Mit dem Aktivsegler "Thor Heyerdahl" nach Polen

      Auf den Spuren der deutschen Vergangenheit

Teil 2

 

 

   

 

Dreimal lang mit dem Typhon und "Leinen los..."

"Reise, Reise", für manch einem war die wohlverdiente Nachtruhe viel zu kurz, waren sie doch weit über 36 Stunden auf den Beinen gewesen. Anders als bei Muttern oder wie auf einem Kreuzfahrtschiff, mussten hier an Bord alle mit anpacken. Frühstück und die "Backschafter" rotierten, 42 hungrige Mäuler drücken gewaltig was weg! Und dann war es endlich soweit. Die "Trockenübung" am Kai wurde allhands gemeistert, Moni unser "Smut" brachte ein volles Drei-Gänge-Menü auf die Back und anschließend hieß es: "Leinen los!" Als Abschiedgruß tönte es dreimal lang aus dem Schiffstyphon und wir motorten aus dem Industriehafen. Schon nach dem "Freischwimmen" hinter der Hafenmole wurden alle Segel gesetzt, und mit 5- 6 Beaufort in 630 qm Segelfläche ging es Richtung Bornholm. Dem einen oder anderen war das schon zuviel. Denn der böige Westwind, der bis in die Nacht anhielt, die achterlich auflaufende See und die ungewohnten Rollbewegungen des Schiffes machte denen mächtig zu schaffen. Neptun und Rasmus forderten ihre ersten Opfergaben. Grünweiße Brecher schlugen übers Schanzkleid. Das Heck des Dreimasters spielte Fahrstuhl " hoch und runter, wobei der Aktivsegler auch die Nase tief in die See tauchte. Und doch machten wir immer noch gute 7 Knoten Fahrt. In den Abend- und Nachtstunden wurde der Ausguck auf der Back verdoppelt um den starken Schiffsverkehr im Auge zu behalten. So liefen wir, allmählich hatte man sich an die Schlingerbewegungen gewöhnt, in die dunkle Nacht hinein und kamen zur verdienten Ruh.

 

Bornholm lag voraus

Der unangenehme Starkwind und die Dünung waren merklich geringer. Die "Thor", wie der Toppsegelschoner im Freundeskreis genannt wird, hatte längst die erste Ansteuerungstonne von Rønne genommen. Nach dem Frühstück wurde die Segelgarderobe pikobello aufgetucht und unser Steuermann legte im Hafen ein Bilderbuch-Anlege-Manöver hin. Nach dem Aufklaren und bevor der Landgang freigegeben wurde, rief Käpt´n Detlef die gesamte Mannschaft zum "Besan Schot an" aufs Achterdeck.

NexöIn den nächsten 36 Stunden wurden wir für unsere Mühen reichlich belohnt. Die an Bord gebliebene Hafenwache und ihr Schiff waren für die Touristen am Ort ein begehrtes Fotomotiv. Die Freiwachler stromerten nach Herzenslust durch die engen kopfsteingepflasterten Gassen. "Big City" Rønne hatte viel zu bieten: Kleine putzige pastellfarbene Fachwerkhäuser mit Sprossenfenstern und davor mannshohe Stockrosen. Im Fischereihafen lagen leuchtend angestrichene Fischkutter und allerorts diente uns die schlanke Kirchturmspitze der Nicolai-Kirche immer als Orientierungshilfe. Stadtpflaster macht müde. Die "Fußkranken" zogen in einem gemütlichen Kro. Andere konnten es nicht lassen und setzten die Besichtigungstour fort. Abends wieder an Bord präsentierte "uns Dedel" einen eindrucksvollen Diavortrag über eine abenteuerliche Faltbootexpedition in der lebensbedrohlichen Inselwelt der Aleuten, die er mit dem bekannten Abenteurer Arwed Fuchs gemacht hatte. "Skål", mit frischen "Bornholmern" (geräucherte Heringe) und einer kühlen Blonden, oder waren es mehr Bierchen, klang der Tag aus.

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