Nordlichter in Alaska

      Reisebericht

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Zwei Traveler aus Leidenschaft haben dem Berufsleben in Deutschland den Rücken gekehrt, um für 3 1/2 Jahre das Abenteuer zu suchen. In einem alten Campingbus reisen sie durch Nordamerika und passieren dabei mehr als 45 Breitengrade zwischen Eismeer und Wendekreis des Krebses. Sie verbringen zwei Winter unter der Wüstensonne Mexikos und einen in einem kanadischen Blockhaus in frostiger Kälte und unter den faszinierenden Nordlichtern.

Reisebericht AlaskaAlaska ruft. Deshalb machen wir uns bald auf in Richtung Norden. Über den Klondike Highway und Dawson City, wo wir uns einen zweiten Besuch in Diamond Tooth Gertie's Gambling Hall & Can Can Show nicht verkneifen können, reisen wir abermals in den 49. US-Bundesstaat ein. Der erste Abend erfährt eine unvorhergesehene Dramatik, als Nanuk während eines Spaziergangs plötzlich wild zu bellen anfängt. Er ist mal wieder vorausgelaufen, daher können wir nicht sehen, was die Ursache seiner Aufregung ist. Und da wir uns im Bärenland befinden, sind wir naturgemäß vorsichtig. Langsam nähere ich mich und sehe, daß unser Hundi ein mittelgroßes Erdloch anbellt. Erst jetzt dämmert es mir: Porcupine! Mit schnellen Sätzen eile ich die letzten Meter zum Schauplatz der Auseinandersetzung. Zu spät! Nanuk hat seine Schnauze tief in die Erdhöhle gesteckt, dann ein entsetzliches Jaulen. Das Stachelschwein hat Ernst gemacht. Etliche der ekligen Quills, wie die Stacheln hier heißen, zieren die Nase des verdutzten Angreifers. Aber so schnell gibt sich ein Wolf im Huskypelz nicht geschlagen. Im Gegenteil. Nanuk bellt nur noch wütender und attackiert jetzt von der anderen Seite, wo er einen zweiten Eingang entdeckt hat. Vergeblich versuche ich, ihn von dem Stachelschwein wegzulocken. Zack! Mit einem Aufschrei des Entsetzens und noch mehr Stacheln in der Nase springt Nanuk zurück. Jetzt hat der "Feind" ihn erst recht rasend gemacht. Hilflos muß ich mit ansehen, wie er sich auch noch eine dritte Ladung einfängt. Erst danach scheint sich die Vernunft durchzusetzen, vermutlich unterstützt durch den Schmerz. Der tapfere Krieger gibt auf.

Von einem Augenblick zum andern ist der ganze Stolz dahin, ein jammervolles Winseln entringt sich der arg lädierten Schnauze. Der Versuch, den lästigen Nasenschmuck mit der Pfote loszuwerden, scheitert an den tückischen Widerhaken, mit denen sich die Porcupine Quills fest im Fleisch verankert haben. Selbst wir haben Schwierigkeiten, die Dinger zu packen, da sie immer wieder durch die Finger rutschen. Außerdem gebärdet sich Nanuk wie wild. Wir sehen nur eine Möglichkeit: Zurück zum Wagen und zur Werkzeugkiste! Während einer den Hund mit aller Gewalt festhält, zieht der andere mit der Zange einen Stachel nach dem anderen heraus. Das ist jedoch leichter gesagt als getan, denn natürlich hält das gepeinigte Opfer während der Prozedur nicht still. Wir können die Qualen mitempfinden. Man braucht nur zu sehen, wie die Widerhaken die Haut bis zu einem halben Zentimeter mit sich ziehen, ehe die Wunde aufreißt und den Stachel freigibt. Die meisten der Quills bekommen wir auf diese Weise heraus, aber leider nicht alle. Da wir Nanuk nicht weiter quälen wollen, geben wir uns mit dem Teilerfolg zufrieden.

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