Trekking auf dem Inka Trail

      Reisebericht

 

 

   

Vergleichen wir mal wieder mit der Tour de France, so war der gestrige Tag mit seiner Bergankunft eindeutig die Königsetappe. Folgerichtig geht es nun langsam aber sicher mehr und mehr ins Flachland. Der anstrengendste Teil, in dem sich die Spreu vom Weizen (aber zum Glück nicht unser Team...) getrennt hat, ist vorbei. Ab heute soll es nur noch heißen: Genießen!

Nach wohltuenden 10 Stunden Schlaf stehen wir um 6 Uhr auf. Wider Erwarten haben wir keinerlei Anzeichen von Muskelkater oder anderen Nachwirkungen von gestern, was wohl an der relativ langen aber gleichmäßigen Anstrengung lag.

Den hätten wir auch wirklich alles andere als gebrauchen können, denn zunächst haben wir noch den zweithöchsten Pass des Trails zu erklimmen: Den Runkuraq´ay-Pass, 3900 m. Von den Runkuraq´ay-Ruinen sind das zwar nur knapp 200 Höhenmeter, aber dafür regnet es wieder in Strömen. Oben angekommen sind wir trotz Regenschutzes völlig durchnässt. Wir finden eine Felsspalte, in der wir trockene Sachen anziehen können. Es ist sehr windig und kalt hier oben, besonders wenn man bis auf die Haut nass ist. Da der Weg nach Machu Picchu ab jetzt aber fast nur noch bergab geht, beeilen wir uns, in tiefere, sprich wärmere Gefilde zu gelangen. Tatsächlich lässt der Regen nach etwa einer Stunde nach, und der Himmel wird immer heller, bis schließlich etwas später sogar die Sonne hervorkommen wird. Vorher jedoch passieren wir noch den Lago Yanaqocha auf 3680 m Höhe. Ein ruhiger kleiner See, der bei gutem Wetter durchaus zum Verweilen eingeladen hätte, zum Schwimmen angesichts des trüben dunklen Wassers allerdings weniger. Wir marschieren weiter, bis uns die Festung Sayaqmarca (unzugängliche Stadt) zu einer Rast bewegt. Über eine sehr schmale, steile Treppe gelangen wir in die Wehranlage, die zu Inka-Zeiten der Verteidigung der Versorgungslinie nach Machu Picchu diente. Meinen Rucksack lasse ich etwas leichtsinnig unten an der Treppe stehen. Vielleicht will ihn ja jemand stehlen und betätigt sich so freiwillig und kostengünstig als Träger...

Von der herrlichen Landschaft, die uns unsere Reiseführer versprechen, können wir aufgrund des undurchsichtigen Nebels allerdings immer noch nichts erkennen. Wir merken jedoch, wie es, je tiefer wir kommen, immer wärmer und die Vegetation immer üppiger wird. Inzwischen haben wir den dichten Bergurwald erreicht, und dann endlich verzieht sich auch der Nebel, und die Sonne verwöhnt uns mit ihren lange vermissten, wärmenden und vor allem trocknenden Strahlen. Der schönste Teil des ganzen Trails beginnt. Wir fühlen uns jetzt beinahe wie auf einem Sonntagsspaziergang - vor einer ziemlich extravaganten Kulisse versteht sich. Im Schatten des Bergurwalds haben wir nur leichte Höhenunterschiede zu überwinden, und eine von den Inkas erweiterte natürliche Felsspalte sorgt mit ihren 16 m Länge für eine besondere Abwechslung.

Nach einem fast unmerklichen dritten Pass erreichen wir schließlich Phuyupatamarca, die "Stadt über den Wolken" auf 3630 m Höhe. Im Augenblick würde sie jedoch treffender "Stadt IN den Wolken" heißen. Sie war eine Versorgungsstation der eben besuchten Festung Sayaqmarca. Hier sehen wir nun zum ersten Mal auf dem Trail den Terrassenbau der Inkas aus nächster Nähe und in Perfektion. Die Terrassen, auf denen die Nahrungsmittel angebaut wurden, fügen sich inkatypisch sehr harmonisch in die Landschaft ein. Auffällig ist außerdem noch eine Kette von Steinbädern, die ebenfalls terrassenförmig angelegt und miteinander verbunden sind.

 Reisebericht Inka Trail Peru Phuyupatamarca

Phuyupatamarca, die Stadt  über den Wolken

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