Qeros - Die letzten Inka

      Reisebericht

 

   

 

Peru Inka Reisebericht Qeros EinweihungDie Gruppe, die ich zu den heiligen Stätten der Inkas geführt habe, ist nach Hause geflogen. Ich befinde mich in Cuzco auf der Plaza de Armas. Sitze auf den Stufen, die zur Kathedrale hinaufführen und beobachte das geschäftige Treiben. Mit meinen Gedanken bin ich schon woanders. Heute Abend geht es los. Ein mehrjähriger Traum erfüllt sich. Seit meinem ersten Treffen mit den Schamanen aus Qeros, brannte in mir der Wunsch Qeros zu besuchen. Im April, mitten in den Reisevorbereitungen für die diesjährige "Einweihungstour" für eine an der Inkakultur interessierten Gruppe, bekam ich die überraschende Einladung. Ich könnte ja noch eine Woche dranhängen und Qeros besuchen. Fasziniert von der Idee nehme ich die unerwartete Einladung an. Und heute, ja heute Abend ist es soweit. Endlich. Irgendwie kann ich es noch gar nicht fassen. Ich warte. Christine, meine Lebensgefährtin und Willy und Gertraud, zwei Freunde sind noch in der Stadt unterwegs um letzte persönliche Besorgungen zu machen. Ich hatte keine Lust mitzukommen, wollte lieber an dieser Stelle auf sie warten und das für Cuzco so typische Treiben beobachten. Es ist ein guter Platz, hier auf den Stufen der Kathedrale. Träumen. Wie wird es wohl in Qeros aussehen? Werden wir die anstrengende Tour gut überstehen? Wie werden wir mit der dünnen Luft  auf über 5000 Meter Seehöhe zurecht kommen? Wie wird das Wetter sein? Meine Freunde reißen mich aus den Gedanken. Hallo! Alles erledigt? Genug Filme, alles gekauft? Ja, wir sind vorbereitet.

Juan, einer der Schamanen  und Führer des Volkes von Qeros kommt uns heute abholen. Wir haben einen Kleinbus gemietet. Zusammen mit ein paar einheimischen Freunden Juans aus Cuzco wollen wir am Abend aufbrechen. Treffpunkt ist 20 Uhr vor dem Hotel.

Pünktlich, ganz untypisch für Peruaner, erscheinen unsere Reisegefährten vor dem Hotel. Als erstes steuern wir ein Kaufhaus an. Wir brauchen Proviant für eine Woche, denn in Qeros gibt es nichts zu kaufen. Und wir nehmen Geschenke für das Dorf mit. Reis, Zucker, Salz und Nudeln, lauter Grundnahrungsmittel, die es in Qeros nicht gibt. Und Süßigkeiten für die Kleinen.

Wir verlassen Cuzco. Schon bald hat sich bei uns die erste Aufregung gelegt, das eintönige Geräusch des Motors tut sein übriges und wir dösen ein. Nach ca. einer Stunde Fahrt zweigen wir ab. In Serpentinen geht es bergauf. Die Straße ist schon längst nicht mehr geteert. Eine der berüchtigten Schotterpisten. Trotz des Holperns und Wackelns versuchen wir zu schlafen. Dunkelheit hüllt uns ein. Nur hie und da kommt uns ein LKW oder Sattelschlepper entgegen.

Es ist schon nach Mitternacht als wir nach dem ständigen Bergauffahren auf einmal weit entfernt tief unten die Lichter einer Stadt sehen. Was ist das für eine Stadt? Cuzco, klärt uns der Fahrer auf. Ein unbeschreiblicher Anblick. Weit und breit nur die dunklen Schatten der Berge. Und winzig klein die Lichter von Cuzco. Es ist als wolle uns die Zivilisation einen letzten Gruß senden.

Gegen vier Uhr früh erreichen wir dien höchsten Pass. Es ist ein heiliger Ort. Eine kleine Kapelle steht auch da. Doch für den Pacaruna Juan ist die Kirche unwichtig.  Wichtig ist, dass wir, bevor wir die neue Region betreten, die Apus (das sind die Berggottheiten der Inkas) um Erlaubnis fragen und ein Opfer darbringen. Juan erklärt: Sucht einen Stein und legt ihn mit euren Bitten auf einen Platz, von dem ihr das Gefühl habt, dass es der richtige für euren Stein sei. Ich suche mir einen Stein. So ganz ehrfürchtig bin ich allerdings nicht. Es ist saukalt. Die Kälte dringt durch die Kleidung. Wahrscheinlich ist der Kreislauf auch nicht gerade auf Hochtouren. Ich erledige meine Pflicht. Etwas beschämt stelle ich dann fest, dass Juan niedergekniet ist und betet. In der beginnenden Dämmerung kann ich mehr ausmachen. Viele, zu kleinen Pyramiden aufgetürmte Steinhaufen sind zu sehen. Offensichtlich nehmen die Fernfahrer und Bewohner der Region die alten Überlieferungen noch ernst.

Nachdem alle ihr Opfer dargebracht haben fahren wir wieder los. Ich freue mich, dass endlich mehr zu sehen ist. Kurve um Kurve fahren wir den Pass hinunter. Die Landschaft ist karg. Viel Geröll und dazwischen das braune  für die Anden typische Ichu-Gras. Die Berge sind schroff. Die Straße musste wahrscheinlich an vielen Stellen in den Fels gesprengt werden. Trotz des beginnenden Tages übermannt mich erneut Müdigkeit. 

Weiter lesen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gesamt-
übersicht

 

Übersicht
Peru

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  Copyright © 2002 Verlag Michael Kirchner