|
Qeros - Die letzten InkaReisebericht |
|
||||||||||||
|
Juan, einer der Schamanen und Führer des Volkes von Qeros kommt uns heute abholen. Wir haben einen Kleinbus gemietet. Zusammen mit ein paar einheimischen Freunden Juans aus Cuzco wollen wir am Abend aufbrechen. Treffpunkt ist 20 Uhr vor dem Hotel. Pünktlich, ganz untypisch für Peruaner, erscheinen unsere Reisegefährten vor dem Hotel. Als erstes steuern wir ein Kaufhaus an. Wir brauchen Proviant für eine Woche, denn in Qeros gibt es nichts zu kaufen. Und wir nehmen Geschenke für das Dorf mit. Reis, Zucker, Salz und Nudeln, lauter Grundnahrungsmittel, die es in Qeros nicht gibt. Und Süßigkeiten für die Kleinen. Wir verlassen Cuzco. Schon bald hat sich bei uns die erste Aufregung gelegt, das eintönige Geräusch des Motors tut sein übriges und wir dösen ein. Nach ca. einer Stunde Fahrt zweigen wir ab. In Serpentinen geht es bergauf. Die Straße ist schon längst nicht mehr geteert. Eine der berüchtigten Schotterpisten. Trotz des Holperns und Wackelns versuchen wir zu schlafen. Dunkelheit hüllt uns ein. Nur hie und da kommt uns ein LKW oder Sattelschlepper entgegen. Es ist schon nach Mitternacht als wir nach dem ständigen Bergauffahren auf einmal weit entfernt tief unten die Lichter einer Stadt sehen. Was ist das für eine Stadt? Cuzco, klärt uns der Fahrer auf. Ein unbeschreiblicher Anblick. Weit und breit nur die dunklen Schatten der Berge. Und winzig klein die Lichter von Cuzco. Es ist als wolle uns die Zivilisation einen letzten Gruß senden. Gegen vier Uhr früh erreichen wir dien höchsten Pass. Es ist ein heiliger Ort. Eine kleine Kapelle steht auch da. Doch für den Pacaruna Juan ist die Kirche unwichtig. Wichtig ist, dass wir, bevor wir die neue Region betreten, die Apus (das sind die Berggottheiten der Inkas) um Erlaubnis fragen und ein Opfer darbringen. Juan erklärt: Sucht einen Stein und legt ihn mit euren Bitten auf einen Platz, von dem ihr das Gefühl habt, dass es der richtige für euren Stein sei. Ich suche mir einen Stein. So ganz ehrfürchtig bin ich allerdings nicht. Es ist saukalt. Die Kälte dringt durch die Kleidung. Wahrscheinlich ist der Kreislauf auch nicht gerade auf Hochtouren. Ich erledige meine Pflicht. Etwas beschämt stelle ich dann fest, dass Juan niedergekniet ist und betet. In der beginnenden Dämmerung kann ich mehr ausmachen. Viele, zu kleinen Pyramiden aufgetürmte Steinhaufen sind zu sehen. Offensichtlich nehmen die Fernfahrer und Bewohner der Region die alten Überlieferungen noch ernst. Nachdem alle ihr Opfer dargebracht haben fahren wir wieder los. Ich freue mich, dass endlich mehr zu sehen ist. Kurve um Kurve fahren wir den Pass hinunter. Die Landschaft ist karg. Viel Geröll und dazwischen das braune für die Anden typische Ichu-Gras. Die Berge sind schroff. Die Straße musste wahrscheinlich an vielen Stellen in den Fels gesprengt werden. Trotz des beginnenden Tages übermannt mich erneut Müdigkeit.
|
|
||||||||||||
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|||||||
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Copyright © 2002 Verlag Michael Kirchner