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Wüstensonne in MexikoReisebericht
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Zwei Traveler aus Leidenschaft haben dem Berufsleben in Deutschland den Rücken gekehrt, um für 3 1/2 Jahre das Abenteuer zu suchen. In einem alten Campingbus reisen sie durch Nordamerika und passieren dabei mehr als 45 Breitengrade zwischen Eismeer und Wendekreis des Krebses. Sie verbringen zwei Winter unter der Wüstensonne Mexikos und einen in einem kanadischen Blockhaus in frostiger Kälte und unter den faszinierenden Nordlichtern.
Die Clowns dieses botanischen Kuriositätenkabinetts sind jedoch zweifellos die Cirios. Dabei handelt es sich um Sukkulenten, die lediglich aus einem massigen, sich nach oben hin verjüngenden Stamm mit winzigen Blättchen dran bestehen. Auf den ersten Blick wirken sie wie überdimensionale Karotten, die jemand verkehrt herum in die Erde gerammt hat, mit dem dicken Ende nach unten. In ihrer eigenwilligen Wuchsform übertreffen sie allerdings die krummste Mohrrübe. Während bei jüngeren Exemplaren die allgemeine Wachstumsrichtung noch senkrecht nach oben geht, ändern ältere Cirios dieses Prinzip scheinbar nach Belieben ab. Sie präsentieren sich dann in den skurrilsten Verrenkungen. Wir entdecken Korkenzieher-Imitatoren unter ihnen, galgenförmige Exemplare (sogar mit Schlinge) und einer spielt römischer Triumphbogen. Die Bilderbuchwüstenlandschaft übt eine starke Faszination auf uns aus, sowohl am Tage als auch in der Nacht. Gerade wenn es dunkel ist, wirken die unglaubliche Stille und der klare Sternenhimmel wie Balsam. Daran ändert auch das gelegentliche Heulen der Kojoten nichts - ganz im Gegenteil! Die Morgen- und Abendsonne bieten die schönsten Lichtverhältnisse für ausgedehnte Fotospaziergänge. Auf einer dieser Morgenexkursionen ereilt mich das offenbar unvermeidliche Schicksal eines Wüstenwanderers. Als ich mal wieder etwas zu sehr mit Bildausschnitt und Lichteinfall be-schäftigt bin, springt mir doch tatsächlich einer dieser langstacheligen Kaktusableger, die in Massen so offen auf dem Boden herumlungern, daß es fast schon wieder hinterhältig ist, mitten auf den Fuß. Es ist jedoch müßig, mit dem Schicksal zu hadern, denn eigentlich bin ich ja selbst schuld. Schließlich steht in keinem Wüstenratgeber etwas davon, daß es zweckmäßig sei, barfuß in Sandalen durch eine Kakteenwüste zu latschen! Aber ich habe Dusel, nur einer der circa 4 cm langen Stacheln hat sich in meinem Fuß verhakt. Der Rest der stacheligen Kugel steht sozusagen freischwebend auf diesem einen Bein. Nachdem Uschi mir vom Wagen Arbeitshandschuhe und Schere geholt hat - die Wartezeit habe ich in einer vogelscheuchenähnlichen Starre zugebracht - gelingt es mir, die Kaktuskugel bis auf ihr "Standbein" ohne weitere Verletzung zu entfernen. Ich ziehe zaghaft, aber zum Äußersten entschlossen an dem in meinem Fuß verbliebenen Stachel. Er bewegt sich nach oben, und mit ihm die ihn umgebenden Hautpartien. Es bildet sich so etwas wie ein Vulkankegel, aber irgendwann macht es "plöpp", der Fuß schnellt in seine normale Form zurück, und der Übeltäter ist draußen.
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