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24 Tage am Beginn der PanamericanaEin Reise durch Alaska und Kanada
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Das Paradies für Aussteiger 62 km auf der Panamericana, die auch hier in Kanada den Namen Alaska Highway trägt, haben wir am nächsten Morgen vor uns. Wir checken aus unserem Motel aus und nehmen das Frühstück wieder einmal auf der Fahrt ein. Das Menü kennt Ihr ja schon. Pappsandwich mit Nutella, Philadelphia und Bananen. Trotzdem schmeckt es lecker, weil es zu so unserem Urlaub dazugehört, und weil es uns an Tagen, an denen wir keine Lust auf ein ausgiebiges Frühstück haben, die Zeit gibt voranzukommen. So ist unser einziger Stop am Alaska Highway Lake Swan. Ein kleiner Waldweg führt vom Highway ab und leitet uns ins Unterholz. Einige Minuten läßt er uns zweifeln, ob wir wirklich dem richtigen Schild gefolgt sind. Vereinzelt tauchen bewohnte Blockhäuser auf. Ein Campingplatz, wenn auch geschlossen, verstärkt unseren Eindruck, daß wir auf dem richtigen Weg sind und schließlich endet der Weg auch an einer Aussichtsplattform. Vor uns erstreckt sich der weitläufige See umgeben von Brachland und einer weit an den Horizont verdrängten Gebirgskette. Infotafeln erklären uns hunderte von Vogelarten, die wir aber leider alle nicht ausmachen können. Die Texte weisen uns darauf hin, daß die Brutsaison, in der sich die Vögel hier sammeln, im April endet. Wieder mal beweist sich, daß Alaska und der Norden Kanadas extrem von den Jahreszeiten geprägt sind und man wohl mehrere Reisen braucht, um alle Naturwunder kennenzulernen. Zurück auf dem Highway genießen wir noch die wenigen Kilometer Asphalt, bevor wir nahe Jakes Corner, einem Rasthaus, das Dank der dünnen Besiedlung des Landes seinen Weg in Karten und Atlanten gefunden hat, auf die Atlin Road abbiegen. Über Atlin haben wir in vielen Quellen nur wenig finden können. Die Aussagen schwankten dabei zwischen paradiesischer Einsamkeit und der Frage, warum der Autor diesen Umweg auf sich genommen hat. In jedem Fall waren es aber nur wenige Zeilen über den kleinen Ort. In unseren Zeitplan paßt er und so nehmen wir die 97 km lange, nur grob präparierte Sackgasse nach Atlin. Das Wetter kann sich nicht so richtig entscheiden, ob es uns dabei zur Seite stehen soll. Bereits den ganzen Morgen sind wir durch ein trübes Grau gefahren. Jetzt wechseln sich Schnee- und Regenschauer, die die Straße aufweichen, mit sonnigen Partien ab, die Seen und Gletscher zu unserer Rechten in eine wundervolle Kulisse verwandeln. Hier und da halten wir an und lassen unsere Blicke über Wasser und Berge schweifen, entdecken Weißkopfadler und auch mal einen einsamen Angler. Schließlich kommen wir in Atlin an und starten eine überraschend kleine Stadtrundfahrt. Ein paar Häuser, ein geschlossenes Kino, eine Kirche, ein Tante-Emma-Laden, eine Tankstelle, ein Restaurant, ein Bistro und die Tarahne. Die Tarahne war lange Zeit eines der bedeutendsten Verkehrsmittel in einer Region, in der Seen, Flüsse und Kanäle sich über weite Strecken durch das Land ziehen (Atlin = tlingit für großes Wasser). Heute liegt das Schiff in gut restauriertem Zustand direkt am Ufer des Atlin Lake. Bei unserer Ortsdurchfahrt sehen wir verschiedene Unterbringungsmöglichkeiten, die wir gleich ansteuern. Die Preise verschlagen uns allerdings die Sprache, so daß wir uns an ein Schild am Ortseingang erinnern. Hier führt uns die Pillman Road den Berg hinauf zu Quilts & Comforts. Wie zu erwarten sind wir die einzigen Gäste (wahrscheinlich die Einzigen in der ganzen Stadt) und dürfen uns zwischen drei Zimmern entscheiden, die unterschiedlich mit den von der Hauseigentümerin selbstgemachten Quilts dekoriert sind. Quilts als Wandteppiche, Quilts als Bett- und Kissenbezüge. So entscheiden wir auch nach den Quilts und suchen uns zu einem Preis von CAD 75 (Atlin Inn und ein weiteres Haus direkt am See wollen jeweils dreistellige Beträge!) das blaueste Zimmer aus. Dazu lernen wir noch, daß wir in diesem bed & breakfast keine Hotelsteuer zahlen müssen, da diese erst ab vier Zimmern zu entrichten ist. Wieder etwas Sinnvolles gelernt. Wir stellen nur kurz unser Gepäck ab und schauen ins Badezimmer, bevor es wieder herunter geht vom Pillman Hill. Nach den Erlebnissen in der Katherine Gorge in Australien fällt es diesmal um so schwerer, Claudia von einer Kanutour zu überzeugen. Aber das wechselhafte Wetter lasse ich nicht gelten, die Seen schreien geradezu nach uns und bei Norseman Adventures finden wir auch das passende Kanu dazu. Schwieriger ist es, das Zubehör zu finden, denn das Inhaberpaar kann sich nicht so recht erinnern, wo man im letzten Herbst Paddel und Schwimmwesten verstaut hat - wir sind die ersten Besucher in diesem Jahr, die auf den See hinaus wollen! So dauert es etwas, bis in irgendeinem Verschlag das erforderliche Zubehör auftaucht. Während der Suche unterzeichnen wir einen Vertrag, daß wir für CAD 20 das Kanu den ganzen Tag nutzen dürfen und an jedem Unglück das passieren könnte ganz alleine Schuld sind. Letztendlich sitzen wir mit dicken Jacken und Schwimmwesten eingepackt wie Eskimos in unserem Alukanu und werden ins Wasser geschoben. Die Inseln in der Mitte des Atlin Lake sind unser Ziel. Der starke Wind unterstützt uns teilweise beim Paddeln, teilweise dreht er die Strömung des Sees gegen uns. Aber mehr und mehr vertreibt er auch die Wolken und läßt mit dem blauen Himmel das Bild perfekt werden. Irgendwie sind wir ins Paradies gepaddelt. Ein tiefblauer See, bewaldete Inseln mittendrin, verschneite Gletscher und ein hellblauer Himmel, der das Bild umrahmt. Auf einer der Inseln erblicken wir ein Wohnhaus und erfahren später, daß es einem Kalifornier gehört, der hier alljährlich seinen Sommer verbringt. Vor einigen Tagen sei er wieder eingezogen und habe Hab und Gut noch über den gefrorenen See tragen müssen. Inzwischen ist der See vollständig eisfrei. Ein Boot liegt am Steg vor dem prächtigen Haus und irgendwo hört man jemanden Holz schlagen. Anstatt den Bewohnern unbekannterweise einen Besuch abzustatten, entscheiden wir uns für die größte der drei dicht beieinander liegenden Inseln und gehen in einer steinigen Bucht an Land. Kaum daß der Wind nicht mehr an uns zerrt, merken wir die Wärme der Sonne, schälen uns aus Schwimmwesten und Jacken und beginnen als Robinsons die Insel zu erkunden. Boot, Jacken und Teile unseres Gepäcks lassen wir zurück. Außer ein paar Vögel gibt es wohl keine Mitbewohner auf der Insel. Der einzige Trampelpfad ist überwuchert und seit der letzten Saison nicht mehr genutzt worden. Wir folgen ihm so lange wie wir ihn noch ausmachen können und müssen schließlich querfeldein weiter bis wir an die Westküste der Insel gelangen. Hier setzen wir uns auf Felsen direkt über dem Wasser, drehen unser Gesicht in die Sonne und zücken unsere Bücher. Die Gletscher erfüllen unser gesamtes Blickfeld und scheinen zum greifen nah, obwohl das nächste Gletscherfeld in Wahrheit noch rund fünfzig Kilometer von uns entfernt ist. Absolute Ruhe ist mit uns. Der Wind bewegt vorsichtig die Baumwipfel, die Vögel schwimmen auf dem Wasser und tauchen gelegentlich unter, um nach einem kleinen Fisch zu schnappen - Idylle!
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