Qeros - Die letzten Inka

      Reisebericht

Teil 2

 

 

   

 

Als ich wieder erwache biegen wir gerade von der "Hauptstraße" ab und fahren ein, zwei Kilometer über einen schmalen Fahrweg in ein Hochtal hinein. Wir machen bei einem einzelnen Gehöft halt. Ein Steinbau mit einem Blechdach. Sehr einfach. Auch Mauern aus aufgeschichteten Steinen sind zu sehen. Ein Campesino, ein indianischer Kleinbauer lebt hier mit seiner Familie. Vom Motor unseres Kleinbusses neugierig gemacht kommen die Bewohner aus dem Haus. Wir steigen aus. Frühstück. Es ist noch immer eiskalt. Das Gras ist von einem Raureif überzogen. Zähneputzen am Bach. Brrr, das kalte Wasser. Wenn doch endlich die Sonne über die nahen Bergspitzen käme. Wir bereiten uns von unserem Proviant unser Frühstück her. Aus der Hütte steigt Rauch auf.  In der Kälte ziehen sich die Minuten dahin.

Qeros Inka Peru ReiseberichtDann taucht der Campesino auf und bringt uns wärmenden Coca-Tee. Das tut gut. Genüsslich schlürfen wir den heißen Tee. Er wärmt uns ein wenig von innen heraus. Aus dem Kamin steigt immer noch Rauch auf. Die Frau des Campesinos bringt uns in einem Tuch heiße Kartoffeln, das Hauptnahrungsmittel in diesen Höhen. Außer Kartoffeln wächst hier nichts. Unsere peruanischen Gefährten sind mit der hiesigen Nahrung vertraut und deuten uns zuzugreifen. So schlecht sind die Kartoffeln gar nicht. Hauptsache etwas Warmes in dieser Kälte. Wir warten. Gehen herum. Warten auf die Sonne. Ja auf was warten wir eigentlich. Juan gibt uns zu verstehen, dass hier der vereinbarte Treffpunkt mit seinen Stammesgenossen sei. Ach so.

Einige Zeit später hören wir Pfiffe. So verständigen sich die Andenbewohner untereinander und bald schon kommt eine kleine Herde Pferde über eine Kuppe, angetrieben von Juans Freunden. Ich begrüße zuerst Don Nikolas, den ältesten der Gruppe. Sein Sohn Luis ist auch dabei. Wir kennen uns schon von den Zeremonien mit den Gruppen. Und ein anderer, den sie Marcos nennen. Auch sie bekommen heiße Kartoffeln und Coca-Tee. Dann das übliche für uns unverständliche Palaver in Quechua, ihrer Muttersprache. Aus den Gesten erahne ich, worum es geht. Das Gepäck vom Bus auf die Pferde umladen. Wir beladen die Pferde. Neuerliche Beratschlagung. Die Pferde werden wieder abgeladen. Wir fahren noch ein Stück mit dem Bus. Endlich geht es weiter. Und der Bus quält sich langsam das Hochtal hoch. Immer weiter hinauf. Manchmal ist die Straße so schlecht, dass wir anhalten müssen und ein Stück zu Fuß gehen. Die Qerosindianer mit den Pferden folgen uns dichtauf. Den anfänglichen Vorsprung haben sie bald wettgemacht. Juan geht jetzt auch mit den Pferden mit. Ich kann nur staunen über die Fitness dieser Menschen. Vor allem Nikolas gilt meine Bewunderung. Mit seinen 76 Jahren läuft er neben den Pferden her und hält mühelos das Tempo.

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