Guatemala

      Lateinamerika für eine Handvoll Dollar

Reisebericht

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GuatemalaAls Traumtänzer wurde Meiko Haselhorst bezeichnet als er von seinen Plänen berichtete, mit einem "Taschengeld" von 150 Dollar durch Lateinamerika zu reisen. Doch es waren nicht nur traumhafte Erlebnisse, die ihn in den folgenden 7 Monaten erwarteten.

 

Heute morgen bin ich etwas übermüdet aber glücklich in Antigua angekommen.

Zunächst fuhr der "Bus" aber nur bis nach Guatemala-City. Dort ließ man mich um vier Uhr morgens vor einem großen Hotel stehen. Ich ließ mir den Weg zur nächsten Busstation erklären. Die Meinungen darüber gingen auseinander.

Einig waren sich aber alle darin, dass ich vor Tagesanbruch lieber nicht dort hingehen sollte. In der Tat hatte ich auch schon vorher gehört, dass "Guate", wie die Leute hier sagen, einer der gefährlichsten Orte Lateinamerikas sein sollte. "Schlaf lieber noch ein wenig im Hotel dort drüben", empfahl mir der Fahrer. Dann fuhr er davon. Toller Trick.

Da stand ich nun mutterseelenallein am Morgen des Heiligen Abends in einer einsamen Straße in der gefährlichsten Stadt des Landes. Ich schaute durch die Glastür des Hotels. Der Besitzer hatte wahrscheinlich alles mitbekommen, rieb sich schon die Hände. Bestimmt machte er mit dem Busfahrer gemeinsame Sache. Die Suppe wollte ich den beiden gründlich versalzen. Außerdem würde mich in einem gläubigen lateinamerikanischen Land keiner am 24. Dezember überfallen.

So oder ähnlich müssen meine schwachsinnigen Gedankengänge gewesen sein, als ich mich auf gut Glück auf die Suche nach dem Bahnhof gemacht habe.

Nach etwa zwei Minuten bekam ich Gesellschaft von zwei seltsamen Typen, die aus einer kleinen, dunklen Seitenstraße auf mich zuhielten. Besonders seriös sahen mir die beiden nicht aus. Ich sah nur ihre Silhouetten, und die verrieten eine struppige Frisur und zerlumpte Klamotten. Ich ballte die etwas feuchten Fäuste in meinen Jackentaschen und hoffte darauf, dass die beiden doch schnell vorbeigehen mögen.

"Hallo, alleine unterwegs?" waren die nächsten Worte, die in die stille Nacht hallten. "Da hast du aber Glück, dass du uns triffst." Da war ich mir nicht so sicher. Schnell spielte ich meine Möglichkeiten durch. Ich fand nicht eine. Mit meinem Rucksack wäre ich bei einem Fluchtversuch wohl nicht der flinkste gewesen. Wahrscheinlich wäre ich sowieso nur dem nächsten finsteren Typen in die Arme gerannt. Was konnte ich sonst noch tun? Vielleicht hätte ich die Arme ausbreiten sollen um ihnen zu erklären ich sei Jesus Christus und sie sollten sich nicht fürchten. Mit meinem Dreitagebart und den langen Haaren wäre ich vielleicht für den Messias durchgegangen. Und jetzt zu Weihnachten ...

In Ermangelung besserer Ideen ging ich auf ihr Angebot ein, mich von ihnen zur Bushaltestelle geleiten zu lassen.

Als wir in eine dunkle Straße einbogen, erzählten sie mir ganz nebenbei, sie seien gerade aus dem Knast entlassen worden und jetzt obdachlos. Na toll. Fast hätte ich ihnen freiwillig meinen Rucksack zu Füßen gelegt und wäre weggelaufen.

Gott sei Dank tat ich das nicht. Zehn Minuten später waren wir nämlich am Ziel. Natürlich wollten die beiden eine kleine finanzielle Aufwandentschädigung. Die gab ich ihnen gerne. "Jeder andere hätte dich ausgeraubt", unterstrichen die beiden noch mal ihre gute Tat. War wirklich eine nicht ganz unheikle Situation.

Mit einem anderen Vehikel bin ich dann nach Antigua geklettert. Die Stadt liegt wirklich sehr hoch. Dementsprechend kalt ist es hier auch. Heute morgen konnte ich sogar meinen eigenen Atem sehen. Wer weiß, ob es in Deutschland überhaupt so kalt ist.

Die Stadt ist jedenfalls sehr hübsch. So spontan könnte ich mir schon vorstellen, etwas länger hier zu bleiben. Man könnte die Stadt als Salamanca oder als die Toskana Guatemalas bezeichnen. Viel Kultur inmitten von Wald, Plantagen und Vulkanen. Und ziemlich viele Touristen. Aber ein ganz anderes Klientel als beispielsweise in Playa del Carmen. Rucksacktourismus halt.

Ich muss gestehen: Heute morgen bin ich in einem "Burger-King" gewesen. Ich glaube, es ist eine der wenigen Filialen weltweit, die von sich behaupten kann, 80 Prozent langhaarige Kunden zu beherbergen. Wirklich der reinste Alternativentreff.

Ich wohne in einer superbilligen Pension in der Nähe vom Zentrum. 30 Quetzales (etwa vier Dollar) die Nacht. Viel besser geht`s - glaub ich - nicht. Das Zimmer ist denkbar winzig und einfach eingerichtet. Ein Bett, ein Stuhl und ein Tisch auf drei mal vier Metern. Oder eher weniger. Für meine Zwecke reicht es voll und ganz. Mein Hab und Gut hat auf dem Tisch genug Platz. Hat echt seine Vorteile, wenn man nur so wenig hat.

Die ganze Pension hat zwei Duschen und zwei Toiletten. Für etwa 60 Gäste. Geht aber alles.

Waschen kann ich auf dem Dach. Das Dach ist übrigens eine ziemlich coole Sache. Außer Waschbecken und Wäscheleinen gibt es dort nämlich auch noch Tische und Stühle. Man kann sich gemütlich zusammensetzen und den tollen Blick auf die Stadt und die umliegenden Berge genießen. Die meisten sind übrigens erloschene Vulkane, d.h. so ganz erloschen sind sie noch nicht: Aus einem haben Freddy und ich eben eine riesige Aschefontäne aufsteigen sehen. Leider hatte ich meine "Quick-Snap" nicht so schnell zur Hand. Und extra holen wollte ich sie nicht. Ich hab lieber den Moment genossen. War schon recht imposant. Vielleicht mache ich nächstes Mal ein Foto. Das mit dem Aschespucken ist keine Seltenheit, hab ich mir sagen lassen.

Wie lange ich hier bleiben werde, weiß ich noch nicht. Hängt davon ab, ob ich einen Job finde oder nicht. Über die Weinachtstage werde ich mich nicht darum kümmern. So nötig hab` ich`s (noch) nicht.

Ich habe bereits einige nette Leute kennengelernt. Claudia und Eileen sind zwei nette deutsche Mädels. Auch mit Rucksack unterwegs. Freddy ist aber eindeutig die interessantere Persönlichkeit. Er ist Österreicher und 47 Jahre alt. In seinem "vorigen Leben" - wie er sich ausdrückt - hat er ganz gut verdient. Jetzt hat er darauf keinen Bock mehr und reist nur noch in der Weltgeschichte herum. Ein "danach" gibt es für ihn im Moment noch nicht.

Ich denke, mit den Dreien lässt sich der Heiligabend ganz gemütlich angehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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