund 10 km Entfernung erkennt man den Pico Bejenado, mit
1854m der höchste Gipfel am südlichen Rand des Einsturzkraters. Über die
östliche Bergkette schiebt der Passat dicke Wolkenpakete, die Wasserfällen
gleich in die Caldera und in das Aridane-Tal hinübergleiten und sich alsbald in
der wärmeren Luft auflösen. Im Gegensatz dazu kommt hier oben der Wind
zeitweilig total zum Erliegen, so daß man in der totalen Stille die Wolken von
gegenüber rauschen hören kann. Als sich plötzlich die Wolkenmasse etwas
lichtet, taucht der 100 Kilometer entfernte Gipfel des Pico del Teide der Insel
Teneriffa auf.
Im Bereich des Roque de los Muchachos gibt es befestigte Wege zu einigen
exponierten Aussichtspunkten, die den Wanderer noch dichter an den Abgrund
heranbringen. Für die teilweise steilen Abstiege ist es jedoch ratsam, die
Wanderschuhe anzuziehen. Wir sehen uns noch etwas um und stärken uns noch
mit der mitgebrachten Wanderverpflegung, bevor wir Richtung Santa Cruz
aufbrechen. Die Straße verläßt bald die Gipfelzone und führt an der Ostseite der
Bergkette abwärts. Die Passatwolken werden jetzt von links über die Straße
herübergedrückt. Zwischendurch eröffnen sich bei den sogenannten "Andenes"
(=Bahnsteigen) begrenzte Ausblicke auf die Nordostküste um San Andrés und
Sauces, die Heimat des "Schweren Wassers".
Auf der Strecke herunter nach Santa Cruz durchqueren wir die Nebelwälder.
Auch hier liegt wieder viel Geröll auf der Straße. Daß einem Fahrer hier hin und
wieder auch mal etwas danebengeht, davon zeugt ein ausgebranntes Autowrack
rechts der Straße. Bei ungefähr 800 Meter Seehöhe bekommen wir wieder
Durchblick und können auf die Hauptstadt heruntersehen. Aber der Himmel
zeigt sich grau in grau, was aber nach den überwältigenden Eindrücken zuvor
niemanden von uns zu stören scheint. Während einige von uns in Sta. Cruz noch
etwas einkaufen wollen, möchte ich dem Museo Naval einen Besuch abstatten,
nachdem sich dieses am vergangenen Sonnabend so verschlossen gezeigt hatte.
Sehr viel gibt es dort aber nicht zu sehen: Alte Seekarten von den Kanarischen
Inseln, Gegenstände aus der Seefahrt wie Navigationsinstrumente oder Lampen,
alte Fotos und ähnliches.
Als wir uns um 17 Uhr am Auto treffen, beginnt es zu tröpfeln. Während der
Fahrt in Richtung Cumbre-Tunnel, wird der Regen stärker und es schüttet
schließlich wie aus Eimern. Ein Segen für die Landwirtschaft, aber ich habe
Probleme, auf meiner Fahrspur zu bleiben. Besonders übel ist es, daß die
Scheiben von innen einen fettigen Belag aufweisen und wegen der hohen
Luftfeuchtigkeit stark beschlagen. Natürlich hat hier niemand ein
Anti-Beschlagtuch zur Hand.
Endlich erreichen wir den Tunnel und, man glaubt es kaum, von der Westseite
leuchtet uns in der schnurgeraden Röhre ein goldener Schein entgegen.
Während wir über El Paso herunter nach Los Llanos rollen, versinkt die Sonne
gelb-orange leuchtend im Meer.
Die Besatzung des zweiten Leihwagens haben wir gleich morgens aus den
Augen verloren. Sie hatten zwar ihr Auto, wie zugesagt, kurz vor 11 Uhr
erhalten, sich dann aber von der mißverständlichen Beschilderung am Gipfel
abschrecken lassen und sich deshalb den Gipfel von einer anderen Stelle her zu
Fuß erschlossen. Für eine echte Rundfahrt über die Ostseite hatte bei ihnen die
Zeit nicht mehr gereicht. Man lernt daraus, daß es die scheinbar kurzen
Entfernungen auf der Insel wegen der großen Höhenunterschiede und vielen
Kurven in sich haben. Auch uns ist es an diesem Tag nicht gelungen, die 20
Liter zu verbrauchen.
Eigentlich erübrigt es sich auch zu erwähnen, daß unser Mietwagen über kein
5-Gang-Getriebe verfügte und ich es auf der Hinfahrt nur einmal bei Puntagorda
für angebracht hielt, auf einer kurzen Distanz den vierten Gang einzulegen.
Südlich von Santa Cruz Richtung Flughafen gibt es einen kurzen
autobahnähnlichen Straßenabschnitt, wo ein vierter Gang ebenfalls sinnvoll ist.
Mittwoch, 20.11.96: Nebelwälder
Wanderung Ostseite - Cumbre Nueva - Ermita Virgen del Pino
Busfahrt auf die Cumbrecita
Die Anfahrt zum Startpunkt der Wanderung erfolgt wie gehabt mit dem Bus.
Wir werden an einer Ausweichstelle der Verbindungsstraße El Paso - Santa
Cruz kurz hinter dem Cumbre-Tunnel abgesetzt. Die Passatwolken hängen auch
zu dieser frühen Stunde schon drohend über uns. Der Einstieg in den Camino
Real über die Cumbre hinweg nach Osten ist nicht ganz einfach zu finden, aber
der Weg ist durchweg befestigt und gut zu begehen. Bis in dieses Jahrhundert
hinein stellte der Weg eine wichtige Verbindung für die Einheimischen dar, die
hier vermutlich mit Tragtieren ihre Waren von einer Seite der Insel zur anderen
transportierten.
Wir müssen jetzt rund 500 Meter aufsteigen, um den Kamm der Cumbre
Nueva zu erreichen. Oben verbindet ein Höhenweg den Caldera-Rand mit der
Ruta de Volcanes im Süden. Die Cumbre Nueva ist in diesem Bereich mit 1400
bis 1500 Metern deutlich niedriger als der östliche Caldera-Rand, weshalb sie
häufiger von den Passatwolken überflutet wird. Auch heute scheint ein solcher
Tag zu sein, denn der Nebel wird immer dicker und auch oben ist es feucht und
ungemütlich. Unter diesen Umständen fällt es schwer, die Aufmerksamkeit auf
die einzigartige Vegetation der Nebelwälder zu lenken. Ganz typisch für diese
Zone ist die Baumheide (Erica arborea). Weiter oben herrscht dann wieder die
kanarische Kiefer vor.
Am Kammweg treffen wir im dichten Nebel unvermittelt auf einen geparkten
Rettungswagen. In der Ferne hört man einen Hubschrauber fliegen. Wie zu
erfahren ist, wird in der Caldera seit mehreren Tagen eine Touristin vermißt.
Thomas hält uns über den Fortgang der Rettungsaktion auf dem Laufenden und
so bekommen wir einige Zeit später mit, daß die Sache nochmal glimpflich
abgegangen ist.
Wir selbst befinden uns hier oben auf der Cumbre am Scheidewege und können
selbst abstimmen: wollen wir noch 2 Stunden weiter im Nebel auf der Cumbre
entlang laufen oder auf der Westseite zur Ermita Virgen del Pino absteigen,
wodurch allerdings die Wanderung erheblich verkürzt würde. Dort besteht aber
die berechtigte Hoffnung auf Sonnenschein.
Die Entscheidung fällt eindeutig aus, und nachdem es unserem Wanderführer
gelungen ist, mit seinem Handy(!) den Busfahrer über den geänderten
Treffpunkt zu informieren, nehmen wir den direkten Weg abwärts zu der
Wallfahrtskirche. In der Tat dauert es nicht lange, bis vereinzelte Wolkenlücken
erste Ausblicke ins Aridane-Tal erlauben. Durch einen herrlichen Kiefernwald
führt der Weg immer weiter abwärts. Auf einer Lichtung holen wir die
aufgeschobene Mittagspause nach, legen uns in die Sonne und trocknen die
durchfeuchteten Klamotten.
Wenig später finden wir den Bus wie erwartet bei der Kirche abfahrbereit vor.
Weil bis zum vorbestellten Essen in einem Restaurant in Los Llanos noch
reichlich Zeit übrig ist, werden wir zu einem Abstecher auf die sogenannte
Cumbrecita eingeladen. Dieses "Gipfelchen" ist in Wirklichkeit ein Sattel, der mit
rund 1200 Metern die niedrigste Stelle des Caldera-Randes bildet. Der
Mirador (=Aussichtspunkt) wird durch eine asphaltierte Straße erschlossen, die
sogar von großen Reisebussen befahren werden kann, auch wenn es in einigen
Kurven etwas eng wird und der Parkraum am Ende begrenzt ist. Sobald alle
Parkplätze belegt sind, wird die Zufahrt gesperrt. Von der Cumbrecita wirken
die steil aufragenden Felswände der Caldera übermächtig. Die grünen Kiefern
im Vordergrund bilden einen interessanten Kontrast zu den rötlich
schimmernden Gesteinschichten. Östlich des Aussichtspunkt wird der Bergsattel
am sogenannten Punta de las Roques durch einige steil aufragende Felsen
gekrönt.
Die Caldera ist ein bis auf das Grundgestein erodierter alter Vulkan, darin sind
sich die Experten einig. Der Berg muß einmal 3000 bis 4000 Meter hoch
gewesen sein. Die überwiegend horizontal verlaufenden Schichten der
Kraterwände werden von einer Vielzahl vertikaler Gänge unterbrochen, durch
die das flüssige Gestein aus der Magmakammer nach oben gestiegen ist. Diese
erkaltete Magma ist aufgrund ihrer helleren Farbe deutlich von ihrer Umgebung
zu unterscheiden.
Noch ein Wort zur Höhe der Cumbrecita: Im DuMont- Landschaftsführer
"Kanarische Inseln" findet man für die Cumbrecita eine Höhenangabe von 1833
Meter. Der bloße Augenschein sagt einem, daß dies nicht stimmen kann, denn
der benachbarte Pico Bejenado ist nachweislich nur 1854 Meter hoch. Auch
die einzelnen Felsen auf dem Cumbrecita-Sattel erreichen meiner Meinung nach
nicht diese Höhe. Die Autoren des DuMont-Führers haben die 1833m
anscheinend aus der 1:150000er Karte des RV- Verlages abgeschrieben, denn
dort findet sich haargenau derselbe falsche Wert.
Donnerstag, 21.11.96: Auf den Aussichtsbalkon der Insel
Besteigung des Pico Bejenado (1854m)
Wir machen heute ungefähr dort weiter, wo wir am Tag zuvor aufgehört haben.
Allerdings ist die Piste zum Fuß des Pico Bejenado nicht so gut befestigt, sodaß
für die Anfahrt heute Taxis benutzt werden sollen. Diese treffen auch ziemlich
pünktlich um 9 Uhr vor dem Appartmenthaus ein. Ich steige in den vordersten
Wagen ein, in der Hoffnung, auch mit den ersten am Ausgangspunkt der
Wanderung anzukommen. Doch wir sind kaum aus der Stadt draußen, da
zwingt uns ein dahinschleichendes gewaltig räucherndes Diesel-Taxi zum
Langsamfahren. Darin einige von unserer Gruppe! Der Fahrer muß wohl eine
Abkürzung genommen haben.
Kurz vor El Paso lassen wir den Stinker glücklicherweise hinter uns und biegen
bald darauf in die Seitenstraße zum Pico Bejenado ein, die wenig später in eine
holperige Piste übergeht. Zu meiner Überraschung ist einer der anderen Wagen
schon vor Ort. Wie ist der nun wieder an uns vorbeigekommen?
Auf das letzte Fahrzeug müssen wir etwas länger warten. Die vier Passagiere
wären um ein Haar zum Flughafen kutschiert worden! Der Fahrer war wohl
noch nicht ganz wach gewesen und hatte das Ziel nicht richtig verstanden.
Dummerweise hatte er dann unterwegs die anderen Taxis aus den Augen
verloren. Hinter El Paso waren unsere Leute schließlich nervös geworden,
konnten sich aber mangels Spanisch-Kenntnissen nicht verständlich machen.
Der Fahrer: "Aeropuerto!" Wikinger: "No aeropuerto!!!". Das ging dann wohl
ca. dreimal so hin und her, bis dem Chauffeur ein Licht aufging und er den
Wagen kurz vor dem Tunnel wendete.
Nach dieser dramatisch-komischen Einlage wenden wir uns dem Tagesziel zu:
der Besteigung des Pico Bejenado. Der Startpunkt der Wanderung liegt auf
ungefähr 950 Meter Höhe. Das erste Drittel des Aufstiegs führt über einen
breiten Fahrweg mit eher geringer Steigung, den man zur Not auch noch mit
einem Fahrzeug bewältigen könnte. Bis zu einer deutlich sichtbaren
Informationstafel am Weg soll die Gruppe erstmal zusammenbleiben, dann kann
jeder in seinem eigenen Tempo weiter aufsteigen, bis zum Gipfel oder auch
nicht, je nach Leistungsvermögen und Interesse. Während der letzten 600
Höhenmeter gabelt sich der gut befestigte und markierte Weg nicht mehr und
führt durch einen lichten Kiefernwald direkt zum Gipfel. Es besteht somit keine
Gefahr, daß sich jemand verläuft.
Die meisten wollen natürlich auf den Gipfel, einige besonders sportliche haben
es sogar recht eilig damit. Die Sonne meint es heute besonders gut mit uns und
die Fernsicht ist ausgezeichnet. Sogar die Cumbre Nueva und die Ruta de los
Volcanes sind wolkenfrei! Die Watte staut sich jetzt weiter unten auf der
Ostseite der Berge. Als ich schließlich hoch genug gelangt bin, um über die
Cumbre Nueva hinwegsehen zu können, habe ich alle drei theoretisch
sichtbaren Nachbarinseln im Blickfeld: im Südosten Teneriffa mit dem mächtigen
Teide-Gipfel, rechts daneben Gomera, wo der Tafelberg Fortaleza de Chipude
deutlich auszumachen ist, und schließlich tief im Südwesten El Hierro.
Oben angekommen spendiert Wanderführer Thomas erstmal einen
hochprozentigen Gipfelschluck. Danach mache ich mich über meinen
mitgebrachten Proviant her und genieße die Aussicht. Das Aridane- Tal sieht
ziemlich witzig aus, mit seinen vielen "eingetüteten" Großbananen-Pflanzungen.
Ich mache einige Fotos und versuche auch, Teneriffa und Gomera so
abzulichten, daß man auch etwas erkennen kann. Leider hat das extreme
Gegenlicht am Ende doch alles überstrahlt. Auch hier oben "weihnachtet" es
übrigens: Jemand hat eine kleine Holzkrippe in einen Steinhaufen eingebaut.
Der Abstieg verläuft ziemlich zügig und alle Teilnehmer kommen pünktlich bei
den wartenden Taxis an. Auf der Rückfahrt nach Los Llanos liefern sich die
Fahrer wieder ein Wettrennen, aber diesmal ist unser Wagen als erster am Ziel,
einer hübschen kleinen Plaza in Los Llanos. Wir sollen hier warten, bedeutet uns
der Fahrer und braust davon. Mir kommt diese Ecke total unbekannt vor, aber
wie sich später herausstellt, sind wir nur wenige Ecken von der Kirche entfernt.
Das Restaurant, wo unser Essen bestellt ist, liegt auch in unmittelbarer Nähe.
Freitag, 22.11.96: Mit dem Linienbus um die Südspitze
Los Llanos - Sta. Cruz - Mazo - Cueva del Belmaco - Fuencaliente - Los
Llanos
Eigentlich hatte ich vorgehabt, die Insel noch einmal mit einem Leihwagen
erkunden, aber die anderen wollen nicht. Sie sind wohl zu kaputt und ziehen
einen Tag am Strand vor. Ich möchte aber sehr gern noch etwas vom Südosten
der Insel sehen und heute bietet sich die letzte Gelegenheit dazu. Also studiere
ich die Fahrpläne der Guaguas und bald liegt die Route fest. Nach einigen
notwendigen Besorgungen in Los Llanos (Geld holen!) besteige ich den Bus
nach Santa Cruz. Von dort geht es eine Viertelstunde später mit der Linie 5
Richtung Süden weiter. Dieses Gefährt ist sicher 20 Jahre älter und schon ein
ziemlich klapprig. "Es kommt bei der alten Kiste nicht so drauf an" denkt sich
wohl auch der Fahrer und fährt wie ein Henker! In der kleinen Ortschaft San
Jos‚, die zu Brena Baja gehört, geht er dann wegen Gegenverkehr in einer
unübersichtlichen Rechtskurve zwischen zwei Mauern voll in die Eisen, so daß
die Reifen kreischen. Man muß nicht unbedingt nach Südamerika reisen, um so
etwas zu erleben.
Als ich wenig später in Mazo aussteige, ist schon die Siesta-Zeit angebrochen.
Kaum ein Mensch ist auf der Straße zu sehen. Unweit der Bushaltestelle treffe
ich auf zwei Taxifahrer. Den einen erkenne ich sofort wieder: er hatte mich und
die anderen "Hannoveraner" vom Flughafen abgeholt. Die Insel ist eben doch
ziemlich klein!
Oben an der Hauptstraße in Mazo gibt es einige alte sehenswerte Häuser mit
Holzbalkonen, der interessantere Teil des Ortes liegt aber unterhalb. Eine steile
Gasse führt hinab zu einer hübschen Plaza, die wie eine Aussichtsterrasse
angelegt ist. Hier steht das kleine Rathaus des Ortes, inmitten vieler Gärten mit
Blumen, Obst und Gemüse. Die Hauptsehenswürdigkeit von Mazo ist die
Kirche San Blas aus dem Jahre 1512, die sich weiter unten am Hang ebenfalls
auf einer Terrasse befindet. Wenn sie, wie in meinem Fall verschlossen ist, sollte
man sich wenigstens die schönen geschnitzten Türen und Balkone anschauen.
Noch tiefer ist die untere Durchgangsstraße zu erkennen, die später auf dem
Weg nach Fuencaliente bei Tigalate wieder auf die obere Straße trifft.
Das nächste Ziel meiner Rundfahrt ist die Cueva de Belmaco, die rund 3
Kilometer weiter südlich kurz vor Malpais an der unteren Straße liegt.
Nachdem ich jetzt schon so weit heruntergestiegen bin, beschließe ich, ganz
herunter nach Hoyo de Mazo zu gehen. In dieser Gegend wachsen übrigens die
Trauben für den schweren Malvasia-Wein. Ich will dann entweder den nächsten
Bus der Linie 7 nehmen oder aber die 3 km zur Höhle zu Fuß zurücklegen. Um
es kurz zu machen: es kam kein Bus und ich bin gewandert! Leider zog sich die
Straße doch etwas hin, so daß ich schließlich heilfroh war, die schattige Höhle
zu erreichen.
Die Cueva von Belmaco ist eigentlich keine richtige Höhle, sondern nur
überhängender Fels in einem Barranco. Als die Spanier auf die Insel kamen,
residierte hier der Mencey von Tedote, der Guanchen-Fürst von Tedote. In der
Höhle gibt es einige Petroglyphen, aber besonders spektakulär fand ich diese
eigentlich nicht. Vielleicht habe ich etwas übersehen, denn Hinweise fehlen fast
völlig. Ich mache mich wieder auf den Weg, um eine Bushaltestelle zu suchen.
Ungefähr am Ortseingang von Malpais hält dann plötzlich direkt neben mir ein
Bus der Linie 7. Nichts wie hinein: Einmal nach Fuencaliente bitte!
In Fuencaliente habe ich über eine Stunde Zeit bis zur Abfahrt des Guaguas
zurück nach Los Llanos. Ich setze mich in eine Bar, erfrische mich mit einem
Mineralwasser und beobachte die Leute. Ein angetrunkener älterer Mann zieht
mehrmals die Straße hinauf und herunter, neben ihm eine Promenadenmischung,
der er einen Stoffetzen um den Hals gebunden hat. Der Mann ist offensichtlich
ein hier ansässiger Deutscher und faselt immer etwas wie: "Auch ein Hund
braucht einen Schlips, mein Hund trägt einen Schlips...". Dem ist wohl nichts
hinzuzufügen!
Sonst sind hier fast nur Einheimische anzutreffen, denn die Wanderer
strapazieren um diese Zeit noch ihre Füße. Aber ungefähr eine halbe Stunde vor
Abfahrt des Busses füllt sich die Hauptstraße mit Rucksäcken. Es werden
immer mehr, sodaß ich mir allmählich Gedanken mache, ob ich wohl noch mit
dem Bus mitkomme. Gegenüber parkt inzwischen auch schon ein Taxi, der
Fahrer hofft sicher, daß für ihn auch noch etwas abfällt.
Als der Bus schließlich eintrifft, erlaubt sich der Fahrer einen kleinen Spaß - so
sieht es wenigstens aus - indem er ganz langsam an der großen Gruppe
Wartender vorbei rollt und zehn Meter weiter vorn anhält. Im Gegensatz zu den
meisten hier bin ich noch flink auf den Beinen, lege eine Art Dreisprung hin und
bin deshalb als dritter am Einstieg. Das hat sich gelohnt, denn der Fahrer
benötigt nun fast zwanzig Minuten, um von allen Fahrgästen das Fahrgeld zu
kassieren. Am Ende können jedoch alle mitfahren und der Taxifahrer zieht
enttäuscht von dannen.
Insgesamt habe ich heute für die vier Busfahrten 1320 Ptas ausgegeben, das
sind etwas mehr als 15 DM. Abends versammeln wir uns wieder im
Restaurante Tinguaro, wo der Tag bei rustikalem palmerischem Essen, Cerveza,
Vino und "schwerem Wasser" beschlossen wird.
Sonnabend, 23.11.96: Superlativ: Das gibts nur einmal ...
Wanderung auf dem Guanchen-Trail im Nationalpark Caldera de
Taburiente
Die heutige Wanderung stellt zweifellos einen der Höhepunkte dieser Reise dar.
Rund 7 Stunden werden wir durch die Caldera und den Barranco de las
Angustias laufen. Der letzte Teil des Weges ist nur bei sicherer Wetterlage zu
begehen, denn der Barranco ist sozusagen "multifunktional", er ist Wasserlauf
und Weg in einem. Geht über der Caldera ein kräftiger Wolkenbruch nieder,
dann ist einem der Ausweg versperrt.
Für die Fahrt in den Talkessel hat Thomas drei VW-Pritschenwagen mit Fahrer
angeheuert. Maximal zehn Leute kommen auf jeden Wagen, fünf können auf
den beiden Sitzreihen im Führerhaus platznehmen, die anderen müssen mit zwei
zugigen Holzbänken auf der Pritsche vorlieb nehmen. Der Transport von
Personen auf der Ladefläche ist wohl nicht so ganz legal, jedenfalls müssen wir
zu Fuß zum Ortsrand marschieren, wo die Wagen auf uns warten. Von hier aus
führt eine halsbrecherische Piste hinunter in die Schlucht und an der Nordseite
wieder hinauf.
Thomas hatte zwar gesagt, es könne heute mit gutem Wetter gerechnet werden,
aber wenn ich mir den Himmel so anschaue, kommen mir leichte Zweifel. Der
Wind hat einige tiefhängende Wolken in das Aridanetal gedrückt, die aussehen,
als wollten sie gleich "Wasser lassen". Und richtig, kaum ist die Wagenkolonne
in Fahrt, da beginnt es auch schon zu tröpfeln. Hinten auf der Ladefläche bei
voller Fahrt das Regenzeug anzuziehen ist nicht ganz einfach! Glücklicherweise
bleibt es bei wenigen Tropfen und bald lacht wieder die Sonne. Während sich
die Piste am nördlichen Calderarand allmählich immer höher schraubt, kommen
wir an kleinen Dörfern und einzelnen Fincas vorbei. Seit jedoch dieses Gebiet
zum Nationalpark erklärt wurde, ist hier nur noch eine eingeschränkte
landwirtschaftliche Nutzung möglich.
Nach ungefähr einer Stunde erreichen wir schließlich den Ausgangspunkt der
Wanderung, den Aussichtspunkt "Los Brecitos" (=Baumheide). Hier bietet sich
ein erster Einblick in den Kessel. Der gut befestigte und beschilderte Weg führt
uns zunächst talwärts in östlicher Richtung, vorbei an einer Steinformation, die
"die Mönche" genannt wird. In der Tat sehen die spitzen Felsen so ähnlich aus
wie die Kapuzen von Mönchskutten. Wenig später kommen wir zur Fuente de
Tajodeque, der einzigen Frischwasserquelle auf der heutigen Tour. Die meisten
von uns nutzen die Gelegenheit, ihre Wasserflaschen noch einmal aufzufüllen.
Immer wieder müssen kleinere Barrancos umgangen werden. Eine dieser
Schluchten sieht ziemlich verwüstet aus. Anscheinend ist hier vor gar nicht langer
Zeit soviel Wasser heruntergekommen, daß es die aus losem Geröll
bestehenden Wände weggespült hat. Ganze Kiefern sind zusammen mit
tonnenschweren Steinen abgestürzt und es hätte nicht viel gefehlt, daß auch der
Weg abgerutscht wäre. Für den Wanderer besteht übrigens auf der ganzen
Strecke eine gewisse Gefahr, von Steinschlag getroffen zu werden, besonders
wenn es regnet oder geregnet hat.
Gegen Mittag erreichen wir die Umgebung des einzigen Zeltplatzes in der
Caldera. Das ist natürlich kein Platz mit mitteleuropäischem Komfort, sondern
nur eine Fläche, auf der man im Zelt übernachten darf. Einige sanitäre
Einrichtungen sind jedoch im Bau, allerdings sah die "Baustelle" ziemlich
verlassen aus und über den Fertigstellungstermin würde ich keine Wette
eingehen!
Verschiedene kleinere Bäche vereinigen sich hier zum Rio Taburiente, einem
breiteren Wasserlauf, und es ist nicht ganz einfach, auf die andere Seite zu
gelangen. Zwar liegen etliche große Steine im Wasser, aber einige davon
wackeln tückischerweise etwas. Die Hoffnung auf ein interessantes Action-Foto
erfüllt sich aber leider nicht. An einer besonders idyllischen Stelle legen wir dann
eine längere Rast ein. Hier ist auch die im Programm angekündigte
Badegelegenheit - aber sie wird nur von wenigen wahrgenommen, denn das
Wasser ist reichlich kalt.
Wenn im Bezug auf die Caldera von einem Kessel die Rede ist, dann darf man
sich dessen Grund nicht als ebene Fläche vorstellen. Vielmehr wechseln
Barrancos und kleine Gebirge einander ab. So müssen wir jetzt auf der Südseite
des Baches erstmal ein gutes Stück hinaufkraxeln, bevor wir Einblick in einen
anderen Barranco erhalten. Auf der gegenüberliegenden Seite kommt der
mystische Idafe-Felsen in Sicht, der für die Guachen eine heilige Stätte
darstellte. Es handelt sich dabei um einen Vulkanschlot, der allein stehen
geblieben ist, während ringsherum alles der Erosion zum Opfer gefallen ist. Von
hier aus sieht der Idafe mit seinen hundert Metern Höhe ziemlich gewaltig aus.
Vor zwei Tagen vom Pico Bejenado hatte ich ihn noch mit dem Fernglas suchen
müssen! Es kommt halt auf die Perspektive an.
Unser Weg schlängelt sich jetzt immer weiter hinab zu einem weiteren
Wasserlauf, der sich bald darauf mit dem vorhin überquerten vereinigt und in
den Barranco de las Angustias einmündet. Die Steilwände treten jetzt dichter an
den Bach heran, sodaß für einen durchgehenden Weg kein Platz mehr da ist.
Das bedeutet, daß wir uns einmal hundert Meter auf der einen Seite und dann
wieder hundert Meter auf der anderen Seite bewegen. Beim Springen von Stein
zu Stein haben inzwischen alle ausreichende Routine entwickelt. Der Bach
mutiert immer mehr zu einem stark algenbelasteten Rinnsal, denn ein Teil des
Wassers wird bereits hier oben zur Bewässerung der Plantagen im Aridane-Tal
abgeleitet. Hier tief unten im Barranco de las Angustias tritt das Grundgestein
zutage, das damals bei der Entstehung der Insel vom Meeresboden her
hochgedrückt wurde. Man findet deshalb dort massive Felswände vor, im
Gegensatz zu den oft geröllartigen Lavaschichten im oberen Bereich der
Caldera.
An mehreren Stellen verengt sich die Schlucht stark, einmal ist der Uferbereich
durch große Felsbrocken verlegt, sodaß man nur noch hoch darüberhinweg
klettern oder durch ein Loch schlüpfen kann. Für richtig dicke Leute wäre hier
wohl Feierabend gewesen. Weiter unten können wir noch eine kleine
Naturbrücke bewundern, unter der der Bach hindurchsprudelt. Wenig später
erweitert sich die Schlucht wieder und wir kommen zu der Stelle, wo wir heute
morgen mit den Fahrzeugen den Bach überquert haben. Jetzt warten die Fahrer
hier, um uns zum Panorama-Restaurant Balcon Taburiente zu bringen, das hoch
oben an der südlichen Abbruchkante liegt.
Heute gibt es nach Suppe und Salat ein halbes Hähnchen mit Mojo und
Kartoffeln. Trotz der siebenstündigen Wanderung bekomme ich von dem zähen
Vogel nicht viel herunter. Bei der Frage, ob wir von hier aus mit den Wagen in
die Innenstadt von Los Llanos gebracht werden, gibt es etwas Durcheinander
und Mißverständnisse. Da ich jetzt dringend eine Dusche brauche, ziehe ich mit
einer kleinen Gruppe zu Fuß los. Es ist inzwischen dunkel geworden und die
wenigen Straßenlaternen leuchten den Weg nur sehr dürftig aus. Aber gut 20
Minuten später erreichen wir sicher unsere Unterkunft. Nach dem Duschen
setze ich mich noch mit drei anderen auf die Terrasse, um gemeinsam die
neuesten Nachrichten von der Deutschen Welle zu hören und den lauen
Sommerabend bei einer Flasche Frontera Ros‚ von El Hierro ausklingen zu
lassen.
Sonntag, 24.11.96: Mit dem Bus durch den wilden Norden
Petroglyphen bei Garafia - Barlovento - San Andrés y Sauces
(Optionale Tagesfahrt für rund DM 50,-)
Um 1.30 Uhr ist für mich die Nacht zuende! Mir ist übel und ziemlich bald setzt
sich die Erkenntnis durch, daß es wohl das beste ist, den Mist so schnell wie
möglich loszuwerden. Schließlich will ich die Fahrt durch den Norden der Insel
unbedingt mitmachen, und für den Montag ist die Wanderung über die
Vulkanroute angesetzt - so ist es jedenfalls zu diesem Zeitpunkt noch geplant.
Zur Frühstückszeit geht es mir noch nicht viel besser, ich muß mich auf etwas
Kamillentee und trockenes Brot beschränken. Übrigens hat es die halbe Gruppe
getroffen, und wie wir später hören, haben die Bazillen auch noch andere Leute
im Ort lahmgelegt. Ob es am Trinkwasser gelegen hat? Die Ursachenforschung
beschäftigt uns noch mehrere Tage, aber ohne Ergebnis: In unserer Gruppe z.B.
konnten wir keinen Teil des Abendessens ausmachen, von dem alle gegessen
hatten.
Rund ein Drittel der Gruppe fühlt sich so schlecht, daß sie auf die Fahrt
verzichten. Ich habe mich nach der "Nimm' zwei"-Methode gewappnet: 2
Immodium und 2 Dragees gegen Übelkeit. Damit hoffe ich, nicht aus der Rolle
zu fallen und einen Grund für unplanmäßige Stops zu liefern. Nach fast zwei
Stunden Fahrt halten wir an einem Lokal oberhalb von Garafia. Wir sind hier
um die 1000 Meter hoch und es weht ein kalter Wind von Norden her. Gern
würde ich mich mit den anderen ins Haus begeben, um meinen Magen vielleicht
mit einem weiteren Kamillentee zu besänftigen, aber am Eingang schlägt mich
ein intensiver Koblauchdunst in die Flucht. In meinem Zustand kann ich den
absolut nicht vertragen! Also warte ich geduldig im Windschatten des Busses
und lasse mir die Sonne auf den Pelz scheinen.
Es geht jedoch bald weiter und nach nicht allzu langer Fahrt - ich bin dabei
eingenickt - kommen wir bei Fuente de la Zarza an. Hier sind in einem kleinen
Barranco an verschiedenen Stellen Felszeichnungen der Urbevölkerung zu
sehen. Meistens handelt es sich um einfache Ringe oder Spiralen, aber an einer
Stelle sehen wir auch Abbildungen, die Lebewesen darstellen könnten. Leider
sind schon etliche Petroglyphen beschädigt oder gar gestohlen worden. Die
harmloseste Art der Einflußnahme ist das Nachmalen mit bunter Kreide, aber es
hat auch schon Leute gegeben, die die Zeichnungen mit harten Steinen
nachgeritzt haben, um sie besser fotografieren zu können. Es ist geplant, hier ein
Museum einzurichten und das Tal abzusperren, so daß man den Bereich nur
noch gegen Zahlung von Eintritt betreten kann. Aber noch ist es nicht so weit.
Als wir wieder im Bus sitzen, bin ich mir ziemlich sicher, daß ich heute "dicht
halten" werde, allerdings bin ich wegen der verkürzten Nachruhe und der
Medikamente hundemüde und kaputt. Für die Weiterfahrt nach San Andrés
nehmen wir jetzt die alte Pista Forestal, die für die Abfuhr von Nutzholz
angelegt wurde und weit oberhalb der neuen Asphaltstraße verläuft.
Zwischendurch verlassen wir mal den Bus, um während eines halbstündigen
Fußmarsches auf der Piste einen besseren Eindruck von Landschaft und
Vegetation zu bekommen. Lange Bartflechten hängen von den Bäumen herab.
Hier kommen auch wieder Baumheide und Lorbeerbäume vor. Interessant ist
übrigens, daß Lorbeer- und Avocadobäume verwandte Arten sind.
Schließlich geht es an Barlovento vorbei nach Puerto Espindola hinunter.
Inmitten eines ausgedehnten Bananenanbaugebietes liegt dieser kleine
Naturhafen. Zum Baden sind einige Becken angelegt worden, die bei hoher
Brandung vom Meer gefüllt werden. Eigentlich war hier die Mittagspause
geplant, leider jedoch sind beide Restaurants zur Zeit geschlossen. Manche
Palmeros fahren anscheinend im November selbst in den Urlaub, um für die
Wintersaison Kräfte zu tanken. Es bleibt uns deshalb nichts anderes übrig, als
bald nach San Andrés weiterzufahren, wo diejenigen, die noch über Appetit
verfügen, etwas zu sich nehmen können. Ich selbst wünsche mir eher eine
Hängematte! Der Ort San Andrés ist recht hübsch über der Steilküste gelegen,
aber außer der kleinen Kirche und einigen alten Häusern sind mir keine
besonderen Sehenswürdigkeiten aufgefallen.
Thomas trommelt zum Aufbruch. Durch den ungeplanten Aufenthalt haben wir
leider ziemlich viel Zeit verloren. Als nächstes steht eine kleine Wanderung
durch einen engen Barranco auf dem Programm, über dem hoch oben
Lorbeerbäume wachsen. Ich habe den Namen vergessen, es könnte aber der
Barranco del Agua gewesen sein. Da die Sonne jetzt um 16 Uhr schon ziemlich
tief steht, herrscht in der Schlucht eine schummeriges Licht. Erstaunlicherweise
gelingen mir unter diesen Umständen mit 27 DIN noch einige Fotos: Blende 2.8
und 1/15 Sekunde! Ich bin wohl so schachmatt, daß ich nicht einmal mehr die
Kamera verwackeln kann. Über Stock und Stein geht es rund 20 Minuten in die
Schlucht hinein. Zahlreiche abgestürzte Baumstämme aus dem Urwald hoch
über uns liegen kreuz und quer im Wege herum. Der eigentlich hier
hingehörende Bach wurde von den Palmeros für Bewässungszwecke
kanalisiert, so daß der Grund der Schlucht einigermaßen trocken ist. Als dann
an einer Stelle leichtes Klettern angesagt ist, passe ich lieber. Die meisten
kehren hier um.
Nachdem wieder alle den Bus bestiegen haben, geht die Fahrt über die
kurvenreiche Straße Richtung Santa Cruz. Unterwegs bietet sich bei recht klarer
Sicht im Abendlicht ein schöner Blick auf die Teneriffa. Selbst nach Einbruch
der Dämmerung ist die Insel von der Wasserlinie bis zur Spitze des Teide noch
gut zu erkennen. Bevor wir wieder über die Cumbre nach Los Llanos
zurückfahren, haben wir noch Gelegenheit, die prachtvolle Wallfahrtskirche
Virgen de las Nieves oberhalb von Santa Cruz zu besichtigen. Für den heutigen
Abend ist im Tinguaro Paella bestellt worden. Angesichts der Magenprobleme
verzichten einige auf das Essen. Auch ich ziehe jetzt die Bettruhe vor.
Montag, 25.11.96: Wetterbedingter Ruhetag
Am anderen Morgen ist die Liste der Kranken noch länger geworden. Einige,
die abends noch mutig Paella gegessen haben, sind nicht zum Frühstück
erschienen. Heute ist eigentlich die Ruta de los Volcanes dran, aber Thomas
zeigt auf mächtige Wolkenberge an der Cumbre und meint, es sei jetzt dort
oben in fast 2000 Meter Höhe lebensgefährlich. Man müsse mit Sturm, Regen,
Schnee und Graupel rechnen, das alles bei Sichtweite Null. So bleibt uns nichts
anderes übrig, als die Tour auf morgen, d.h. den allerletzten Tag zu verschieben.
Für heute lautet die Devise: den Tag langsam angehen lassen, die Beschwerden
auszukurieren und Souvenirs einkaufen. In Los Llanos ist von dem schaurigen
Wetter auf der Cumbre fast nichts zu merken. Nur hin und wieder ziehen ein
paar Wolken durch.
Dienstag, 26.11.96: Schöner als Fliegen
Vulkane satt auf 2000 Meter Höhe, Wanderung über die Ruta de los
Volcanes
Nur 10 von 22 Teilnehmern fühlen sich noch stark genug, diese Wanderung zu
absolvieren. Der Rest ist entweder krank oder hat Gefallen am Müßiggang
gefunden. Bevor wir den Bus besteigen, geht wieder der prüfende Blick hinauf
zur Cumbre. Mein Eindruck ist, daß es nicht viel besser aussieht als gestern.
Aber Thomas meint, er "neige dazu, die Tour zu machen". Während der Fahrt
hinauf Richtung Tunnel berichtet er von seinen Erfahrungen mit dem Wetter. Er
hofft, daß bald eine Besserung eintreten könnte, aber er hat auch ein warnendes
Gegenbeispiel parat: Da ist er nämlich bei ähnlicher Lage wie heute
hinaufgefahren, in der Annahme, es würde besser werden. Es wurde jedoch
schlimmer: "Schneidender Wind, Graupel horizontal in der Luft und Sichtweite
bis zur Kniescheibe!" Dann kam er auch noch vom Weg ab. Glücklicherweise
lichtete sich der Nebel für einen kurzen Moment und er konnte den Weg wenige
Meter unterhalb am Hang erkennen. Das war also gerade noch einmal gut
gegangen.
Wir hoffen, daß uns solche Erlebnisse erspart bleiben. Außerdem wollen wir ja
auch etwas von der Landschaft sehen und nicht sieben Stunden durch den
Nebel laufen. Kurz vor dem Tunnel biegt der Bus nach rechts ab und bringt uns
auf einer Stichstraße noch einige Kilometer weiter nach oben. Jetzt bietet sich
die letzte Gelegenheit, dem "Verderben zu entgehen". Alternativ zur Vulkanroute
auf dem Kamm könnten wir nämlich auch über einen bequemen Weg am
Westhang der Berge nach Fuencaliente wandern, aber dieser Vorschlag wird
einstimmig abgelehnt!
Wir folgen zunächst dem leicht ansteigenden breiten Fahrweg durch den lichten
Kiefernwald. Nach einiger Zeit zweigt ein Fußweg rechts ab. Jetzt folgt der
anstrengendste Teil der Wanderung, ein recht steiler Aufstieg über rund 500
Höhenmeter hinauf zur Cumbre. Gelegentlich eröffnen uns Wolkenlücken
Ausblicke auf das Aridane-Tal und die Westküste. Den ersten Gipfel, den 1808
Meter hohen Pico Birigoyo erleben wir im Nebel. Erst als der Weg zum Krater
des Vulkans Nambroque weiter auf 1949 Meter ansteigt, kommen mehr und
mehr sonnige Abschnitte.
Während wir an einer geschützten Stelle unter Kiefern rasten, überholen uns
mehrere andere Wandergruppen. Einige Wanderer sind auch in der
entgegengesetzten Richtung unterwegs, oder sind sie bereits umgekehrt? Ihnen
folgt mit gewissen Abstand ein hellbrauner schlanker Hund. Ich habe zunächst
den Eindruck, daß das Tier zu den Wanderern gehört, bis Thomas uns erzählt,
daß dies ein wilder Hund ist. Es soll hier eine ganze Menge von ihnen geben, die
schon seit Jahrhunderten hier leben. Das Tier läßt sich mit Wurst- und
Käsestückchen anlocken, bleibt aber mißtrauisch und fluchtbereit.
Nachdem wir mehrere Kraterränder erklommen und meistens leider nicht allzu
viel von der Umgebung erkennen konnten, führt der Weg allmählich abwärts.
Den Schlußpunkt setzt der Volc n Mart¡n mit 1602 Metern Höhe. Danach
tauchen wir wieder ein in die Vegetationszone, die hauptsächlich aus
Kiefernwald besteht. Auf dem kargen aus Vulkanasche bestehenden Boden
wächst kaum etwas anderes. Ein extremes Beispiel für die Genügsamkeit der
Kiefern sehen wir wenig später: Dort hat es ein Baum geschafft, sich auf einem
gut zwei Meter hohen Lavabrocken zu verankern und inzwischen eine
beachtliche Größe erreicht.
Erst kürzlich hat man hier übrigens an einer Stelle eine breite Schneise in den
Wald geschlagen, um im Falle eines Waldbrandes das Überspringen von der
West- auf die Ostseite der Insel oder umgekehrt zu verhindern. Sogar die
normalerweise kreisrund um jeden Stamm herumliegenden Nadelteppiche
haben die Forstarbeiter entfernt. Hoffen wir, daß diese Maßnahme etwas nützt.
Am Spätnachmittag erreichen wir schließlich Fuencaliente und verschaffen der
Gastronomie noch etwas Umsatz. Danach geht es im Bus zurück nach Los
Llanos. Um 20 Uhr trifft sich die Gruppe ein letztes Mal zum Essen im
Restaurant Tinguaro. Zu vorgerückter Stunde werden einige Flaschen
spanischen Sekts serviert. Michael aus Osnabrück dankt Thomas im Namen
der Gruppe für die großartigen 14 Tage und überreicht ihm eine aus 1000
Peseten- Banknoten gebastelte "Planta Penunsia". Für mich ist nun die Stunde
des Abschieds gekommen, denn die Maschine nach Hannover soll am nächsten
Morgen bereits um 8.30 Uhr starten. Das bedeutet, daß ich um halb sechs
aufstehen muß, um die letzten Sachen einzupacken und mich reisefertig zu
machen.
Mittwoch, 27.11.96: Abreise
Zurück ins verschneite Deutschland
Pünktlich um 6.30 Uhr steht das Taxi vor der Tür und nachdem das Gepäck
verladen ist, geht es ein letztes Mal über die Cumbre hinüber auf die Ostseite
der Insel. Kurz nach Sonnenaufgang kommen wir am Flughafen an. Das
Einchecken geht schnell und reibungslos vonstatten. Mir fällt dabei auf, daß die
Gepäckwaage nur Lotto-Zahlen von sich gibt, was jedoch das Personal nicht zu
interessieren scheint. Es wäre jetzt ein leichtes, einiges Übergewicht gratis in die
Heimat geflogen zu bekommen. Gegen acht Uhr schwebt unsere Boeing 757
von Teneriffa her kommend ein und wenig später wird auch schon der Flug
aufgerufen. Die deutschen Tageszeitungen im Flugzeug stammen vom Montag,
im Übrigen kann ich mich aber über den Service bei der LTE nicht beklagen.
Die Flugzeit beträgt diesmal 4 Stunden und 20 Minuten, was unter
Berücksichtigung der Zeitdifferenz von einer Stunde eine Ankunftzeit von 14
Uhr bedeutet. Als die Maschine im Landeanflug auf Hannover die niedrige
Wolkendecke durchbricht, fangen einige Passagiere an zu lachen, denn in
Norddeutschland ist der Winter eingekehrt und ringsherum ist alles zugeschneit.
Ich finde das überhaupt nicht lustig. Der Spaß wird den Leuten vermutlich
vergehen, wenn sie hinaus in die Kälte müssen! Noch etwa drei Stunden, dann
bin ich zu Hause und der Alltag hat mich wieder.
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