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FloridaReisebericht |
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Anflug auf Cincinnati Airport. Der Captain meldet eine geringfügige Verspätung, die Landebahn muß erst von Eis befreit
werden. Habe ich da richtig gehört? Zwei Stunden Flugzeit entfernt von Orlando und immer noch Eis und Schnee?
Eigentlich wollten wir doch dem Winter in der Schweiz entfliehen! Meine Lebensgefährtin schaut mich skeptisch an. Ob
ich das mit dem Klima in Florida auch richtig gelesen hätte, fragt sie mich. Mit einem etwas flauen Gefühl öffne ich
unseren Reiseführer. Da steht es doch schwarz auf weiß: Janurar Durchschnittstemperaturen 18 - 20 Grad C! Also
doch. Wir lassen uns die Ferienstimmung nicht nehmen und gönnen uns auf dem kurzen Flug nach Orlando noch ein paar
Augenblicke Schlaf. Das Lichtermeer von Orlando ist in der Dunkelheit unbeschreiblich. Der Flughafen wirkt aus der
Luft wie eine Sonne, umkreist von vielen Planeten. Schon beim Durchqueren des Airports zur Gepäckausgabe finden
wir es schade, daß uns nicht mehr genügend Zeit für eine Besichtigung des Flughafens bleibt. Noch fasziniert von den
ersten Eindrücken geht`s zur Mietwagenfirma. Auch hier wickelt man alles freundlich und unkompliziert ab, trotz
fortgeschrittener Abendstunde. Mit einem brandneuen Pontiac und einem Stadtplan von Orlando fahren wir in Richtung
Inernational Drive, wo wir im Hotel die erste Nacht verbringen. Der erste Morgen in Orlando vertreibt dann auch
sogleich unsere Sorgen bezüglich des Klimas. Morgens um sieben zeigt sich bereits die Sonne am blauen Himmel und
gute 22 Grad C sind angesagt. Also auf und los; liegt doch ein großes Programm für die ersten fünf Tage vor uns. Disney
World, EPCOT Center, Sea World und die Universal Studios wollen wir besuchen. Sea World wird uns immer in bester Erinnerung bleiben. Noch selten haben wir ein solches Gefühl der Entspannung und der gleichzeitigen Unterhaltung erlebt: Ob eine lustige Unterhaltungsshow mit den Seehunden, das Füttern der Delphine, der Nervenkitzel beim Durchqueren des Glastunnels im Becken voller Haifische oder beim Kassenschlager des Sea Worlds, dem Killerwal "Shamou" ; alles ist perfekt. Begleitet von sanfter Musik schlendert man zwischen herrlicher Vegetation und den verschiedenen Attraktionen hin und her, mit dem Gefühl, nichts auf der Welt könne einen jetzt noch aus der Ruhe bringen. Empfehlenswert! Unser zweiter Tag gehört dem EPCOT Center, welches ebenfalls zu Disney World gehört. Die zum Symbol gewordene gigantische silberne Kugel am Eingang mißt rund 55 Meter Durchmesser. Im Innern dieser Kugel fährt man auf einer Bahn einige tausend Jahre der Menschheitsgeschichte ab. Noch am selben Vormittag machen wir in einem verkleinerten Raumschiff eine Reise durch den menschlichen Körper (perfekte Simulation durch eine hydraulisch gesteuerte Kabine), schlängeln uns auf gigantisch großen, mit Sonnenenergie betriebenen Wagen zwischen fauchenden Dinosauriern durch und schlendern durch eine bis ins Detail nachgebaute Unterwasserstation, welche von (echten) majestätisch dahinschwebenden Fischen umgeben ist. Ehe wir begreifen, wie wir per Lift den dunklen Tiefen entflohen sind, stehen wir mitten auf einem mexikanischen Dorfplatz, wo gerade einige Markthändler ihre Stände aufgebaut haben. In spanischer Sprache wird hier einheimische Ware an den Mann/die Frau gebracht. EPCOT macht den Sprung von Kontinent zu Kontinent einfach. So liegt neben Marokko bereits Frankreich mit seinen Bistros, überragt von dem berühmten Wahrzeichen, dem Eiffelturm. über eine kleine Brücke erreicht man England. Auch Norwegen, China und die U.S.A. sind vertreten. Zum Abschluß sitzen wir im 3-D Kino, in welchem alle Sinne getäuscht werden und Mäuse von der Leinwand plötzlich um unsere Beine streichen! Nichts für schwache Nerven!
Dann erblicken wir plötzlich, mächtig und doch verspielt, das Cinderella-Schloß am Ende der Straße. Wir bummeln gut 6 Stunden durch den Park: Vom Zukunftsland per Gondelbahn zum Spukschloß, zu Fuß zu den saufenden und grölenden Piraten, zu den Ruhmeshallen der ehemaligen Präsidenten, ein kurzer Besuch in Mickeys Haus und zum Schluß schließlich an den "Splash Mountain" wo wir in einem ausgehöhlten Baumstamm nach einer rasanten Flußfahrt schließlich 14 Meter in die Tiefe stürzen. Benommen von den vielen Eindrücken begeben wir uns an den Hotel-Pool, um dort unseren strapazierten Füßen ein bißchen Erholung zu gönnen. Wieder einmal staune ich über die perfekte Organisation in Disney World, arbeiten doch mehr als 10 000 Personen fast unbemerkt zum Wohle der Besucher und das auf einer Fläche von mehr als 11 000 Hektar; ja, Sie haben richtig gelesen, der Park hat etwa die doppelte Fläche von Manhattan. Disney World, ein gigantischer Rummelplatz der Phantasien und Illusionen- Go! Go for the Magic! Auf den Besuch in den Universal Filmstudios haben wir uns besonders gefreut, trifft man hier doch auf Lieblinge wie King Kong, den weißen Hai, die Ghostbusters Crew, E.T., den Hund Beethoven oder Lassie hautnah, wobei man bei King Kong und dem weißen Hai sagen könnte: sehr nahe! Bei einer Rundfahrt durch die Studios erhält man einen guten überblick, was in diesem Park so alles abgeht. Und das ist eine ganze Menge! So umrunden wir Kulissen aus uns wohl bekannten Kino-Kassenschlagern wie "The Flinstones" oder "Jurassic Park", begegnen Marilyn Monroe, bekommen Einblick in diverse Serienproduktionen und können uns an berühmten Requisiten aus früherer Zeit ergötzen. Wer immer noch nicht genug hat, kann in einer Bahn ein Erdbeben der Stärke 6 auf der Richter-Skala erleben oder im Original-Auto aus dem Film "Back to the Future" einen Flug durch die Zeit unternehmen. Diese Attraktion ist eines der Zugpferde der Universal Studios und mit ein Grund, warum so viele Besucher (nicht nur wir) am Morgen wie der Blitz nach der Türöffnung zu Marty McFly`s Auto stürmen. Wartezeit so ca 15 Minuten; Wartezeit sonst ca 1 Stunde! Wüßte man vorher, was einen erwartet, stünde man gerne auch 3 Stunden in der Schlange! Richtig im Auto sitzend fliegt man einem Flugsimulator gleich durch Raum und Zeit, wird kräftig durchgeschüttelt, man schreit und lacht, rast über Gletscher, fällt in einen vulkanischen Schlund, wird von einem Dinosaurier gepackt, hochgeschleudert in die Eiszeit. Schlußendlich landen wir wieder in den Labors von "Doc", wo wir noch von Rauch eingenebelt und benommen dem Auto entsteigen. Das Ganze dauert vielleicht vier Minuten, es erscheint uns aber mehr als eine Ewigkeit. Es sei uns an dieser Stelle ein subjektiver Kommentar erlaubt: Das Beste was wir an Unterhaltung in der Art je erlebt haben!!
Der zweite Teil unserer Reise führt uns an die Westküste Floridas, nach Redington Beach, etwas vorgelagert von St. Petersburg. Das Wetter hat sich hier verschlechtert, sodaß wir uns entschließen, weiter nach Süden zu fahren. Angesichts der fortgeschrittenen Abendstunde lädt mich meine Frau kurzum ins Don CeSar ein, einen rosa Hotelpalast, der früher als Militärspital diente. Auch hier können wir von der Zwischensaison profitieren und erhalten zum Preis des güntigsten Zimmer eine Junior Suite. Das Zimmer ist ein Hit, das Abendessen exzellent. Da soll mal einer sagen man esse hier nur Hamburger! Der folgende Tag führt uns entlang weißer Sandstrände bis hinunter nach Sarasota.
Unsere dritte und letzte Woche beginnen wir mit der Fahrt nach Cape Coral. Dort wollen wir Freunde besuchen, die vor langer Zeit aus Deutschland ausgewandert sind, und sich nun in Florida niedergelassen haben. CAPE CORAL erinnert uns an Venedig. Auch hier sind die Häuser entlang vieler kleiner Kanäle gebaut und oft sucht man länger einen Übergang von einer zu andern Hauptstraße. überhaupt fällt die Orientierung anfangs schwer, steht doch beinahe jedes Haus am Wasser, jeder Garten hat seine Palmen und vor jeder Garage steht ein Ami-Schlitten. Das Paradies! Auch das Wetter ist hier auffallend besser. Dank einer guten Karte und meiner Frau als hervorragende Co-Pilotin finden wir das Haus unserer Freunde sehr schnell. Wie überall in Amerika fühlen wir uns auch hier herzlich willkommen und schnell hat man das Gefühl, schon immer hier gewesen zu sein. CAPE CORAL liegt unmittelbar, nur von einer Brücke getrennt, neben Fort Myers, einer Stadt, die nebst ihren palmengesäumten Straßen und herrlichen Stränden auch etwas für die Unternehmunglustigen zu bieten hat. Die technisch Interessierten zum Beispiel, werden mit Begeisterung das Edison Haus besuchen. Edison war bekanntlich der Erfinder vieler heute alltäglicher Sachen und war gut befreundet mit Henry Ford, welcher mit seinen Autos weltweit bekannt wurde. Speziell zu erwähnen ist ein von Edison zu Versuchszwecken gepflanzter Baum, welcher die Wurzeln vom Ast zum Boden schlägt. Der Baum wurde vor über 70 Jahren gepflanzt und bedeckt heute eine Fläche in der Größe eines Tennisplatzes. Würde man ihn nicht dauernd zurechtschneiden, so würde er heute die Fläche eines Fußballfeldes und mehr bedecken. Sind Sie nicht so technisch interessiert, dann bietet sich die Möglichkeit nach Sanibal Island zu fahren, eine von vielen kleinen Inseln entlang der Küste von Fort Myers und Cape Coral. Ob ein Besuch in einem kleinen Provinztheater, ein Dinner unter Palmen oder eine Tour mit dem Fahrrad: hier ist alles möglich. Wir für unseren Teil machen eine Tour auf den Roller-Blades (eine Art Rollschuhe,die zu fahren sind wie Schlittschuhe) durch herrliche wilde Natur, ja sogar einen Alligator kriegen wir zu Gesicht!
Sozusagen als krönenden Abschluß machen wir einen Tagesausflug auf die kleine Insel "Upper Captiva". Diese Insel ist zur Zeit noch ein Geheimtip, erreicht man sie doch nur per Schiff oder mit einem kleinen Sportflugzeug. Für umgerechnet 50 Schweizer Franken bringt uns ein Charterboot in einer halben Stunde nach Upper Captiva. Am Hafen treffen wir auf ein kleines Haus welches zugleich Restaurant, Lebensmittelladen, Poststelle, Telefonzentrale und Vermieter von Elektro-Golfwagen ist, mit welchem wir die Insel erobern wollen. Noch einmal die Bestätigung der Abholzeit beim Bootsführer einholen und dann geht`s los! Und wie! Durch saftig grüne Vegetation, nur auf kleinen Sandwegen gelangen wir zu Stränden, die sonst nur in der Bounty-Werbung zu sehen sind. Gerade dort wo es uns paßt, lassen wir uns nieder und geniessen die Einsamkeit. Während zu Hause in Europa Schneestürme und Schmuddelwetter die Tage vermiesen, liegen wir unter "unserer" Palme und blicken aufs Meer, wo die nächsten Inseln, gleich einer Perlenkette, aufgereiht im tiefblauen Wasser liegen. Sogar Delphine lassen sich zu unserer großen Begeisterung blicken. Viel zu schnell neigt sich die Sonne dem Horizont zu und erinnert uns daran, daß auch die paradiesischen Seiten des Lebens ein Ende haben. Still gleiten wir übers Wasser, die Flossen der Delphine scheinen uns zum Abschied zuzuwinken und wir beide gehen still unseren eigenen Gedanken nach. Eigentlich möchten wir das Boot herumreißen, zurückkehren, nochmals die Zeit zurückdrehen. Aber eben; die Koffer sind noch am selben Abend gepackt, ein letztes Mal ein Essen mit unsern Gastgebern und dann, schneller als man glaubt, hat uns der Alltag wieder. Nur einen Tag nach unserem Ausflug auf die kleine Robinsoninsel hat uns der Flug über den Atlantik wieder nach Hause in die Schweiz gebracht. Hier stehen wir nun im Supermarkt in der Schlange, zwischen grämigen Gesichtern und drängelnden Leuten. Wie intolerant uns hier alle vorkommen! Wie es uns fehlt, das freundliche "Hello" am Morgen, die unbeschwerte Art der Amerikaner, die Gastfreundlichkeit, das herrliche Wetter. Eine erste Sehnsucht überkommt uns, dabei ist es erst gerade 36 Stunden her, daß wir Amerika per Flugzeug verlassen haben......Aber eines wissen wir ganz genau: Florida, we will be back! |
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