Wüstensonne in Mexiko

      Reisebericht

Teil 2
 

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Nach drei Tagen im botanischen Märchenland entlang der Sierra La Asamblea zieht es uns wieder ans Meer. Eine asphaltierte, aber von zahllosen Schlaglöchern aufgelockerte Stichstraße führt uns erneut zum Golf von Kalifornien. Diesmal ist die "Bucht der Engel" unser Ziel, die Bahía de los Angeles. Nachdem wir das Küstengebirge durchquert haben, liegt sie in ihrer berauschenden Schönheit zu unseren Füßen. Nach den trockenen Wüstentagen wirkt das azurblaue Wasser des Golfs schon beim ersten Anblick aus der Ferne erfrischend. Vier Inseln, die in der Bucht liegen, sind der primäre Blickfang fürs Auge. Weit dahinter ist ebenfalls Land zu sehen. Es handelt sich um die 80 km lange Isla Angel de la Guarda, die der Bahía vorgelagert ist und sie vom offenen Wasser des Golfs abschirmt. Ihr ist es zu verdanken, daß wir eine vollkommen ruhige See vorfinden. Von daher ist der Name "Schutzengelinsel" durchaus treffend gewählt.

Die Straße führt uns zunächst in den kleinen Ort Bahía de los Angeles, der nur aus ein paar einfachen Häusern besteht. Wir halten uns nicht lange dort auf, denn die wichtigs-ten Dinge, die wir hier nachkaufen wollten, bekommen wir nämlich gar nicht. Propan ist alle, vielleicht (!) in einer Woche wieder. Eine "städtische" Filteranlage für Trinkwasser ist zwar vorhanden, übers Wochenende aber leider geschlossen. Jetzt müssen wir mit unseren Restbeständen gut haushalten! Auch das "Postamt" in Gestalt eines Schuhkartons unter der Theke des kleinen Lebensmittelladens schafft es nicht, unser Vertrauen zu gewinnen. Daher begnügen wir uns mit einem Minimaleinkauf. Danach machen wir uns auf die Suche nach einem schönen Platz für unser Camp.

Wir verlassen den Ort mit Fahrtrichtung Punta La Gringa am Nordende der Bucht. Ein nicht leicht zu durchschauendes System von Sandpisten führt uns nach einem (diesmal wirklich!) atemberaubenden "Scenic Drive" durch die weitverstreute Müllkippe im Hinterland von Bahía de los Angeles zurück zur Küste. Hier gibt es keine Häuser oder Hütten, nur noch Strand und Meer. In gewissen Abständen öffnen sich rechts der Piste immer mal wieder Lücken in der Vegetation, die sich als Standplätze für kleinere WoMos oder Zelte anbieten. Die ersten dieser privaten Nischen sind schon besetzt. So rollen wir zunächst an einem kanadischen Allein-Camper aus Ontario vorbei, dann, einige hundert Meter weiter, an einem alten Van mit einem jungen Paar aus England. Wir finden einen halben Kilometer weiter eine Nische, die unseren Vorstellungen ent-spricht und noch frei ist. Der Sand scheint als Untergrund für die Orange fest genug zu sein und der Platz reicht aus für Tisch, Stühle und Lagerfeuer. Ein schmaler Sand-strand trennt uns vom Meer, das sich bei Ebbe anscheinend sehr weit zurückzieht und dann nur über einen Geröllgürtel zu erreichen ist. Um uns herum finden wir die inzwi-schen bekannte Wüstenvegetation mit einigen stattlichen Cardónes und im Hintergrund grüßt die Bergkette der Sierra La Asamblea. - That"s it! Hier bleiben wir.

Wir haben keinen festen Zeitplan und wissen daher noch nicht, wie lange wir bleiben wollen. Aber schon am ersten Abend sind wir uns einig, daß es kein Kurzbesuch werden wird. Dafür gefällt uns unser neues Zuhause einfach zu gut. Wir legen aus Steinen einen großen Feuerring an, sammeln einen Berg "Feuerholz", das zumeist aus abgestorbenen Kakteen, Ocotillos und Elephant Trees besteht, beobachten einen farbenprächtigen Sonnenuntergang und lassen uns in eine urgemütliche, warme Januarnacht treiben, mit knisterndem Lagerfeuer, Würstchen vom Grillrost und unter einem strahlenden Sternenhimmel mit einem fast vollen Mond.

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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